Nicht-Dualität-Tage 2025: Live-Satsang 3 von 5 vom 5. Oktober 2025, 9:30 Uhr
Deutsch mit deutschen Untertiteln.
Themen: Sorglos leben. Ist Jesus wirklich übers Wasser gegangen? Jeder wird zweimal geboren. Nicht-Harmonie ertragen. Warum der Weg nach innen Zeit braucht. Gefühle einladen statt wegschicken. Mit der Meditation ging die Tür nach innen auf. Jeder Weg führt ans Ziel – wenn du ihn gehst. Sei dir treu – auch mit deiner Wut. Jesus sprach immer vom Inneren.
Über dieses Video:
Dies ist die dritte von fünf Aufzeichnungen der Live-Satsangs, die es mit mir im Rahmen der Nicht-Dualität-Tage von Jetzt-TV im Oktober 2025 gab. Und in diesem wundervollen Satsang streiften uns die tiefen Themen des Lebens.
Das, was wir suchen, ist schon da – näher geht es nicht: es ist in uns. Und doch braucht der Weg dorthin Zeit. Um dieses Paradox kreiste dieser Satsang von der ersten Frage an. Denn das Einzige, was Zeit braucht, ist, dass wir lernen, in diese Richtung zu schauen; dass wir empfindsam werden für das Feine und Stille, nachdem wir ein Leben lang nur das Laute und Grobe kannten. Empfindsamkeit kann nur langsam wachsen – und das ist gut so.
Langsamkeit ist also kein Mangel, im Gegenteil: sie ist ein Schutz und eine Notwendigkeit. Denn je empfindsamer wir werden, desto stärker müssen wir gewachsen sein. Wer es dagegen eilig hat, steht in Wirklichkeit still.
Besonders berührt hat mich an diesem Morgen eine Frau, die erst seit fünf Tagen meditiert und staunend spürt, wie etwas Neues in ihr beginnt – und die sich zugleich fragt, ob ihr die Zeit noch reicht, weil sie schon älter ist; ob sie vielleicht noch einmal geboren werden muss. So durfte ich über eines meiner liebsten Themen sprechen: dass jeder Mensch zweimal geboren wird – auch Jesus – und dass diese zweite Geburt nichts mit dem Körper zu tun hat. Was es mit der jungfräulichen Geburt wirklich auf sich hat, ist so viel schöner und näher, als die Christen es erzählen. Und für diese Frau gilt, was für uns alle gilt: Es besteht keine Eile. Du verpasst nichts.
Eine andere Frage führte mitten ins Familienleben: Was tun, wenn man mit der Partnerin des eigenen Vaters nichts mehr zu tun haben möchte – und genau das nun zwischen einem selbst und dem Vater steht? Nicht-Harmonie zu ertragen ist eines der schwierigsten Dinge für uns Menschen. Doch die Hausaufgaben liegen immer innen, und dabei hilft ein Wundermittel: Zeit.
Und dann erzählte jemand, wie er durch die Meditation immer feiner und empfindsamer wird – und dabei im Außen immer öfter aneckt. Genau das gehört zu diesem Weg: je näher man sich kommt, desto deutlicher klopfen die Gefühle an – die Einsamkeit, die Traurigkeit, sogar die Wut. Man kann sie einladen wie einen Gast, dem man Tee einschenkt; ganz sanft, ganz allmählich, ohne Eile. Die Einsamkeit ist einsam, weil sie immer alleingelassen wurde.
Gegen Ende landeten wir bei meinem Lieblings-Thema – das gleichzeitig für viele Menschen eine einzige Provokation ist, wenn ich sage: „Sei dir selbst treu”. Denn auf den ersten Blick scheint dies zu bedeuten, sich nicht darum zu scheren, was gut oder schlecht ist und was andere brauchen: es klingt einfach nur egoistisch und selbstsüchtig. Und ich freute mich über die Gelegenheit, ein wenig tiefer zu schauen, bis hinunter zu den Wurzeln von Aggression – und von Heilung.
Ich danke allen, die dabei waren, für diesen wunderbaren Satsang; danke, dass du da warst.
Links zu den Themen in dieser Aufzeichnung:
(weiter unten gibt es die vollständige Abschrift).
-
Sorglos leben
-
Ist Jesus wirklich übers Wasser gegangen?
-
Jeder wird zweimal geboren
-
Nicht-Harmonie ertragen
-
Warum der Weg nach innen Zeit braucht
-
Gefühle einladen statt wegschicken
-
Mit der Meditation ging die Tür nach innen auf
-
Jeder Weg führt ans Ziel – wenn du ihn gehst
-
Sei dir treu – auch mit deiner Wut
-
Jesus sprach immer vom Inneren
Vollständiger Text der Aufzeichnung zum Mitlesen:
Sorglos leben
Link zum Thema im Video bei 0m22s
[Dhyan Mikael:] Guten Morgen.
Herzlich willkommen zum Satsang.
Passt die Lautstärke, oder ist es zu laut? Nein?
Ich glaube, mir ist es ein Ticken zu laut. Nein, nicht mich, sondern oben den Regler, ja, genau. So ein bisschen. Ja, so ist es besser. Hört ihr mich immer noch gut? Sehr gut, danke.
Ja, das ist lustig mit der Technik.
Ich habe in 25 Jahren Satsang viel erlebt mit der Technik, was eigentlich gar nicht passieren kann. Aber...
bei Swamiji in Indien: die haben da richtig große Events, die perfekt organisiert sind, mit bester Technik. Die haben da eigene Starkstromleitungen zu diesen Events, weil da 50.000 Leute sind und Flutlicht und unvorstellbar.
Und Swamiji kommt rein – und der Strom ist weg, und alles ist aus.
Und so etwas kommt einfach ständig vor. Bei Soham im Satsang: alles läuft, fünfmal getestet, alles ist perfekt. Er kommt rein, setzt sich hin, will anfangen – zack, irgendetwas geht aus.
Vielleicht ist es wirklich die Energie, wer weiß.
Auf jeden Fall ist es gut, weil selbst wenn ich einen Hauch von Ernst in mir hätte, wenn ich mich hierher setze: nach solchen Aktionen, ist der dann auch weg.
Ja.
Alles alte Hasen, das ist ja toll. Du warst auch schon hier, gell? Nein, du bist ganz neu? Zum ersten Mal? Willkommen.
Ja, dann sage ich doch noch einmal meinen Spruch zum Satsang. Also – ich bin ein ganz normaler Mensch, wie alle anderen hier auch: nicht wirklich schlauer oder so. Aber ich habe das Glück gehabt, dass ich über einige Zeit in der Nähe von Menschen leben und arbeiten durfte, die wissen, wie man nicht-ernst lebt. Die wissen, wie man das tut, was alle möchten: sich vom Leben tragen zu lassen; sich keine Sorgen zu machen.
Ich hatte das Glück, in der Nähe von Menschen zu leben, die wissen, wie man nicht ernst lebt, sich vom Leben tragen lässt und sich keine Sorgen macht. Und das geht eigentlich ganz einfach. Aber wir können uns nicht vorstellen, dass das geht. Deswegen gebe ich Satsang – weil ich dir sagen möchte: „Hey, das geht. Das ist möglich.”
Link zum Zitat im Video bei 2m45s
Und es geht eigentlich ganz einfach. Das einzige Problem ist, dass wir uns nicht vorstellen können, dass es geht. Alles in uns sagt: „Das kann nicht sein. Das ist vollkommen unmöglich.” Und deswegen gebe ich Satsang – weil ich dir sagen möchte: „Hey, das geht. Das ist möglich.” Was du vielleicht einmal von Jesus gehört hast oder von Buddha – da gibt es ja einige –: das ist wahr und praktisch. Also, es ist wirklich … es ist nichts Esoterisches, es ist nichts Abgehobenes, sondern das ist ganz supereinfache, praktische Lebensweisheit.
Und wenn du oder ihr anderen Fragen habt, bitte fragt mich.
Ist Jesus wirklich übers Wasser gegangen?
Link zum Thema im Video bei 4m26s
[Fragende(r):] Hallo, Mikael.
[Dhyan Mikael:] Guten Morgen.
[Fragende(r):] Ich habe eine Frage, die ich schon immer wieder einmal gedacht habe, die muss ich einmal stellen. Du erzählst ja so oft auch von Jesus und wie wir das teilweise falsch interpretiert haben oder nicht verstehen. Und ich habe mich gefragt: Was hat es denn mit dem „Jesus ist über das Wasser gelaufen” auf sich? Weißt du da etwas dazu zu sagen?
[Dhyan Mikael:] Das ist eine gute Frage, die wurde mir noch nicht gestellt.
Ich weiß es nicht.
Ich meine, ich habe selbst um meinen Meister Soham oft genug erlebt, wie Sachen, die ich für unmöglich hielt, einfach passiert sind. Und jetzt erlebe ich es in meinem Leben natürlich auch die ganze Zeit.
Allein die Tatsache, dass wir hier zusammensitzen, ist für den da oben völlig undenkbar gewesen. Aber es passiert, und es ist schön.
Jesus hat immer vom Inneren gesprochen.
Was seine Schüler daraus gemacht haben, weiß ich nicht. Also, ich habe die Erfahrung gemacht, dass selbst die Menschen, die dem Meister oder dem Guru am allernächsten sind, die mit ihm frühstücken und zu Abend essen, die jahrelang bei ihm sind und jedes Wort von ihm hören, das, was er verkörpert und was er sagt, vollkommen verschieden aufnehmen.
Und was die dann berichten und wie sie es erzählen, ist vollkommen verschieden. Du kannst jemand anderen fragen, der auch zehn Jahre an meiner Seite bei Soham war: Du wirst nicht glauben, dass der oder die Person von der gleichen Zeit erzählt.
Deswegen weiß ich nicht, was da wirklich konkret wahr ist und was das Erleben eines Einzelnen ist. Das weiß ich nicht. Und natürlich haben die Jünger die Tendenz, das Weltliche des Gurus zu überhöhen.
Dem Guru ist das natürlich völlig schnuppe.
Dem geht es nur um das da drin.
Es wurde gesagt, Jesus konnte Wasser in Wein verwandeln. Ich glaube nicht, dass ihm daran gelegen war. Aber wenn man das tut, was Jesus empfohlen hat, wenn man das tut, wovon ich erzähle, dann wird das normale Leben heilig. Dann wird das, was du in deinem ganz normalen Leben schon immer erlebt hast, plötzlich besonders, schön.
Wenn man das tut, was Jesus empfohlen hat, wird das normale Leben heilig. Dann wird das, was du in deinem Leben erlebst, besonders, schön. Du fängst an, überall Schönheit zu sehen. Alles berührt dich. Jeder Mensch, selbst die, die dir Böses wollen, berühren dich. Jeder Schluck Wasser ist köstlich. Du bist dankbar für alles. Dann wird aus Wasser Wein.
Link zum Zitat im Video bei 7m28s
Du fängst an, überall Schönheit zu sehen. Alles berührt dich. Jeder Mensch, selbst die, die dir Böses wollen, die berühren dich einfach. Jeder Schluck Wasser ist köstlich. Du bist dankbar für alles. Dann wird aus Wasser Wein. Du kaufst dir teuren Wein; ich brauche nur einen Schluck Wasser zu trinken und bin glücklich.
So verstehe ich diese Geschichten vom Außen.
Und vielleicht ist es mit der Geschichte – aber das ist jetzt von mir reine Vermutung, kein höheres Wissen oder so –, auch mit der Geschichte, wie Jesus übers Wasser lief, so: Er tut Dinge, oder in seiner Gegenwart geschehen Dinge, die sich die Jünger nicht vorstellen konnten. Und dann ist das für die ein Wunder. Für den Guru ist das kein Wunder, das ist völlig normal.
Der weiß, dass so die Welt tickt. Die Schüler wissen es nicht.
Ob der jetzt wirklich auf der Wasseroberfläche etwas physikalisch Unmögliches gemacht hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es darauf überhaupt nicht ankommt.
Da gibt es eine Szene, wo Jesus – das war kurz bevor er nach Jerusalem zog – zu seinen Jüngern sprach, und er sagte zu ihnen: „Die Zeit der Wunder ist vorbei. Ab jetzt werde ich keine Wunder mehr machen.” Weil darum geht es nicht. „Ich habe die nur gemacht, damit die Leute anfangen, mir zuzuhören – damit sie glauben: Ich bin der Messias.” Oder übersetzt: damit sie glauben, dass Gott durch mich lebt.
Nur dafür hat er das gemacht. Nicht weil es wichtig wäre, sondern weil die Leute ihm sonst nicht zugehört hätten. Und heute ist es genauso. Jemand, der Wunder verspricht – da sind 5.000 Leute oder 10.000 –; hier sind die Leute, die keine Wunder mehr brauchen, die wissen wollen, wie es wirklich geht. Aber so war es damals auch: die hätten ihm nicht zugehört.
[Fragende(r):] Hallo, Mikael. Ilse hier.
Mir kam jetzt gerade die Idee – ich glaube mich zu erinnern, dass da ja ziemlich ein Sturm war und Jesus dann die See beruhigt und darüber läuft. Könnte auch ein Gleichnis sein für: wenn man aufgebracht ist oder eben sich von Gedanken, von den Gefühlen überwältigt fühlt, dass er zeigt, dass er irgendwie das herunterfährt und dann sogar noch darüberläuft. Also wo man merkt: Das hat nichts mit dem, um was es eigentlich wirklich geht, zu tun.
[Dhyan Mikael:] Ja, stimmt. Jetzt erinnere ich mich auch. Es kann gut sein, dass ein Schüler das erlebt hat und das dann in ein Bild gepackt hat.
[Fragende(r):] Genau.
[Dhyan Mikael:] Und das wird dann weiter überliefert, weil es ein tolles Bild ist. Und dann wird daraus eine Geschichte, die wirklich geschehen ist. Das ist gut möglich. Aber es ist wirklich so: Die Menschen sind vollkommen fassungslos, aufgebracht und in Panik, und rennen zum Meister, und da verschwindet das alles.
Der braucht den Sturm noch … Also, der tut natürlich nichts, aber der Sturm beruhigt sich – der Sturm in den Schülern, einfach, weil sie da sind bei ihm. Und das ist wirklich so. Ja, das kann gut sein, dass es genau so war.
Ich erinnere mich an einen Moment, das war am 11. September 2000 – wann immer auch das war damals – und ich saß … Damals waren wir auf Korfu zum Retreat, und ich saß vor meinem Zimmer auf dem Balkon und habe an meinem Computer gearbeitet. Soham wohnte auch auf der gleichen Etage im gleichen Haus.
Und plötzlich kamen die Leute angerannt, in totaler Panik: „Der Dritte Weltkrieg bricht aus!” Und das war wirklich krass. Die sind da vor mir auf dem Balkon vorbeigelaufen und haben mich angeguckt: „Hast du schon gehört?” Und es hat mich überhaupt nicht berührt. Ich saß einfach da, habe die angeguckt, habe gestaunt und habe weitergearbeitet. Und dann sind sie zu Soham hinüber, und ich weiß nicht, was sie da erlebt haben, aber da haben sie wahrscheinlich genau das erlebt. Der sitzt dann da, und die Panik kann da nicht mit hereinkommen.
Jeder wird zweimal geboren
Link zum Thema im Video bei 13m21s
[Fragende(r):] Hallo, kannst du mir bitte etwas über die Wiedergeburt sagen?
[Dhyan Mikael:] Oh, sehr gerne. Oh ja. Du meinst deine Wiedergeburt, oder?
Ja. Ah, da spreche ich gern darüber. Ja, wir werden alle zweimal geboren.
Auch Jesus wurde zweimal geboren. Das erste Mal wurde er von Maria geboren – so wie du von Ilse geboren worden bist, wenn ich das richtig weiß –, und diese Geburt war nicht jungfräulich. Das ist ein Missverständnis.
Es ist unfassbar, was die Schüler dann zusammenpacken, was nicht zusammengehört, weil sie nicht wissen, wie es eigentlich gemeint war.
Es war nicht so, dass Maria schwanger wurde, ohne Sex gehabt zu haben.
So etwas ist nicht notwendig.
Aber Jesus wurde geboren wie du auch, in den Körper. Und dann irgendwann geschieht eine zweite Geburt.
Irgendwann geschieht eine zweite Geburt, die nichts mit dem Fleisch zu tun hat. Der Körper wandelt sich nicht. Es ist, als würde deine Seele geboren werden. Die ist schon da, aber du weißt nichts von ihr. Der Guru oder Meister kommt, oder das Leben berührt dich. Und plötzlich lernst du, nach innen zu gehen. Das ist wie ein neues Leben.
Link zum Zitat im Video bei 14m38s
Das ist das, was du gerade beginnst zu erleben.
Und diese Geburt hat nichts mit dem Fleisch zu tun. Die hat nichts mit dem Körper zu tun. Der Körper wandelt sich nicht.
Aber es ist, als würde deine Seele geboren werden. Die ist schon da, aber du weißt nichts von ihr – aber du als Seele wirst geboren. Der Guru kommt, der Meister kommt, der Jesus kommt, oder das Leben berührt dich auf eine andere Art und Weise., und plötzlich lernst du, nach innen zu gehen und deine Seele kennenzulernen.
Und das ist wie ein neues Leben.
Draußen ist alles genau wie immer, aber dein Leben... Du fängst an, dein Leben auf eine vollkommen neue Art und Weise zu leben, die mit der alten Weise nichts zu tun hat. Du kannst dir dann nach ein paar Jahren überhaupt nicht mehr vorstellen, wue du früher überhaupt so leben konntest. Und du hast mit diesem Menschen auf eine gewisse Art und Weise auch gar nichts mehr zu tun, obwohl du immer noch in diesem Körper steckst und immer noch Mikael heißt oder Ilse oder wie auch immer .
Und diese zweite Geburt, die hat nichts mit dem Körper zu tun, und deswegen wird sie jungfräulich genannt: „Nicht des Fleisches”, haben die damals gesagt – und die hat nichts mit Sex zu tun. Dafür braucht man keinen Mann und auch keine Frau. Dafür braucht man die Berührung des Göttlichen, und die geschieht durch einen Guru, durch einen Meister, oder... das Leben lässt sich viel einfallen dafür. Und das nennt man „jungfräuliche Geburt”: das ist die Wiedergeburt. Deswegen sagen die Gurus, oder sagt Jesus: „Du musst wiedergeboren werden.”
Und wie immer verstehen die Schüler das so, wie sie leben – im Weltlichen –, und denken: „Ja, gut, ich sterbe, und ich werde wiedergeboren.” Aber davon war da nicht die Rede.
Wir sind hier, um zu entdecken, wer wir wirklich sind: das ist diese Wiedergeburt. Jetzt gibt es da natürlich noch etwas Zweites: das ist dieser Zyklus der Seele, von dem die Buddhisten zum Beispiel sprechen.
Das ist vielleicht das, was du gemeint hast: du stirbst – aber nicht du, sondern der Körper stirbt –, und die Seele nimmt einen neuen Körper an, kommt in ein weiteres Leben, weil sie noch nicht fertig ist mit dem, was sie eigentlich machen wollte. Das ist eine völlig andere Geschichte. Davon redet Swamiji viel.
Und das hat damit zu tun, dass wir so lange ein neues Taxi besteigen – ein neues Werkzeug, den Körper, annehmen –, bis wir das getan haben, weswegen wir überhaupt ins Leben kommen, nämlich: jungfräulich geboren zu werden; die Seele zu entdecken; zu erkennen, wer du wirklich bist. Ich sagte das gestern: Das Leben ist wie ein Spiegel.
Das Leben ist wie ein Spiegel. Das Leben ist dazu da, dass du erlebst, wer du wirklich bist. Das geschieht, wenn du nach innen gehst. Aber wenn das nicht geschieht im Leben, kommst du in das nächste Leben. Das ist das, was die Buddhisten das Rad des Karmas nennen. Es geht ewig weiter, wenn du nicht irgendwann mit deinen Hausaufgaben fertig wirst.
Link zum Zitat im Video bei 18m34s
Das Leben ist dazu da, dass du erlebst, wer du wirklich bist. Das geschieht, wenn du nach innen gehst. Aber wenn das nicht geschieht im Leben, kommst du in das nächste Leben. Das ist das, was die Buddhisten das Rad des Karmas nennen. Es geht ewig weiter, wenn du nicht irgendwann mit deinen Hausaufgaben fertig wirst.
Und das funktioniert eigentlich ganz einfach, weißt du...
Du bist in Wirklichkeit eine Seele, weißt davon aber nichts. Du hältst dich für diesen Körper, und du nimmst alles unglaublich ernst, was hier auf dieser weltlichen, körperlichen Ebene geschieht. Du tust also genau das Gegenteil von dem, weswegen du eigentlich hier bist.
Und dann kommst du in dieses Leben, weil du – wie soll ich das erklären...
So wie du lebst, weil du die Dinge ernst nimmst, weil du die Dinge bewertest, dich und alle anderen, entsteht dieses Ich-Gefühl. Das Ich-Gefühl wird geboren aus Gedanken.
Und dieses Gefühl, diese Identität, die führt dazu, dass man neu geboren wird. Du stirbst, und du glaubst – du stirbst mit dieser Energie, dass du jemand bist, ein Körper – und du stirbst jetzt... – gleich, ich will es noch kurz ausführen, weil auch andere, die es dann später hören, es vielleicht noch nicht kennen – und dann wirst du neu geboren, weil du dann die Möglichkeit hast, dein Missverständnis zu erkennen. Dann erlebst du Dinge im Leben, die dir die Möglichkeit geben, zu erkennen: „Ah, das hat ja mit mir gar nichts zu tun.”
Aber gleichzeitig lebst du dieses neue Leben wieder genauso wie das vorherige. Du nimmst neue Dinge wieder ernst. Du nimmst … plötzlich willst du wieder andere Dinge, die du im letzten Leben noch nicht erlebt hast und die du plötzlich für wichtig hältst und für erstrebenswert. Das erzeugt dann ein neues Ich oder ein abgewandeltes Ich. Und so stirbst du wieder, und so wirst du wiedergeboren – bis du in ein Leben kommst, wo du einem begegnest, der dir beibringt, wie man lebt, ohne – so beschreiben das die Buddhisten – ohne neues Karma aufzubauen: ohne neues Ich-Gefühl zu erzeugen.
Du wirst geboren; vielleicht hast du im letzten Leben einen dramatischen Tod erlebt, weil du im Leben davor jemand anderen ganz furchtbar umgebracht hast... Okay, dann erlebst du das, kommst damit irgendwie in Frieden in diesem neuen Leben.
Aber du begegnest in diesem Leben zum ersten Mal einem Guru. Und dieser Guru, der lehrt dich jetzt, dieses Leben so zu leben, dass du entdeckst, wer du bist. Dann nimmst du die Welt nicht mehr wichtig. Du nimmst sie nicht mehr persönlich. Du nimmst das, woraus das Ich gemacht wird, die Gedanken, nicht mehr ernst. Und dann beendest du dieses Leben, ohne neues Ich-Gefühl aufgebaut zu haben. Die Buddhisten beschreiben das so: Das Leben ist dazu da, das alte Ich loszuwerden.
Und das passiert auch im Leben eines jeden Menschen. Aber die bauen dann neues Ich auf, weil sie nicht wissen, wie man anders lebt. Das haben sie nie gelernt. Das ist das Rad des Karmas, das Rad der Wiedergeburt – bis du einem Meister über den Weg läufst oder deinem Guru oder einem Jesus. Und dann lässt du los.
Und dann geht dieses Leben zu Ende und du bist frei. Und dann gibt es keinen Grund mehr, wiedergeboren zu werden. Der Körper stirbt, aber da ist nichts übrig von diesem alten Ich da oben. Und dann nimmt diese Seele keinen neuen Körper mehr an, weil sie es nicht mehr braucht. Der Spiegel ist nicht mehr notwendig, weil der Grund, warum wir dieses erstaunliche Spiel begonnen haben, nicht mehr da ist. Dann haben wir uns erkannt. Dann hört es mit der Wiedergeburt auf.
Dann ist es egal.
Einer, der das erkannt hat, der hat nichts dagegen, noch einmal geboren zu werden, wenn es für andere hilfreich ist. Deswegen ist ein Jesus zum Beispiel damals noch einmal geboren worden. Aber es ist kein Problem mehr.
Dann bist du frei von dieser Last des Ichs. So. Du wolltest aber noch etwas fragen.
[Fragende(r):] Eigentlich sind jetzt meine Fragen soweit schon beantwortet. Danke, Mikael.
Aber davor die Frage war: also ich habe das Gefühl, dass ich gerade wiedergeboren werde; ich bin dabei, mich zu finden. Und da war dann die Frage, ob da Zeit eine Rolle spielt oder gibt es da die Zeit? Ja, darum bin ich halt auf die Wiedergeburt gekommen, und weil ich doch schon älter bin, ob ich das dann noch alles – oder ich würde gerne noch einmal wiedergeboren werden.
[Dhyan Mikael:] Würdest du?
[Fragende(r):] Ja.
[Dhyan Mikael:] Ja, dann wird es bestimmt passieren.
[Fragende(r):] Weil ich jetzt eigentlich so richtig neugierig geworden bin, und ich möchte euch auch erzählen, dass ich vor ein paar Jahren noch alleine gelebt habe und sehr glücklich war, und dann ist mir mein Partner über den Weg gelaufen, und durch ihn habe ich sehr viel Neues erfahren dürfen und auch lernen: auch loslassen, und überhaupt das Ganze mit Yoga und Meditieren, das hat es bei mir früher alles gar nicht gegeben.
[Dhyan Mikael:] Ja.
[Fragende(r):] Ja, und jetzt das Meditieren, wie gesagt, seit fünf Tagen jetzt erst... Und ja, das ist alles so ganz neu und interessant und schön. Und ich merke auch, wie ich halt, ja, friedlicher werde oder glücklicher... natürlich nicht immer.
[Dhyan Mikael:] Es besteht überhaupt keine Eile.
[Fragende(r):] Aber danke, gell? Vielen Dank.
[Dhyan Mikael:] Es besteht überhaupt keine Eile. Also, du wirst nichts verpassen.
Wenn du neugierig bist und das alles noch einmal so richtig erleben möchtest, nicht so halblebig wie in diesem Leben, sondern so richtig, dann ist es gar kein Problem. Ja, also das neue Leben gibt es umsonst dazu. Das ist gar kein Problem. Also das ist mein Gefühl.
Und das ist genau das Beste... Also, was ich von dir spüre: diese Neugier und diese Leichtigkeit dem Leben gegenüber, das ist die beste Ausgangsbasis; das ist wunderbar. Das ist echt toll. Danke.
Ja, dieses Leben ist wirklich nicht ernst. Das ist ein Spiel hds und immer dann, wenn man merkt, dass man es wieder ernst nimmt, dann ist es wie so eine Erinnerung: „Moment einmal, was mache ich hier eigentlich?” Das passiert natürlich ständig, fünfzig, hundert Mal am Tag.
Habt ihr noch weitere Fragen?
Nicht-Harmonie ertragen
Link zum Thema im Video bei 26m50s
[Fragende(r):] Geht das Mikrofon? Ah ja, okay. Und zwar ist ein Thema in meinem Leben, so ein ganz praktisches Thema... Und zwar: die Partnerin von meinem Vater, die hat vor einiger Zeit einen Kommentar unter ein Video geschrieben, das ich gemacht habe, der sehr unter der Gürtellinie war, und ich dann ganz klar gesagt habe: okay, mit der Person will ich nichts mehr zu tun haben. Und weil ich da noch auf Reisen war, war das auch relativ einfach.
Ich hatte auch eine Zeit lang mit meinem Vater nicht mehr geredet, weil er das auch irgendwo ein bisschen verteidigt hat, und für mich war dann klar: okay, davon muss ich mich jetzt erst einmal distanzieren. Jetzt bin ich wieder zurück, und jetzt ist es irgendwie immer eine komische Situation, weil, wenn ich etwas mit meinem Vater ausmache, ist es irgendwie klar, dass sie nicht dabei ist. Also, für alle ist irgendwie klar, dass wir nicht miteinander reden.
Sie versteht aber vielleicht nicht ganz, was mein Problem ist. Also irgendwie ist das alles so ein bisschen komisch, und ich weiß nicht ganz, wie ich damit umgehen soll, weil ich mir irgendwie denke: ja, ich kann ihr vergeben, aber eigentlich habe ich ja trotzdem keine Lust, mit ihr irgendetwas zu tun.
[Dhyan Mikael:] Ja, warum solltest du auch?
[Fragende(r):] Ja, aber dann ist da mein Vater, und ich finde es so schade, dass das irgendwie auch zwischen uns steht.
[Dhyan Mikael:] Das muss nicht sein. Ich meine, nur weil dein Vater jetzt so auf die Frau abfährt, heißt es ja nicht, dass du das auch tun musst.
Ja, wirklich.
Du kannst... Der findet die toll... Es ist doch oft so: eine Freundin von dir verliebt sich in einen Mann, und du findest ihn doof, und die findet ihn total toll... Du musst mit ihr überhaupt nichts zu tun haben.
Und wenn du dir diese Freiheit gibst, dann ist der ganze Rest viel leichter. E s wird so sticky, so schwierig, wenn du glaubst, du müsstest das jetzt auf irgendeine Ebene heben; aber hey, wenn ich es mit jemandem schwierig habe, dann ziehe ich mich zurück. Das ist das Normalste der Welt.
Und wenn du dir die Freiheit dafür gibst – wenn du mit dir in Frieden bist, wie du bist mit der Person –, dann wird das Praktische irgendwie entklebt. Dann ergibt sich da irgendetwas. Das sind die Wunder, die dann geschehen – weil du nicht mehr drin steckst. Und das passiert, ohne dass die anderen etwas machen. Du musst da nichts klären. Wenn du in dir drin den Konflikt beendest – und das ist in Wirklichkeit ein Konflikt mit dir selbst – und du dich einfach so sein lässt, wie du bist, dann wird es wirklich einfach.
Dann kannst du zu der Frau nett sein, du kommst da vielleicht hin, du stehst dann halt irgendwo herum: „Ja, guten Morgen” – aber innerlich hast du mit ihr nichts zu tun.
Und vielleicht wünscht sich dein Vater, dass da Frieden ist, aber das ist sein Problem. Da kann er sich ja dann drum kümmern. Aber das hat mit dir nichts zu tun; überhaupt nicht. Das ist eines der schwierigsten Dinge für uns Menschenkinder: Nicht-Harmonie zu ertragen. Die meisten Menschen sind harmoniesüchtig und kriegen die totale Panik, wenn keine Harmonie ist.
Ja, und damit zu leben, das ist eine innere Angelegenheit. Wenn ich in Frieden damit bin, dass ich total getriggert bin, weil da keine Harmonie herrscht zwischen mir und meiner Partnerin oder mir und meinem Vater oder wem auch immer, dann, dann kann ich bei mir sein.
Wenn ich nicht damit in Frieden bin, dann muss ich anfangen, im Außen etwas zu reparieren, und das ist unmöglich. Es ist einfach unmöglich.
Aber wenn du mit dir selbst in Frieden kommst – und das heißt, damit, dass du getriggert bist, damit, dass du dich unwohl fühlst, damit, dass das irgendetwas in dir auslöst, dieser Unfrieden –, dann wird die Last von der äußeren Situation genommen, und dann kann alles Mögliche passieren. Dann ist es egal. Dann spielt es für dich eigentlich keine Rolle mehr. Die kann ruhig sauer sein; aber dadurch, dass du da nicht mehr dein Gewicht drauf hast, dadurch kann etwas geschehen – von selbst. Muss nicht, aber es kann. Also, ich habe da die tollsten Sachen erlebt.
Ich habe aber auch erlebt, dass ich mit manchen Menschen nie wieder Kontakt hatte – und dann damit in Frieden sein. So war das mit meinem Vater.
Ich hatte die letzten, ich weiß nicht, dreißig Jahre, keinen Kontakt mehr mit ihm – aber ich war in Frieden damit. Und ich habe ihn geliebt. Ich wusste, wenn ich hingehe, dann wird es schwierig. Wir hatten irgendetwas miteinander. Es ist manchmal zwischen Söhnen und Vätern so. Aber ich war in Frieden damit – und deswegen konnte ich ihn lieben, so wie er ist.
Das ist möglich. Also: die Hausaufgaben sind eigentlich immer innen.
Und was da hilft – das ist sozusagen ein Zauber-, ein Wundermittel –, ist Zeit. Du musst dir einfach Zeit geben – Zeit, dich selbst kennenzulernen mit dieser Situation: was ist da wirklich am Laufen? Du musst nichts analysieren. Du musst dich jetzt nicht hinsetzen und analysieren, was da in dir los ist und wie die Gefühle heißen. Nein, einfach immer wieder fühlen, und du merkst dann selbst, wie sich das wandelt.
In der ersten Woche ist es das Gefühl, vielleicht Wut, und dann, zwei Wochen später, merkst du: eigentlich bin ich einfach total traurig. Und dann, zwei Wochen später, wandelt sich das wieder, und dann erinnert dich das an irgendetwas ganz Altes. Und dann weißt du: ach, das hat mit dir ja gerade eh nichts zu tun.
Diese Dinge sind Prozesse, die brauchen Zeit, undwenn du dir die gibst – und das kannst du dir geben, wenn du in Frieden bist mit dir –, dann gehen die einen ganz erstaunlichen Gang, diese Dinge.
Das wäre mein Input dafür.
Warum der Weg nach innen Zeit braucht
Link zum Thema im Video bei 34m04s
Du fragtest auch noch irgendetwas wegen Zeit, vorhin...
ob das Zeit braucht: Ja.
Und das ist paradox: Das, wo wir hingehen, das, was wir suchen, ist schon da – und zwar ziemlich nah: da drin.
Das, wo wir hingehen, das, was wir suchen, ist schon da – und zwar ziemlich nah: da drin. Näher geht es nicht. Der Himmel ist in dir. Gott ist in dir. Das, was du so gerne wiederfinden möchtest, ist schon da. Theoretisch bräuchte es also überhaupt gar keine Zeit. Aber das Einzige, was Zeit braucht, ist, dass wir lernen, in diese Richtung zu schauen.
Link zum Zitat im Video bei 34m18s
Also, näher geht es nicht. Der Himmel ist in dir. Gott ist in dir. Das, was du so gerne wiederfinden möchtest, ist schon da. Theoretisch bräuchte es also überhaupt gar keine Zeit.
Aber...
Das Einzige, was Zeit braucht, ist, dass wir lernen, in diese Richtung zu schauen, und das geht nicht von heute auf morgen. Das ist einfach so. Das ist wie mit allem Lebendigen.
Wenn du zwanzig Jahre keinen Sport gemacht hast und dann plötzlich merkst: „Hey, so kann es nicht weitergehen!”, dann fängst du an, Sport zu machen, und dann wird dein Körper wieder kräftig – aber nicht von heute auf morgen. Das braucht... Das braucht dann nicht zwanzig Jahre. Du hast zwanzig Jahre gebraucht, um den so schwach zu kriegen, aber du brauchst dann vielleicht nur zwei Jahre, um den wieder richtig auf die Beine zu kriegen. Aber die braucht es.
Und so ist es mit Meditation auch oder mit dem spirituellen Weg: es braucht einfach deine Bereitschaft, da zu sein, wo du bist – egal wie lange es dauert.
Du hörst auf, über Zeit nachzudenken. Du lebst einfach so, wie du jetzt bist, und meditierst, und hörst auf, auf irgendetwas zu warten. Du hörst auf, an irgendetwas zu denken – und wenn du nicht mehr denkst, wartest du auch nicht mehr – und bist einfach so, wie du bist. Dann geht es am schnellsten. Und das, was ein todsicheres Mittel ist, dass es nicht weitergeht, ist Ungeduld. Wenn du es eilig hast, dann bist du in den Gedanken, und solange du in Gedanken bist, bleibst du stehen. Und sobald du nicht mehr in den Gedanken bist und nirgendwo hin möchtest, gehst du weiter. Das ist ganz lustig.
Das, was ein todsicheres Mittel ist, dass es nicht weitergeht, ist Ungeduld. Wenn du es eilig hast, dann bist du in den Gedanken. Und solange du in Gedanken bist, bleibst du stehen. Und sobald du nicht mehr in den Gedanken bist und nirgendwo hin möchtest, gehst du weiter.
Link zum Zitat im Video bei 36m16s
Deswegen ist es so hilfreich, wenn man ganz allmählich lernt, es sich einfach zu machen, auf nichts mehr zu warten, die Dinge einfach anzunehmen, wie sie sind – also diese ganzen absurden Sachen, die einem eigentlich so komisch und nutzlos vorkommen... aber damit geht es am schnellsten.
Gerne.
Ja, und irgendwann weiß man dann das, worüber ich spreche, und kann überhaupt nicht begreifen – das sagte ich ja vorhin –, wie man früher anders leben konnte, aber man kann auch überhaupt nicht verstehen, warum das so lange gedauert hat. Und man hat auch alles vergessen, was dann da passiert ist in all diesen Jahren. Ich habe alles vergessen, was mit meinem Meister Soham passiert ist. Ab und zu fallen mir dann Geschichten ein, die erzähle ich, aber...
Und doch braucht es die Zeit für die Wandlung. Du pflanzt eine Pflanze, und das braucht... Du weißt genau: die wird groß. Wenn man sie gießt und ihr ein bisschen Licht gibt, dann wird die groß, aber es braucht Zeit. Und man kann versuchen, die Pflanzen schneller wachsen zu lassen, aber dann weißt du genau, was dabei rauskommt: dann schmecken sie nach nichts. Dann sind sie schwach. Und so ist es bei uns Menschen auch: langsam ist wichtig. Und ich möchte noch etwas Zweites dazu sagen, warum langsam wichtig ist.
Du pflanzt eine Pflanze; die wird groß, wenn man sie gießt und ihr ein bisschen Licht gibt, aber es braucht Zeit. Und man kann versuchen, die Pflanzen schneller wachsen zu lassen, aber dann weißt du genau, was dabei rauskommt: dann schmecken sie nach nichts. Dann sind sie schwach. Und so ist es bei uns Menschen auch: langsam ist wichtig.
Link zum Zitat im Video bei 37m45s
Der Weg nach innen ist nur deswegen für uns anfangs unmöglich, weil wir nicht gelernt haben, das zu spüren. Das ist ein existenzieller Weg, den muss man erleben, den muss man spüren können. Aber wir können nicht spüren, weil wir an die Welt da draußen gewohnt sind, und die ist sehr rau, sehr laut, sehr grob.
Ich meine jetzt nicht grob im körperlichen Sinne, sondern im Gegensatz zum Feinen, Subtilen der inneren Welt. Und wir sind das gewohnt; wir haben uns abgestumpft in dem Maße, wie wir im Außen leben, u nd können das Subtile nicht spüren. Das ist wie, wenn du im Hellen bist und dann einen dunklen Raum betrittst: kannst du nichts sehen. Aber du musst nur eine Minute warten oder zwei, und du fängst an zu sehen.
Du lässt das Licht weg und stehst im Stockfinstern. Aber nach einer Weile fängst du an zu sehen, ganz, ganz langsam – es braucht nur ein bisschen Zeit, und dann gewöhnt man sich an die Dunkelheit, und dann sieht man. Und so ist es im Leben auch: Man lernt, sich von dem Lauten abzuwenden hin zum Subtilen, und es braucht einfach eine Weile, bis man empfindsam wird.
Aber während man empfindsam wird, muss man lernen, als empfindsamer Mensch in der Welt zu bestehen.
Und das ist der Grund, warum es so wichtig ist, dass es langsam geht. Wenn das schnell ginge, würdest du in der Klapsmühle landen.
Wenn ich dir jetzt eine Pille geben könnte, die dich auf der Stelle so empfindsam macht, wie Swamiji ist, dann würdest du kaputtgehen – weil du nicht gelernt hast, als wahrhaftig fühlender Mensch, als empfindsames Wesen, dich zu ertragen und die Welt.
Und deswegen braucht es die Zeit.
Mit jedem Morgen, wo du meditierst, wirst du empfindsamer. Du merkst davon nichts, aber es geschieht einfach von selbst, ganz allmählich Und in dem Maße lernst du jeden Tag wieder ein kleines Stückchen dazu.
Jeden Tag entdeckst du neue, kleine Dinge, die dich plagen, die du früher nie wahrgenommen hast.
Du entdeckst Dinge, die du tust, die dir nicht guttun. Du entdeckst, was andere Menschen tun, was du eigentlich überhaupt nicht abkannst. Du entdeckst, dass du vielleicht so, wie du bisher gearbeitet hast, nicht mehr arbeiten kannst, und entdeckst neue Arten zu arbeiten oder zu essen oder zu schlafen.
Und das hat alles mit dieser steigenden Empfindsamkeit zu tun. Und das ist ein Wachsen jeden Tag und ein Lernen jeden Tag. Und wenn das ganz langsam geht, dann kann nichts geschehen. Dann ist es das Beste. Das ist der gute, solide Weg: langsam, von selbst.
Und die Leute, die es eilig haben...
Es gibt Leute, die nehmen dann Drogen zum Beispiel, dann haben die fantastische Erlebnisse, aber sie sind nicht darauf vorbereitet, so zu leben.
Und dann müssen sie letztlich doch wieder zurückgehen zum Ausgangspunkt –, so wie bei Monopoly: „Gehe zurück auf Los” – und fangen von vorne an, weil sie lernen müssen, wie man so lebt.
Und deswegen ist es so gut, dass es langsam geht.
Wenn wir... Als normale Menschen haben wir es eilig, und wir sind ungeduldig. Aber das sind natürlich auch nur die Gedanken. Aber wenn man kurze Zeit meditiert: nach ein paar Jahren ist das alles weg. Und dann bist du dankbar für die Zeit, die du hast, so wie du: du bist dankbar, dass du Zeit hast und dass da noch Zeit kommt, wo du das wirklich ohne Hast auf ganz natürliche, einfache Weise von selbst lernen kannst.
Deswegen braucht es Zeit. Und wie gesagt: das ist ein Segen, dass es Zeit braucht, ein großer, großer Segen.
Gefühle einladen statt wegschicken
Link zum Thema im Video bei 43m10s
[Fragende(r):] Also ich merke, dass ich – geht es gerade?
[Dhyan Mikael:] Das geht, ja, ja. –
[Fragende(r):] immer feiner und einfühlsamer und sensibler werde und mache die Erfahrung: je mehr das bei mir fortschreitet, desto öfter ecke ich im Außen an. Und das tut eigentlich sehr weh, weil da viele Menschen darunter sind, die man halt auch gern hat.
[Dhyan Mikael:] Ja.
[Fragende(r):] Wie kann ich da einen Weg schaffen, in dem ich mich nicht selbst verletze, in dem ich weiter mit diesen Menschen auch Kontakt habe und dann auch mit dem Thema, wenn es nicht geht, mit dem Alleinsein, mit der Einsamkeit irgendwie auch konfrontiert bin?
[Dhyan Mikael:] Ja, danke. Ich bin dankbar für diese Frage, weil die beiden Sachen untrennbar miteinander verbunden sind.
Als ich zu meinem Meister Soham kam vor fünfundzwanzig Jahren, da hatten wir relativ bald ein Gespräch, und ich habe ihm irgendetwas erzählt, was mich so plagt.
Ich weiß nicht mehr, was ich ihm erzählt habe, aber ich weiß noch, was er geantwortet hat. Und er sagte: „Mikael, dein Thema ist Alleinsein. Du kannst nicht allein sein.” Ich wusste gar nicht, wovon er spricht.
Ich wusste davon nichts – aber er hatte natürlich recht: Ich konnte nicht allein sein.
Ich konnte mit mir selbst nicht sein, und deswegen habe ich alles getan, damit es mit anderen Leuten klappt. Mein ganzes Leben bestand nur aus Kompromissen – wovon ich nichts wusste –, weil es für mich unendlich wichtig war: die Harmonie da draußen – wir hatten es vorhin mit Harmonie, und ich habe ganz vergessen, darauf noch einzugehen –, und das nur deswegen, weil ich nicht wusste, wie ich mit mir allein sein kann.
Und dann habe ich das gelernt. Und das lernt man ganz allmählich, indem man mit dem, dem man begegnet, wenn man allein ist, Frieden schließt. Und das ist eine ganze Karawane von Gefühlen, die wir erst dann spüren, wenn wir still werden; die wir erst dann spüren, wenn wir alleine sind. Dann spüren wir diese Gefühle, die schon ein Leben lang da in uns sind. Das ist ja nichts Neues.
Das sind Gefühle, die wir als Kinder schon hatten und nicht gefühlt haben, weil wir es nicht konnten, oder im letzten Leben.
Viele Traumata kommen aus dem letzten Leben, weil wir sie damals nicht annehmen konnten. Und jetzt machen wir es halt jetzt. Es ist nie zu spät.
Und ich sagte in einem der Satsangs: Du kannst nur meditieren, du kannst nur zu dir kommen oder zu Gott, wenn du mit dir in Frieden bist. Und das klingt so toll: mit sich in Frieden sein – Klasse! Aber was heißt das? Mit meinen Gefühlen in Frieden sein, so wie sie sind: mit der Einsamkeit, mit der Wut, mit der Enttäuschung, mit all diesen Gefühlen.
Und wenn wir einmal damit anfangen, uns darauf einzulassen... Was wir bisher gemacht haben, ist, die zu vermeiden. Davon wissen wir nichts. Das geht automatisch. Wir wissen nur: die sind gefährlich, die Gefühle. Das ist ein Problem; die sind ein Problem. Das „wissen” wir. Es stimmt nicht, aber das ist das, was wir glauben – bis wir dann irgendwann einmal anfangen zu sagen: „Okay, ich komme nicht mehr drum herum.” Das ist der Punkt, an dem du bist. Du meditierst, du wirst stiller, und jetzt sind sie halt da, die Gefühle.
Und jetzt zurückzugehen ins Unbewusste, das geht nicht mehr: es ist zu spät; tut mir leid. Okay, und dann fängt man halt in Gottes Namen an, sich einmal mit denen ein bisschen anzufreunden. Nimm das Leichteste, irgendetwas, und lass das einfach da sein. Und schau einmal, was passiert, wenn du aufhörst, das Gefühl loswerden zu wollen.
Einsamkeit ist ein tolles Beispiel.
Und dann fängt man an, das einfach einmal auszuprobieren, wie das ist, wenn die da ist, die Einsamkeit, ohne dass man darüber nachdenkt. Und dann lernst du sie kennen. Und dann ändert sich alles. Das musst du selbst ausprobieren, aber dann ändert sich alles, weil du dann entdeckst: Das ist ja ganz anders, als ich dachte.
Du weißt nichts über diese Gefühle. Du weißt nur, dass du mit ihnen nichts zu tun haben willst.
Deswegen: fang an, und du kannst es ganz sanft machen, ganz allmählich. Es besteht keine Eile. Fang mit einem an.
Und die klopfen ja die ganze Zeit an. Du bekommst immer wieder Gelegenheiten, wo die anklopfen.
Und wenn wieder einmal eins anklopft, nimm dir Zeit und lass es einfach da sein, unvoreingenommen.
Mit Bildern kann man das schön ausdrücken, weil man sich da ja vorkommt wie so ein hilfloses Kind. Da klopft die Einsamkeit an, und zum ersten Mal öffnest du die Tür und sagst: „Komm rein.”
Du machst eine Kanne Tee, schenkst dir Tee ein, schenkst der Einsamkeit Tee ein. Das sind so die … Ich versuche, das gefühlsmäßig, emotional, ein bisschen zu einem Bild zu machen. Du sagst: „Okay, ich habe Angst vor dir. Ich weiß nicht, was ich mit dir tun soll, aber: komm halt einmal rein.
Du darfst jetzt reinkommen. Ich schicke dich nicht mehr weg.” Wenn du das tust, bricht die Einsamkeit wahrscheinlich in Tränen aus, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben nicht weggeschickt wird.
So hat es mein Meister Soham ausgedrückt: Die Einsamkeit ist einsam, weil sie immer alleingelassen worden ist. Du lässt sie ein … Das ist, als hättest du ein kleines Kind in dir, das du ständig wegschickst. Genauso mit der Wut. Die ist total wütend, weil wir nichts mit ihr zu tun haben wollen. Aber sobald wir sie kommen lassen, geschieht ein Wunder: Die ist nicht mehr wütend. Dann ist es plötzlich einfach nur noch ein Gefühl.
Aber das muss man selbst erleben. Und die Aufgabe besteht darin, die einzige Überwindung besteht darin, diese Annahme einmal ganz kurz beiseitezulegen, dass das ein Problem ist; einfach einmal auszuprobieren, was passiert, wenn ich das kommen lasse, das Gefühl.
Und dann wirst du Sachen entdecken, die – darüber will ich jetzt nicht sprechen, die sollst du alle selbst entdecken –, aber sie haben nichts mit dem zu tun, was du glaubst und vermutest, dass die ein Problem sind. Im Gegenteil: Es ist ein Geschenk. Wenn heute die Einsamkeit bei mir anklopft oder die Traurigkeit – Einsamkeit kommt eigentlich nicht mehr, aber die Traurigkeit kommt gelegentlich –, dann weiß ich: Ah, es ist die Zeit der Geschenke.
Und die Gefühle, die bei dir anklopfen, die werden dich ganz machen.
Die Gefühle, die bei dir anklopfen, die werden dich ganz machen. Sie tun die Arbeit. Du brauchst dich nicht anzustrengen. Du brauchst sie nur da sein zu lassen. Die werden die Gefühle versöhnen, dich mit dir selbst. Du musst sie nur da sein lassen.
Link zum Zitat im Video bei 52m17s
Du brauchst nichts zu tun. Sie tun die Arbeit. Die Gefühle tun die Arbeit. Du brauchst dich nicht anzustrengen. Du brauchst sie nur da sein zu lassen. Die tun die Arbeit. Die Gefühle versöhnen, dich mit dir selbst; du musst sie nur da sein lassen. Du brauchst auch nichts Tolles damit zu machen, irgendwie ein Ritual oder so: einfach da sein lassen und den Kampf aufgeben: „Okay – da du nun einmal eh da bist, sei da – okay.” Und das immer wieder, immer wieder, immer wenn sie anklopfen, immer wieder.
Und wenn du das tust, werden sich die anderen Themen, über die du vorhin gesprochen hast und auch beim letzten Satsang, alle verändern.
Wenn du das tust und wir uns wiedersehen in einem Satsang irgendwo oder in einem Retreat, wirst du vermutlich diese anderen Fragen überhaupt nicht mehr haben. Denn wenn du keine Angst mehr davor hast, bei dir zu sein, und wenn du ganz geworden bist, dann ist das Spiel mit den anderen Leuten völlig anders.
Du hast dann immer noch Ecken, die auch, aber es ist ein anderes Spiel. Du brauchst die nicht mehr. Du bist nicht mehr auf die angewiesen.
Dann wird etwas geschehen, was du dir heute nicht vorstellen kannst: Du bist gern allein.
Dann ruft jemand an: „Hey, hast du Lust, Tee trinken?” Will ich das jetzt wirklich? Es ist so schön allein.,. Das ist eine ganz andere Nummer.
Und gib dir Zeit.
Es besteht keine Eile.
Ich bin besonders langsam. Es muss jetzt nicht bei jedem Menschen so lange dauern wie bei mir, aber lass dir Zeit.
Wenn du Frieden schließt mit dir selbst, mit dem, was zu dir kommt im Innern, hast du die einzige Aufgabe, die du zu tun hast, erledigt in diesem Leben. Alles andere geschieht eh von selbst, und das ja auch. Es ist wirklich so einfach.
Wenn du Frieden schließt mit dir selbst, mit dem, was zu dir kommt im Innern, hast du die einzige Aufgabe, die du zu tun hast, erledigt in diesem Leben. Alles andere geschieht von selbst. Das ist wirklich so einfach.
Link zum Zitat im Video bei 54m55s
Man braucht auch nicht zu wissen, wo die Gefühle herkommen. Man braucht nicht zu wissen, wo das Trauma herkommt.
Man braucht das alles nicht zu wissen.
Man kann auch direkt anfangen, einfach Ja zu sagen zu diesen Dingen.
Und wenn du gelernt hast, mit deinen schrecklichsten Gefühlen in Frieden zu sein, Einsamkeit oder was auch immer, dann wirst du frei. Dann spielt es keine Rolle, was passiert.
Alles, was geschieht, ist nur deswegen so wichtig für dich, weil du Angst hast, dass das irgendetwas in dir auslöst, womit du nicht umgehen kannst: Angst, Panik oder Wut. Aber wenn du mit diesen Dingen in Frieden bist, dann weißt du: alles kein Problem. Im Gegenteil: Jedes Gefühl ist ein Geschenk.
Und dann bist du... Es ist, als wärst du vollkommen unabhängig von allem, was geschehen könnte. Und dann bist du frei.
Und da kannst du meditieren.
Swamiji sagte neulich etwas Interessantes. Er sagte: Man kann nur meditieren, wenn man einen gesunden Körper hat.
Mit einem kranken Körper kann man nicht meditieren. Aber er hat auch gesagt, warum er das sagt: Weil der normale Mensch, wenn er krank ist, wenn der Körper irgendetwas hat, irgendetwas Ernstes, dann machen wir uns Gedanken darüber. Wir sorgen uns.
Und das wollen wir nicht. Dann sind wir uns selbst fern. Dann können wir nicht nach innen gehen, weil, wenn du nach innen gehst, da warten die Gefühle. Deswegen gehst du da nicht hin.
Und deswegen kann man nicht meditieren, wenn man krank ist. Wenn du aber mit diesen Gefühlen in Frieden bist, dann spielt es keine Rolle, wie der Körper ist. Dann bist du frei. Dann kannst du meditieren, egal, ob du gesund bist oder nicht, egal, ob es dir gut geht oder nicht.
Dann kannst du zu Gott gelangen, weil du nach innen gehen kannst. Das ist das Geheimnis.
Ja, hat jemand noch... Heute sind es so schöne Fragen, dass ich eigentlich gar nichts sagen will, weil sonst niemand etwas sagt.
Mit der Meditation ging die Tür nach innen auf
Link zum Thema im Video bei 59m30s
[Fragende(r):] Mikael, ich habe eine Frage, und zwar: Du sprichst ja so oft von deiner Zeit bei Soham...
[Dhyan Mikael:] Ja.
[Fragende(r):] ...und auch das, was du zu Gefühlen sagst. Also das kommt ja auch von ihm, oder hast du das durch ihn gelernt.
Und das ist jetzt vielleicht keine Frage, sondern: Dann wart ihr beide praktisch, ihr habt quasi, sage ich einmal, das Leben verstanden, oder wie das geht mit … Ja, ich weiß nicht, ob ich jetzt innen das sagen kann, aber das ist ja irgendwie schon, aber dann kam eben noch Swamiji dazu.
[Dhyan Mikael:] Ja.
[Fragende(r):] Das heißt, was gefehlt hat, war diese Anbindung an das Göttliche, kann man das so sagen, oder?
[Dhyan Mikael:] Na ja, ich will es einmal … Danke, das ist wirklich ein toller Impuls. Darüber spreche ich am allerliebsten.
Weißt du, es war, als hätte Soham mich bereit gemacht, um nach innen gehen zu können.
Aber von diesem Innen, von dem ich heute spreche, wusste ich nichts, und Soham auch nicht.
Er wusste, wie man in Frieden kommt. Er wusste, wie man eins wird mit sich selbst.
Er wusste, wie man frei wird von der Angst vor der Welt und vor dem, was geschieht. Aber er wusste nicht, wozu das gut ist. Ich fühlte mich...
Ich erzählte das schon: ich war siebzehn Jahre bei ihm gewesen, als dann die Samarpan-Meditation in unser Leben trat, und Swamiji. Und nach diesen siebzehn Jahren hatte ich alles gelernt, was er verkörpert – und ich fühlte mich wie in einer Sackgasse. Ich hatte alles gelernt, und ich dachte, ich bin glücklich, aber ich fühlte mich wie in der Sackgasse, als wüsste ich gar nicht, wozu ich das alles gelernt habe. Aber das kann ich erst heute so sagen. Das wusste ich damals nicht. Ich fühlte mich, als wäre ich in der Sackgasse. Warum bin ich überhaupt hier? Warum mache ich das eigentlich?
Und dann kam die Meditation – und damit ging die Tür nach innen auf. Erst, als Swamiji... Das hat mit Swamiji zu tun, aber man muss mit dem nichts zu tun haben. Die Meditation wirkt auch so. Du brauchst jetzt nicht einen Guru zu haben, nur weil ich davon spreche.
Aber der hat die Tür nach innen geöffnet.
Und das war für mich deswegen so leicht, weil Soham mich bereit gemacht hatte. Diese ganze Arbeit, die für einen Menschen, der diesen Weg nicht gegangen ist wie ich mit Soham...
Der fängt mit dieser Arbeit an, wenn er beginnt zu meditieren. Da kommen die Gefühle, dann lernt man sich selbst kennen, und dann muss man diese ganzen Hausaufgaben machen. Die hatte ich alle schon erledigt. – mit Soham – und er auch, ohnehin, oder eh, wie die Österreicher sagen. Und dann kam die Meditation – und das war es.
Ich konnte einfach meditieren, sofort, auf der Stelle.
Aber die hat gefehlt, dieses Wissen: Ich kann nach innen treten – aber nicht dieses Innen, von dem Soham sprach. Das war etwas … Das war eine andere Dimension. Die kann man nicht in Worte fassen.
Die kann man nur hören, wenn jemand darüber spricht, der dort ist.
Das ist der einzige Grund, warum wir jemand anderen brauchen. Denn du kommst selbst nicht drauf, obwohl es so nah ist. Aber dann hörst du jemanden, der dort ist, und dann weißt du, wovon er spricht. Aber fünf Minuten vorher war es dir vollkommen unbekannt. Und das ist das Geheimnis. Und deswegen sind wir Menschen zusammen: weil wir uns gegenseitig befruchten auf diese Art und Weise.
Dann berührt dich irgendwann der Guru, und dann fällst du herunter wie eine reife Pflaume, und dann kannst du nach innen gehen, vorher nicht – aber einfach, weil du nichts davon wusstest.
Ja, ich erinnere mich. Wir waren auf Korfu, im September.
Ich saß mit ihm unten am Strand in einem Lokal, trank etwas und erzählte ihm, wie ich mich fühle. Ich sage: „Du, ich muss dir das jetzt einfach erzählen.” Ich fühlte mich ja völlig verkehrt. Ich bin seit siebzehn Jahren bei diesem Meister, der hat mir alles beigebracht, und ich sage ihm: „Du, ich fühle mich wie eine Sackgasse. Irgendetwas fehlt hier. Aber ich weiß nicht, was es sein könnte. Ich suche ja nichts.”
Und dann sagte er zu mir: „Mikael, mir geht es genauso.” Das habe ich dir ja schon erzählt.
Und es ist immer so im Leben: Sobald du bereit bist, kommt es. Und wir waren bereit. Er war eh bereit. Er hat mich bereit gemacht. Ich hatte alles gelernt von ihm, was es zu lernen gibt.
Es fehlte nur noch die Meditation, und dann kommt die natürlich – von selbst, einfach so, wie durch ein Zufall; wie durch ein Wunder. Das stimmt natürlich nicht. Der Guru wartet – oder Gott wartet, in welcher Form auch immer er kommt.
Ja, und deswegen sage ich heute: Ohne Meditation geht es nicht. Du kannst das alles lernen, aber wozu? Das Wozu, das eröffnet sich, wenn du meditierst.
Und wenn du meditierst, hast du diese Anbindung an dieses Wissen, das durch den Guru kommt. Ob du jetzt mit einem weltlichen, in Erscheinung tretenden Guru etwas zu tun hast oder nicht, das spielt überhaupt gar keine Rolle. Das passiert alles von selbst. Wenn es notwendig ist, dann verliebst du dich in den Guru, und wenn nicht, dann eben nicht. Aber es passiert trotzdem alles so, wie es notwendig ist. Da kann man sich echt drauf verlassen.
Für viele Menschen ist es zum Beispiel notwendig, eine Partnerschaft zu haben, damit die die Knöpfe gedrückt bekommen und das lernen, was sie zu lernen haben. Und dann verliebst du dich. Du willst gar nicht.
Du bist glücklich alleine. Und dann kommt der Typ, und dann ist das Leben plötzlich kompliziert, aber keiner fragt dich – das Leben schaufelt dir das einfach zu. Und so ist es mit allem anderen auch.
Wenn man das einmal herausbekommt, ja, wenn man einmal den Verdacht schöpft, dass alles, was man braucht, von selbst kommt, dann fängt man an zu entspannen.
Dann fängt man an zu wissen: „Ja, okay, das, was richtig ist, wird kommen, auch wenn ich total bescheuert bin und nicht das Richtige tue. Irgendwie wird es mich finden.” Und deswegen kann selbst ich entspannen.
Und wenn du hier bist und etwas über die Meditation hörst, ob du willst oder nicht, weil ich dauenrd darüber rede, dann heißt das, dass du bereit bist. Sonst wäre ich jetzt nicht in deinem Leben, oder sonst wäre die Meditation nicht in deinem Leben.
Wir glauben natürlich nie, dass wir bereit sind. Wir wissen davon nichts – also mir geht es jedenfalls so – aber darum schert sich Gott nicht. Bitte nimm das Mikrofon...
[Fragende(r):] Es gibt einen Ausspruch von Ramana Maharshi, den du einmal in einem Interview erwähnt hast; den finde ich so toll, weil er genau das aussagt, was du jetzt gesprochen hast. Weißt du, was ich meine?
[Dhyan Mikael:] „Das, was geschehen soll, wird geschehen, ganz gleich, wie du versuchst, es zu verhindern.
Das, was nicht geschehen soll, wird nicht geschehen, ganz gleich, wie sehr du versuchst, es herbeizuführen.” Und wenn du das weißt und wenn du da einmal richtig zuhörst, dann heißt das: Du brauchst dich nicht anzustrengen; du brauchst dir keine Sorgen zu machen.
Und wenn du das einmal als Hypothese nimmst und anfängst, das Leben mit dieser Hypothese im Kopf zu betrachten, dann stellst du fest: Es stimmt.
Es stimmt...
[Fragende(r):] Dieser Spruch lebt in mir.
[Dhyan Mikael:] Ja, ich verstehe. Er lebt auch in mir. Es ist einfach... Mehr braucht man nicht zu wissen.
Jeder Weg führt ans Ziel – wenn du ihn gehst
Link zum Thema im Video bei 1h09m24s
Bitte.
[Fragende(r):] Ich treffe jetzt einmal eine Feststellung, aber das ist gleichzeitig auch die Frage. Das mit der Meditation verstehe ich; kann ich nachvollziehen; geht mir auch so. Ich bin jetzt ein bisschen so, dass ich sage: Okay, aber die Welt trennt sich ja nicht in Leute, die Samarpan-Meditation machen, und welche, die es nicht machen. Also es gibt ja nicht eine Trennung, die besagt: Die einen, die haben es jetzt erreicht, die wissen, um was es geht, und die anderen – na ja, die haben noch Zeit, das für sich zu erobern oder kennenzulernen, aber die sind ja eigentlich nicht so weit.
Ich denke... Aber das ist jetzt gleichzeitig die Frage an dich: Es gibt doch auch viele andere Wege. Ich kann doch mein Leben in das Höhere ausrichten. Ich kann doch mein Bewusstsein nach oben formen. Ich kann dem eine Richtung geben. Ich kann sagen: Ich gehe in eine Richtung, egal, in meinem Leben. Es gibt ja auch nicht nur die halbe Stunde, in der ich meditiere, und dann kann ich dreiundzwanzigeinhalb Stunden machen, was ich will.
Das ist es ja auch nicht . Also ich denke, in meinem ganz normalen Leben gebe ich dem eine Richtung. Ich sage: Ich will wohin – wo ist meine Orientierung? Dann habe ich das ja auch mit drin.
[Dhyan Mikael:] Ja... Also, ich gehe zuerst einmal auf den zweiten Aspekt ein. Es ist natürlich genau so: Du meditierst morgens, und damit gibst du dir die Richtung. Und dann lebst du den Rest des Tages anders.
Das sagt Swamiji immer wieder: Es geht nicht darum, den ganzen Tag zu meditieren. Nein, du meditierst morgens die halbe Stunde, damit du wieder die richtige Richtung hast, und dann trägt sich das immer mehr. Je länger du im Leben meditierst – also nicht an einem Tag, sondern je länger du das schon praktizierst –, desto selbstverständlicher wird es, dass du alles andere am Tag auch mit dieser Ausrichtung machst.
Der ganze Tag wird eigentlich zur Meditation. Das hat mit der formellen Meditation dann nichts zu tun; das wird einfach dein Wesen. Die Meditation am Morgen – oder wann auch immer du sie tust –, diese halbe Stunde ist nur ein Hilfsmittel dafür, dass du lernst, wie du den Rest des Tages so lebst, dass es gut für dich ist.
Genau darum geht es. Und natürlich ist es auch so: Es gibt viele Wege. Die Samarpan-Meditation ist nicht der exklusive, der einzige Weg. Ich rede nur dauernd über sie, weil das mein Weg ist – und es ist das Einzige, das ich kennengelernt habe, was wirklich funktioniert. Aber das ist natürlich total subjektiv. Und das sagt auch Swamiji. Swamiji sagt: „Hey, probiere die Meditation aus. Aber wenn du nach 45 Tagen festgestellt hast: Nein, das ist es echt nicht für mich – kein Problem.”
Die ist nicht für jeden, das sagt er auch. Gottes Wege sind unergründlich; er lässt sich viel einfallen. Ich sage: Es geht nicht ohne Meditation – aus zwei Gründen: Erstens ist es meine Erfahrung, und ich kann nur von meiner Erfahrung sprechen. Und ich bin nicht vorsichtig: Ich sage sie einfach geradeheraus und radikal. Ich sage nicht in jedem Satz dazu: „Ja, aber es gibt auch andere Wege” – aber natürlich stimmt das.
Und ich sage es auch deswegen, weil auch jeder andere Weg irgendwo natürlich das Gleiche bewirken muss. Da gibt es verschiedene Wege, aber jeder Weg ist auf seine Weise ganz anders als der Rest des Lebens, ganz anders, als die normalen Leute ticken. Nur kann ich darüber nichts sagen, weil ich die anderen Wege nicht kenne.
Aber die Wege sind lang, und du kannst nur einen Weg gehen. Das möchte ich noch hinzufügen. Es gibt Leute, die gehen viele Wege, aber das funktioniert nicht.
Es gibt dieses Bild – es ist ein altes Bild, ich glaube aus den Upanishaden, irgendeiner uralten Schrift: Du kannst nur ein Pferd reiten. Wenn du versuchst, vier Pferde zu reiten, die alle in verschiedene Richtungen gehen, kommst du keinen Schritt weiter. Die ziehen alle mit Kraft; jedes Pferd strengt sich richtig an.
Wenn die in die gleiche Richtung ziehen, ist es bestens. Aber wenn du verschiedene Wege gehst, dann wird es schwierig.
Aber welchen Weg du gehst... Es gibt Meister, die sagen: „Es ist völlig egal, welchen Weg du gehst – solange du ihn gehst.”
Alles, was du im Leben tust: Wenn du es mit Hingabe tust, total, wenn du ganz dafür gehst, dann kommst du ans Ziel. Deswegen bin ich hier. Ich habe früher mein Glück – genau wie viele andere Menschen – in Beziehungen gesucht. Ich kannte nichts Besseres. Ich dachte, das wird mich glücklich machen. Und ich habe alles gegeben. Hier bin ich.
Die Beziehungen haben mich nicht glücklich gemacht, aber sie haben mich hierhergebracht.
Und egal, was du machst: Du kannst dein Glück im Reichtum suchen, kein Problem: mach es richtig. Geh ganz dafür, mit ganzer Kraft. Es wird dich hierherbringen. Der Reichtum wird dich nicht glücklich machen, aber er wird dich hierherbringen, das steht fest – egal, welchen Weg du gehst –, solange du entschlossen bist.
Die meisten Menschen gehen gar keinen Weg; das führt nirgendwohin. Aber die, die brennen...
Es spielt keine Rolle, ob du für den Guru brennst oder für deine Frau brennst oder für deinen Mann oder für deinen Job oder für irgendetwas vollkommen Absurdes. Wenn du es richtig machst, dann kommst du an.
Es spielt keine Rolle, ob du für den Guru brennst oder für deine Frau oder für deinen Job oder für irgendetwas vollkommen Absurdes. Wenn du es richtig machst, kommst du an. Deswegen sage ich: Sei dir treu! Folge deiner Energie. Geh dahin, wo es dich hinzieht, obwohl du glaubst, dass das keine gute Idee sei. Und dann wirst du ankommen.
Link zum Zitat im Video bei 1h15m43s
Deswegen sage ich – ich sage niemandem: „Mach die Samarpan-Meditation!” Ich sage: „Sei dir treu!”
Das ist das Einzige, was ich wirklich konkret immer wieder sage: Sei dir treu. Folge deiner Energie. Geh dahin, wo es dich hinzieht, obwohl du überhaupt nicht glaubst, dass das eine gute Idee ist.
Und dann wirst du ankommen.
Sei dir treu – auch mit deiner Wut
Link zum Thema im Video bei 1h16m37s
Ja, gerne.
[Fragende(r):] Ich spreche etwas an, was mich immer ein bisschen triggert, und zwar dieses „Sei dir treu”. Es ist ja wunderbar, und ich denke, es ist für viele auch eine Erlösung, zu sagen: „Ich bin mir treu, ich muss mich nicht anpassen, ich filtere mich nicht selbst.” Aber jetzt... Ich provoziere es einfach ein bisschen, um es drastisch auszudrücken. Nehmen wir einmal an, ich wäre jetzt ein total aggressiver, bösartiger Mensch. Und ich bin mir jetzt treu. Was würde denn passieren?
[Dhyan Mikael:] Warum bist du denn so aggressiv?
[Fragende(r):] Ach, ich bin so programmiert, meinetwegen; ich komme auf die Welt, keine Ahnung woher.
[Dhyan Mikael:] Nein, das gilt nicht. Warum bist du so aggressiv? Hast du schon einmal einen richtig aggressiven Menschen erlebt? Wenn du ihn genau anschaust, siehst du, warum er aggressiv ist.
Wenn du einen aggressiven Menschen genau anschaust, siehst du, warum er so ist. Die Menschen sind so aggressiv, weil sie gelernt haben, nicht sie selbst zu sein. Aber so man kann so nicht leben. Manche Menschen werden depressiv, manche werden aggressiv, aber beides entstammt der gleichen Wurzel: dass wir gelernt haben, uns nicht treu zu sein.
Link zum Zitat im Video bei 1h17m18s
Die Menschen sind so aggressiv, weil sie gelernt haben, nicht sie selbst zu sein. Das ist unmöglich; man kann so nicht leben. Und dieser Mensch befreit sich irgendwie. Manche Menschen werden depressiv, manche Menschen werden aggressiv.
Aber beides entstammt der gleichen Wurzel: dass wir gelernt haben, uns nicht treu zu sein. Und dann werden die unglaublich aggressiv.
Mit sich selbst treu sein meine ich nicht, zu sagen: „Okay, ich bin halt so, jetzt haue ich dem anderen einen in die Fresse”, sondern: „Okay, ich bin aggressiv. Okay, ich bin aggressiv.” Wenn ich dazu Ja sage – was passiert mit der Aggressivität?
Was passiert mit der Traurigkeit, wenn du zu ihr Ja sagst? Wie lange kannst du sie noch finden, wenn du zu ihr Ja sagst? Die verschwindet plötzlich, wenn du... Du lädst die Einsamkeit ein.
Da kommen die Leute: „Mikael, wenn ich das mache, ist die weg.” Dann sage ich: „Ach, schau an.”
Wenn der, der aggressiv ist, Ja zu seiner Aggressivität sagen würde, dann wäre nicht mehr viel von ihr übrig. Aber er tut es nicht. Er weiß noch nicht einmal etwas von ihr. Er kämpft dagegen.
Wir alle glauben: „Nein, nein, das kann so nicht sein.” Aber in dem Moment, wo wir Ja sagen, ist plötzlich alles anders.
In dem Moment, wo ich mir bewusst bin, wie ich bin, ist alles anders. Wie kannst du deine Frau schlagen, wenn du merkst, was du gerade tust? Das geht nicht. Deswegen sagt... Gestern in der Einführung hat Benita das gesagt: „Wenn du meditierst, wenn du deiner Seele näher kommst, kannst du nichts mehr falsch machen – weil du merkst, was du tust.” Je mehr du dabei bist, bei dem, was geschieht, bei dem, was du tust, desto heiliger wird es, weil du nichts mehr falsch machen kannst.
Du kannst es nur machen, wenn du unbewusst bist. Du kannst es nur machen, wenn du dich verleugnest, wenn du dich ablehnst. Und dann agierst du das aus, und später, wenn du dich dann kennenlernst, denkst du: „Was habe ich nur gemacht? Wie konnte ich nur?”
Und das meine ich, weißt du?
Wenn der, der aggressiv ist, wirklich Ja dazu sagt: Es ist, als würdest du eine Bombe entschärfen. Der hat dann immer noch mit seiner Aggressivität zu tun, weißt du... Es ist nicht so, dass sie weggeht, aber sie muss nicht mehr ausgekotzt werden.
Das passiert nur, solange jemand nichts damit zu tun haben will – dann geht sie nach außen, mit aller Macht, vollkommen unkontrolliert. Sobald du Ja dazu sagst, bleibt sie bei dir – und dann hast du damit zu tun. Das ist ja der Grund, warum sie nicht Ja dazu sagen: Sie wollen damit nichts zu tun haben. Es ist nicht angenehm, das zu spüren. Und dann haben sie ein paar Jahre damit zu tun, und dann sind sie ganz.
Aber auf den ersten Blick... Ja, ich gebe dir recht: auf den ersten Blick klingt es total absurd.
Aber die Wahrheit ist eine andere.
Jesus sprach immer vom Inneren
Link zum Thema im Video bei 1h21m19s
[Fragende(r):] Ja, das ist ein schönes Menschenbild, das du da hast.
[Dhyan Mikael:] Nein, das ist die Realität.
Ich weiß. Probiere es aus.
[Fragende(r):] Ich wollte das nicht verfälschen. Mich beschäftigt nur immer wieder: Du zitierst ja Jesus. Jesus gibt ja schon Anweisungen; weißt du, es ist ja nicht seine eigentliche oder einzige Botschaft: „Sei du selbst”, sondern er sagt ja schon: „Sei liebevoll mit dem anderen” und so weiter, oder: „Liebe dich wie den anderen.” In der Bergpredigt predigt er viele Dinge. Er sagt ja schon: „Tu das nicht, tu das dafür” und so weiter. Er sagt ja nicht nur: „Sei du selbst”, und dann regelt sich alles von selbst.
[Dhyan Mikael:] Aber höre genau hin, wie er darüber spricht.
Meine These ist: Jesus spricht immer vom Inneren.
Und wenn du das einmal unter der Prämisse anhörst, was er sagt, dann verstehst du, warum ich so spreche.
Er spricht über die Dinge, um es dir zu erleichtern, mit dir in Frieden zu kommen, weil er weiß: Durch dich kommst du zu Gott. Wenn du nicht in Frieden mit dir kommst, wirst du nicht zu Gott kommen. Das geht nicht. Es ist wie eine Tür, die zu ist. Und deswegen hilft er dir, so zu leben, dass du mit dir in Frieden bist.
Das hat nichts mit den anderen zu tun. Er sagt: „Hau dem anderen nicht auf die Fresse”, weil du sonst nicht in Frieden mit dir bist. Es wird dich plagen, und du wirst nicht weiterkommen. Die Christen haben das falsch verstanden; sie glauben, es geht um den anderen. Jesus ging es immer nur um dich.
Und er sagte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.” Ich sage einmal die gesamte Geschichte. Er wurde gefragt.
Es gab ja die zehn Gebote, diese ganzen äußeren Regeln, die letztlich auch auf der gleichen Weisheit beruhen, aber dann natürlich von Menschen, die nicht wissen, worum es wirklich geht, falsch verstanden werden. Aber er wurde gefragt: „Wonach sollen wir leben”,wWeil er immer sagte: Die zehn Gebote sind alt.
„Ich bringe ein neues Gesetz”, hat er immer gesagt. Die zehn Gebote kommen aus der Zeit von...
Er wurde gefragt: In den Schriften steht: „Auge um Auge, Zahn um Zahn”, also: Was du mir tust, das tue ich dir auch. Und das kommt aus einer Zeit, wo die Leute gelernt haben, wie man miteinander umgeht, damit man einigermaßen zusammen zurechtkommt – so verrückt und so krank und aggressiv, wie wir nun einmal sind.
Und da gibt es verschiedene Methoden, damit wir uns gegenseitig in Schach halten: „Sei vorsichtig: wenn du mir etwas antust, dann wirst du etwas erleben.” Und das funktioniert, aber es führt zu nichts. Es wird immer so bleiben. Und Jesus sagt: „Ich bringe ein neues Gesetz.” Im Alten Testament sind diese drakonischen Strafen; da geht es richtig zur Sache. Das ist, wie die Menschen gelebt haben. Das ist nicht Weisheit, sondern das ist, wie sie damals gelebt haben.
So steht es in den ganzen Schriften, nach denen die Leute buchstabengetreu gelebt haben. Und Jesus kam und sagte: „Ich bringe ein neues Gesetz.” Dafür wurde er übrigens gekreuzigt – für dieses neue Gesetz. Und dann fragten ihn die Menschen: „Nach welchen Geboten sollen wir denn dann leben, wenn nicht nach diesen alten?” Und er sagte: „Liebe deinen Herrn mit ganzem Herzen, mit aller Kraft.”
An anderer Stelle sagt er: „Setze Gott an die erste Stelle.” Das ist im Grunde das Gleiche.
Und das ist dem ersten Gebote gleich: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.”
Und da baut er diese Kette: Liebe Gott – das Innere ist wichtig. Wenn du das tust, sortiert sich das Äußere von selbst. Aber da kommst du nur hin, wenn du deinen Nächsten liebst. Da kommst du nur hin, wenn du dich liebst. Du kannst die Kette von allen Seiten aufziehen, es führt immer zum Gleichen. Liebe dich selbst, dann liebst du deinen Nächsten. Wenn du dich liebst, wenn du deinen Nächsten liebst, dann liebst du Gott. Da gibt es keinen Unterschied. Wenn du mit ganzer Macht Gott liebst, der da drin ist, dann liebst du dich selbst.
Dann liebst du auch deinen Nächsten. Alles innen. Er sagt: Es geht nicht ums Außen, es geht ums Innen. Aber er konnte so nicht sprechen. Ein Buddha konnte so sprechen, weil in dem Teil der Welt die Leute eine ganz andere Vorbildung hatten. Die Leute waren genauso hirnverbrannt wie bei uns im Abendland, aber die hatten zumindest von diesen Sachen schon einmal gehört.
In der jüdischen Kultur wussten sie davon nichts. Sie kannten das Alte Testament – das war ein Schlachthof – und er kam mit der Botschaft der Liebe und der Hingabe. Er kam mit der Botschaft des Inneren – von etwas, von dem die Leute noch nie gehört hatten.
Und alles, was er sagt – auch diese praktischen Anleitungen fürs Miteinander –, dreht sich darum, dass du mit dir in Frieden sein kannst; dass du nichts tust... Da sind wir wieder beim Karma. Es heißt ja: Jesus war in Indien gewesen. Es gibt da verdächtige 17 Jahre in der Bibel, wo nichts über Jesus steht. Er steht als Junge im Tempel, dann fehlen 17 Jahre, und dann ist er plötzlich da.
Und es heißt in manchen Schriften, dass er in Indien war und dass er über Karma und all diese Dinge Bescheid wusste, aber so konnte er zu den Juden nicht sprechen, weil sie das nicht verstanden hätten. Aber er wusste: Nur wenn du so lebst, dass du in Frieden bist und nicht noch Lasten mitnimmst ins nächste Leben, nur dann kannst du zu Gott finden; nur dann bist du frei. Wir müssen aufhören. Es ist immer so, dass es, wenn es schön wird, zu Ende geht. Wie beim Sex, echt. Vielen Dank. Es ist echt gemein.
Danke für Satsang. Danke. Ich liebe dich.
Heute Abend – nein, heute Nachmittag – ist noch einmal ein Satsang, um 14:30 Uhr unten in der Stube, versprochen.
Und heute Abend um 19 Uhr können wir hier noch einmal meditieren. Und bei Bedarf, falls es neue Leute gibt, gibt es auch noch einmal eine Einführung. Also wenn heute Abend jemand da ist, der die Meditation noch gar nicht kennt, dann werden die Leute von der Samarpan-Meditation Deutschland noch einmal eine Einführung geben. Guten Appetit... Ach nein, es ist ja noch gar nicht so weit. Ah, ich muss noch warten.