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Non-Duality Days 2025: German Live Satsang 3 of 5 of October 5, 2025, 9:30 h

German with German subtitles.

German with automatic subtitles.

Topics: Living without worries. Did Jesus really walk on water? Everyone is born twice. Endure disharmony. Why the journey inward takes time. Welcome your feelings instead of pushing them away. Meditation opened the door to the inner self. Every path leads to the destination – if you walk it. Be true to yourself – even with your anger. Jesus always spoke of the inner self.

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About this Video:

This is the third of five recordings of the live Satsangs I had as part of Jetzt-TV’s Non-Duality Days in October 2025. In this wonderful Satsang, we touched on the most profound topics of life. 

What we are seeking is already here – it couldn’t be any closer: it is within us. And yet, the path to it takes time. This Satsang revolved around this paradox from the very first question. For the only thing that takes time is learning to look in that direction – to become sensitive to the subtle and the still, after a lifetime of knowing only the loud and the coarse. Sensitivity can only grow slowly – and that is a good thing.

Slowness, then, is not a shortcoming; on the contrary, it is a protection and a necessity. For the more sensitive we become, the stronger we must have grown. Those who are in a hurry, on the other hand, are in reality standing still.

I was particularly moved this morning by a woman who has been meditating for only five days and is marveling at how something new is beginning within her – and who, at the same time, wonders if she still has enough time, since she is already older; whether she might need to be born again. So I had the opportunity to speak about one of my favorite topics: that every person is born twice – even Jesus – and that this second birth has nothing to do with the body. What the virgin birth is really about is so much more beautiful and closer to us than Christians make it out to be. And what applies to this woman applies to all of us: There’s no rush. You’re not missing out on anything.

Another question took us right into the heart of family life: What do you do if you no longer want anything to do with your father’s partner – and that’s exactly what now stands between you and your father? Enduring disharmony is one of the hardest things for us humans. But the work we need to do always lies within, and there’s one miracle cure for that: time.

And then someone shared how, through meditation, he’s becoming ever more refined and sensitive – and in the process, is increasingly rubbing people the wrong way. That’s exactly part of this path: the closer you get to yourself, the more clearly your feelings come knocking – loneliness, sadness, even anger. You can invite them in like a guest to whom you pour tea; very gently, very gradually, without rushing. Loneliness is lonely because it has always been left alone.

Toward the end, we arrived at my favorite topic – which, at the same time, is a major provocation for many people when I say, “Be true to yourself.” Because at first glance, this seems to mean not caring about what is good or bad and what others need: it just sounds selfish and self-centered. And I was glad for the opportunity to look a little deeper, all the way down to the roots of aggression – and of healing.

I thank everyone who was there for this wonderful Satsang; thank you for being there.

Complete German text:

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Stille wirft dich auf dich zurück

[Dhyan Mikael:] Willkommen zum Satsang.

Das fühlt sich hier wirklich an wie ein kleiner Retreat. Es ist so schön.

Ich wollte noch ein paar Worte dazu sagen, warum meine Satsangs so langweilig sind.

Hier ist keine Musik, hier geht es nicht ab.

Ich war gerade oben beim Amrit und habe dem geholfen, sein iPhone anzuschließen, sein Telefon, an die Anlage, und dann konnte er seine Musik spielen. Und da dachte ich: ja, ich habe das nicht.

Ich saß 20 Jahre lang in langweiligen Satsangs mit Soham, wo nichts weiter war als Gespräche, so wie hier auch.

Aber es ist ja nichts verkehrt an Musik und an Tanz. Das ist alles wunderbar, und dafür sind wir ja auch hier.

An Tanz und Musik ist nichts verkehrt. Was wir aber nirgendwo haben, ist eine Situation, wo wir auf uns selbst zurückgeworfen werden. Das passiert, wenn es still wird. Erst wenn du nichts tust, wenn du keine Tätigkeit hast, wenn du völlig stillgestellt bist, dann wirst du auf dich selbst zurückgeworfen.

Aber das haben wir überall. Was wir aber nirgendwo haben, ist eine Situation, wo wir auf uns selbst zurückgeworfen werden – und das passiert, wenn es still wird. Wir hatten gestern hier im Satsang eine Frage, ob es nicht reicht, wenn man zu sich kommt beim Yoga und bei anderen Sachen, die auch sehr förderlich sind für die Verbindung zu sich selbst.

Und da habe ich gesagt: Das ist alles schön und gut, das sind wunderbare Sachen; aber erst wenn du nichts tust, wenn du keine Tätigkeit hast, wenn du völlig stillgestellt bist, dann wirst du auf dich selbst zurückgeworfen. Und das ist nicht so angenehm; deswegen tun wir es nicht so gern.

Und die Gelegenheit möchte ich dir geben: einmal zu kosten, wie das ist, und zu erleben, dass da in der Tat etwas ist, was deiner Aufmerksamkeit würdig ist.

Sich selbst treu, auch wenn es falsch erscheint

Ich wollte noch etwas anderes ansprechen. Wir hatten im letzten Satsang am Schluss noch ein wunderbares Gespräch, ein wunderbares Thema. Aber dann war natürlich die Zeit schon wieder vorbei, deswegen möchte ich es noch einmal kurz aufgreifen. Und es geht um diese Frage, die auf irgendeine Art und Weise eigentlich jeden Menschen bewegt. Ich sage immer: „Sei dir selbst treu.”

Einmal habe ich mit meinem Meister Soham über meine Beziehung gesprochen, und der hat gesagt... Ich habe ihm gesagt, wie schön ich das finde, dass ich mit meiner Freundin so verbunden bin und wie ich auf sie achten kann und wie ich das so alles erlebe. Und er sagt: „Mikael, mach das nicht. Achte nur auf dich!”

Ich dachte, der spinnt. Ich dachte, der hat ein Rad ab. Nein, wirklich. Also, ich dachte... Ich fand ihn ja so toll, ich wusste, er hat recht mit allem, was er sagt. Aber ich war überzeugt: in dem Punkt hat er keine Ahnung. Da weiß ich es besser.

Ja, und deswegen möchte ich noch ein paar Worte dazu sagen, wie das ist mit diesem Sich-selbst-treu-Sein: ob das etwas ist, was dich asozial macht, kalt, beziehungsunfähig.

Normalerweise ist es so...

Du glaubst, entweder kümmerst du dich um den anderen oder um dich.

Und nehmen wir einmal an, du bist in der Situation, wo der andere etwas von dir braucht, aber du willst es nicht, und du sagst: Nein.

Ich kenne das sehr gut, ich mache das oft.

Und fast immer, wenn ich das tue, kommt drei Minuten später ein Ja.

Dann merke ich: „ja, ich habe keine Lust dazu, ich will das nicht...” Im Video habe ich einmal über das Abspülen gesprochen. „Nein, ich habe die Schnauze voll, ich spüle die schon wieder ab. Ich mache das hier immer. Heute nicht: Ich bin mir treu.”

Drei Minuten später spüle ich, mit Freude, weil ich gemerkt habe: „Nein, das ist Quatsch, das macht mich nicht glücklich.

Das ist jetzt dran; ich mache das jetzt.” Und dann kommt das aus mir heraus: Ich bin mir treu und sage Nein – und dann spüre ich in mir: „Nein, ich will eigentlich etwas ganz anderes”, und dann bin ich mir treu und spüle ab.

Aber wenn ich das nicht gemacht hätte, wenn ich mir nicht treu gewesen wäre, würde ich auch abspülen, aber anders.

Ich hätte so einen Hals. Ich wäre wütend auf mich, weil ich mir nicht treu bin. Ich wäre wütend auf meine Frau, weil die nicht abspült.

Und es würde immer so weitergehen.

Wir hatten beim Mittagessen ein schönes Gespräch, und da kamen wir an diesen Punkt, wo wir darüber sprachen, wie das denn ist mit dem: „Was will man eigentlich?” Und das gibt es ja nicht. Du hast ja nicht einen bestimmten Wunsch, sondern es zieht uns in so viele verschiedene Richtungen. Du sitzt da und denkst: ja, ich bin müde, ich will mich ausruhen, aber ich will das auch jetzt erledigen, damit ich es nicht morgen machen muss. Und ich will eigentlich auch meinem Partner zuhören. So viele Sachen ziehen an einem. Man weiß ja überhaupt nicht, was das bedeuten soll: „Ich bin mir treu”.

Aber du findest es heraus, wenn du das tust, was dir am nächsten ist. Wenn du einfach das tust, was dir jetzt in dem Moment, auch wenn es sich asozial anfühlt, richtig erscheint, und das ist jetzt gerade das Wichtigste, dann kommt etwas in Bewegung.

Und dann merkst du im nächsten Moment, was du wirklich wolltest. Und das habe ich immer, immer wieder erlebt.

Das ist das Geheimnis von Sich-selbst-treu-Sein. Wenn du dir selbst treu bist, dann machst du oft irgendetwas, was mit deiner Seele eigentlich gar nichts zu tun hat – aber dann wirst du es merken.

Dann stehst du plötzlich da und merkst: „Was mache ich überhaupt? Nein, das kann nicht richtig sein.” Und dann machst du das Richtige. Das wusstest du aber vorher nicht. Erst musst du das Falsche tun, von dem du glaubst: „ja, das will ich jetzt”.

Das findest du aber erst heraus, wenn du dich traust, dir selbst treu zu sein, ohne dass du weißt, wie das geht, und obwohl es sich völlig falsch anfühlt.

Und die Abkürzung funktioniert nicht.

Wenn du das tust, was richtig ist, es aber nicht von dir kommt, dann wirst du das Richtige tun aus den falschen Gründen. Und du wirst andere dafür bezahlen lassen. Dann tust du jemandem einen Gefallen, aber du willst etwas zurück. Du wirst etwas wollen, und wenn du das nicht bekommst, wirst du enttäuscht sein, und dann bist du sauer.

Ich bin nie sauer mit meiner Frau wegen Abspülen – weil ich es gerne mache. Wenn ich es nicht machen will, mache ich es nicht. Wenn ich es dann mache, weil ich gerade gemerkt habe: „natürlich mache ich das, selbstverständlich, ich mache das, ich, für mich”, dann ist die Sache clean.

Aber das Lustige ist, dass wir es erst herausfinden, wenn wir bereit sind, das Falsche zu machen. Und dann geht es ganz schnell.

Aber wenn du gleich das Richtige machst, wirst du nie herausfinden, du wirst nie wissen, nie erleben, dass es das ist, was du eigentlich wolltest. Und dann wird es manchmal richtig schwierig mit den Mitmenschen und mit dir selbst.

Und das heißt: du weißt einfach nicht, was passieren wird, wenn du dir treu bist. Du weißt es nicht. Du wirst überrascht werden. Ich habe es immer wieder erlebt, immer wieder.

Manchmal war ich mir treu und habe etwas gemacht, von dem ich dachte, das ist bestimmt verkehrt – aber ich will. Ich weiß... Ich habe das ja auch einmal am ersten Tag gesagt im Satsang: Ich weiß nie, ist das mein Ego, ist das meine Seele, ist das der göttliche Wille? Wir können das nicht wissen – aber wir können es herausfinden, indem du es einfach machst...

nicht, indem man es macht, sondern indem du den ersten Schritt darauf zu tust.

Dann setze ich mich ins Auto und will dahin fahren und das tun, was ich vorhabe, und alles klappt wie am Schnürchen und es ist wunderbar.

Dann war es offensichtlich Gottes Wille. Manchmal setze ich mich ins Auto, fahre los und merke: „Hallo...”: Ich fühle mich nicht wohl. Irgendetwas stimmt nicht.

Aber ich merke das erst, wenn ich losgefahren bin.

Das ist der Zauber von Sich-selbst-treu-Sein.

Und du kannst dir das so vorstellen: Sich selbst treu sein heißt, einen Schritt auf dich zu machen und nicht auf den anderen. Wenn du dich auf dich zubewegst, dann kommst du deiner Seele näher, und da wirst du immer besser hören, was die will. Dann sagt die dir: „Oh, nein, nein, nein, nicht da lang. Du folgst gerade deinen Gedanken.” Ich will da lang.

Sich selbst treu sein heißt, einen Schritt auf sich selbst zu machen und nicht auf den anderen. Dann kommst du deiner Seele näher und wirst hören, was sie will. Aber wenn du das Richtige tust, weil du auf die Moral hörst oder auf ein „man sollte doch”, entfernst du dich von dir. Du machst das Richtige, aber bist dir fern. Und damit wird niemand glücklich.

Und dann passiert das – unweigerlich. Aber wenn du das Richtige tust, weil du auf jemanden hörst oder weil du auf die Moral hörst oder auf ein „man sollte doch”, dann entfernst du dich von dir. Dann machst du das Richtige, aber du bist fern von dir. Und damit wird niemand glücklich, auch nicht der, für den du etwas tust.

Ganz bei mir – und doch dir am nächsten

Ja, und zum Schluss meines Abschlusses vom letzten Satsang möchte ich euch noch verraten, wie das weiterging mit dem, was der Soham mir damals sagte. Der sagte mir: „Achte nicht auf die Frau.”

Da ging es um Sex. Ich sagte ihm, wie toll ich das finde, dass ich da ganz bei ihr bin und auf sie achten kann. Und er hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen: „Mikael, was machst du?” Ich war total stolz darauf, dieses Miteinander und so. Aber er sagte: „Mikael, mach das nicht.

Achte nur auf dich.”

Und ich war sicher: das ist Quatsch. Ich habe es nicht gemacht. Ich war stolz auf das, wie ich das gemacht habe. Ich fand das richtig und gut, und die Frauen fanden es super. Und da habe ich das weitergemacht.

Aber alles andere, was er mir beigebracht hat, habe ich natürlich gemacht, alles andere. Und weil ich alles andere gelernt habe, bin ich mir selbst immer näher gekommen, immer näher...

ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Und dann, vielleicht … Was ist jetzt? Ah, gut. Ich dachte, es geht schon wieder los. Und dann, zehn Jahre später – es war zehn Jahre später –, da war ich mir selbst … Es war dann so normal, dass ich bei mir war und mir selbst treu, das … Und da war ich wieder einmal mit einer Frau zusammen, und ohne, dass ich das wollte, ohne, dass ich darüber nachdachte, war ich inzwischen so, wie er mir das damals nahegelegt hatte: Ich war mit meiner Aufmerksamkeit nur bei mir – nur bei mir.

Ich habe nicht auf die Frau geachtet. Ich habe nur darauf geachtet, wie ich mich fühle und was in mir passiert.

Und was ich erlebt habe, war so interessant... das hat mir die Augen geöffnet.

Alles, was in dieser Begegnung geschehen war, alles, was da geschah, hat gepasst.

Wir haben etwas zusammen gemacht, und es war wunderbar, und plötzlich habe ich gemerkt: „Jetzt langt es. Ich will jetzt … Jetzt hören wir auf. ”Okay, dann habe ich aufgehört.

Wir lagen so beieinander und hatten es trotzdem schön natürlich. Und dann, nach einer Weile, habe ich gemerkt: „Hm, jetzt will ich aber weitermachen”, und dann habe ich weitergemacht. Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht, ob die das jetzt auch möchte. Ich weiß auch nicht...

Und später hat sie dann gesagt: „Du, ich weiß nicht, wie das möglich ist, aber vorhin habe ich gedacht: also, jetzt, das war so schön, aber jetzt brauche ich eine Pause – und in dem Moment hörst du auf. Und später habe ich wieder Lust bekommen, und in dem Moment fängst du wieder an.” Und da ist mir die Kinnlade heruntergefallen. Aber da habe ich meinen Meister verstanden: Wenn ich mir nahe bin, meiner Seele, bin ich dir nahe.

Aber da habe ich meinen Meister verstanden: Wenn ich mir nahe bin, meiner Seele, bin ich dir nahe. Da sind wir verbunden. Es heißt ja so schön: „wir sind eins”, und da habe ich das erlebt: Wenn ich mit mir verbunden bin, bin ich auch mit dem anderen verbunden, und dann spricht die andere Seele zu mir, ohne dass ich davon irgendetwas weiß. Das geht automatisch.

Da sind wir verbunden. Es heißt ja so schön – das wird vielleicht in anderen Räumen hier gerade gesagt –: wir sind eins. Aber ich habe es gern praktisch. Mir taugt das nicht. Ich muss es erleben, und da habe ich es erlebt: Wenn ich ganz bei mir bin, kann ich nichts verkehrt machen. Wenn ich mit mir verbunden bin, dann bin ich auch mit dem anderen verbunden, und dann spricht die andere Seele zu mir, ohne dass ich davon irgendetwas weiß. Das geht automatisch. Ich fühle das als meine Energie, als mein Wollen.

Aber das geht nur, wenn man nichts will, wenn man nicht im Kopf ist, wenn man keine Wünsche hat und Vorstellungen und wenn man irgendwo hinwill, sondern wenn man einfach da ist, wo man ist, und im Moment ist und jederzeit bereit ist, alles wieder anders zu machen.

Und da wusste ich: „Ach, davon hat er gesprochen. Das meinte er damals, vor zehn Jahren.”

Der Heilige weiß nichts von seiner Heiligkeit

Und von außen betrachtet kann man es nicht unterscheiden, ob jemand egoistisch andere Leute ausnutzt oder missbraucht oder ausbeutet, weil er das durchsetzen will, was er will, oder wenn ich sage: Sei dir selbst treu. Man muss genau hinschauen, um den Unterschied zu erkennen. Und wenn ich das sage, dann sage ich das nicht für alle da draußen, denn die könnten das nicht verstehen. Die würden denken: „Ja, okay. Jetzt habe ich den Freibrief: Mikael sagt : Hier geht es nur um mich.” Nein, das führt dich ganz woanders hin.

Und dann bist du einer, bei dem es so aussieht von außen, als würdest du nur noch Sachen für andere tun.

Dann beschreiben andere Leute diesen Heiligen, wie selbstlos der gehandelt hat. Der weiß davon nichts.

Der ist einfach sich selbst treu. Der tut das, was die Seele ihm befiehlt – und das passt für alle anderen. Aber das kann sich keiner vorstellen. Deswegen sagt Swamiji: „Ich tue nichts für jemand anderen. Ich tue nur … Alles, was ich hier tue, ist für mich.”

Sagt er.

„Ich tue das für mich. Ich kann erst dann Befreiung erlangen, wenn ich alles, was ich gelernt habe, verschenke. Das ist eine Last für mich, die muss ich loswerden. Ich muss diesen Reichtum, den ich empfangen habe von meinen Gurus,” – elf Gurus hatte er oder so – „den muss ich loswerden, sonst bin ich in diesem Leben nicht fertig.

Ich tue das für mich.” Und er sagte dann anschließend: „Niemand tut etwas für jemand anderen.

Und wenn du das glaubst, dann stimmt das nicht.”

Ja, und das entdeckst du halt, wenn du dich einmal traust, wirklich dir selbst treu zu sein. Dann entdeckst du: „Wow...”

Dann entdeckst du den Unterschied zwischen dem Wollen [im Kopf] und dem, was die Seele will. Die Seele wohnt nicht im Bauch, aber das ist … Wir sind es so gewohnt, diesen Unterschied.

Es ist nicht einfach, diesen Unterschied zu begreifen.

Man muss ihn erleben, dann weiß man, was damit gemeint ist. Aber wenn jemand nicht genau hinhören möchte, dann kann man es auch missverstehen. Das geht natürlich schnell.

Und wir sind alle so erzogen... Also, vielleicht stimmt es nicht, aber Ich will es einmal so sagen: Viele von uns wurden so erzogen, dass es uns als Kind schon immer nahegelegt wurde, auf die anderen Rücksicht zu nehmen. Das Kind weiß ganz genau, was es braucht, aber das wird ihm nicht beigebracht. Ihm wird beigebracht: „Okay, jetzt sei auch einmal still, denke einmal an deinen Bruder, mache dies, mache jenes.”

Und aus diesem Erleben entsteht das Gefühl: „wenn ich mir treu bin, wenn ich etwas für mich tue, ist es verkehrt. Das kann nicht richtig sein.” Dieses Gefühl haben wir einfach: „Das kann nicht richtig sein.”

Und vielleicht kennst du auch das Gefühl, wie es sich anfühlt, wenn jemand etwas für dich tut, aus Mitleid oder aus Liebe.

Wenn ich das merke, dann denke ich: „oje...”, weil ich weiß, was dann kommt. Ich weiß, was danach kommt, wenn jemand etwas „für mich” tut: die Rechnung kommt irgendwann. Ich will nicht, dass irgendjemand etwas für mich tut.

20 Jahre lang habe ich meinem Meister Soham gedient. Ich diene ihm immer noch auf eine gewisse Weise.

Aber ich habe nichts für ihn getan. Es war alles für mich. Ich hatte einfach nur Freude. Ich habe das gemacht, was ich wollte. Das war das Schönste, was ich mir vorstellen konnte. Und es hat mich beschenkt. Er hat mir nie gedankt, weil er es besser wusste.

Er wusste es besser.

Ich meine, er war dankbar, aber er hat mir nichts geschuldet.

Im Gegenteil: ich war dankbar, dass ich da sein durfte, so wie du. Du denkst: „Danke, dass ich helfen darf.” So ist das Leben.

Wenn jemand etwas tut, was mir dient, aus purer Freude und Spaß, das passt. Da haben beide etwas davon. Aber wenn ich etwas für dich tue, da stimmt etwas nicht.

Das ist ein tiefes Thema: dieses Sich-selbst-treu-Sein und das Etwas-für-den-anderen-Tun. Es sind viele Minen verbuddelt in diesem Feld.

Aber die kann man alle umschiffen, wenn man einfach sich selbst treu ist. Das fühlt sich völlig verkehrt an – aber dann wirst du ganz schnell die Wahrheit herauskriegen, was wirklich richtig ist. Das geht von selbst. Es ist sozusagen automatisch. Das ist das Tolle daran.

Man weiß nie, wohin es führt, sich treu zu sein

[Fragende(r):] Du hattest jetzt gesagt, dass du dann oft erst beim Tun merkst: Das willst du eigentlich gar nicht tun.

Und ich kann mich erinnern, dass du irgendwann auch einmal etwas gesagt hast, dass es dir trotzdem wichtig ist, dich an Abmachungen und so zu halten.

[Dhyan Mikael:] Aber das ist genau das Gleiche.

Wenn ich sage: „Ich bin hier zum Satsang”, dann werde ich hier sein, weil alles andere für mich …

ich könnte keine Freude daran haben. Vielleicht merke ich: Ich bin müde, ich würde lieber im Bett liegen bleiben oder spazieren gehen, aber ich hätte auf dem Spaziergang keine Freude. Ich habe gesagt, da werde ich sein – also gehe ich hin.

Aber es gibt auch andere Situationen … das möchte ich auch noch kurz erzählen. Beim Mittagessen hatten wir es davon.

Es gab eine Situation... es gab verschiedene Situationen in meinem Leben, wo ich gesagt habe: „Ich werde da sein” – ich war verheiratet, das heißt: Ich bin bei dir, ich will mit dir leben.

Und ich wollte, ich wollte das. Ich wollte ein guter Mann sein, ich wollte ein guter Vater sein.

Es war mir wichtig, dieses Versprechen zu erfüllen. Alles andere war für mich undenkbar.

Aber es ging nicht. Das ist wieder genau das Gleiche. Ich war mir treu. Ich wusste gar nicht, was ich da getan hatte, als ich geheiratet habe. Ich kannte mich selbst noch nicht. Ich war völlig unmündig, ich war eigentlich noch ein Kind. Aber ich habe es gemacht.

Aber indem ich versucht habe, mir treu zu sein und ein guter Mann zu sein und dieses Versprechen zu erfüllen, und es war mir unmöglich, mir vorzustellen, das nicht zu tun, habe ich die Wahrheit gemerkt. Ich habe gemerkt: Es geht nicht. Es geht nicht. Ich habe alles probiert, und es hätte mich fast umgebracht.

Und immer noch konnte ich damit nicht aufhören. Meine Seele war eindeutig; sie hat gesagt: „Das geht nicht. Ja, ich weiß, du denkst, das sei eine gute Idee gewesen, aber...”

Ja...

Und dann hat sich Gott etwas einfallen lassen und hat mich da herauskatapultiert, weil ich es selbst nicht geschafft hätte. Aber ich wollte das. Und deswegen sagte ich eben: „Wir wissen nie, wo es hinführt, wenn wir uns treu sind.”

Ja, wir wissen es nicht. Deswegen machen es die meisten nicht. Wenn du eine Vorstellung davon hast, was richtig ist, dann weißt du, was kommt. Das fühlt sich sicher an. So leben die meisten Menschen. Aber wenn du dir treu bist, wenn du den ersten Schritt tust, dir treu zu sein, dann weißt du nicht, was der zweite Schritt sein wird. Du weißt es einfach nicht. Denn dann wirst du dir ja auch treu sein. Der geht aber vielleicht dahin oder dahin, oder zurück oder ganz woanders hin.

Wenn du eine Vorstellung davon hast, was richtig ist, dann weißt du, was kommt. Das fühlt sich sicher an. So leben die meisten Menschen. Aber wenn du dir treu bist, wenn du den ersten Schritt tust, dir treu zu sein, weißt du nicht, was der zweite Schritt sein wird. Du weißt es einfach nicht.

Und deswegen sage ich auch, dass das, was ich hier sage, kein Beispiel dafür ist, wie man lebt.

Es geht nicht darum, mich zu kopieren oder sonst wen.

Es geht nicht darum, mich zu kopieren oder sonst wen. Du musst herausfinden, was dein Weg ist. Das ist das Einzige, was ich raten kann: Sei dir selbst treu; meditiere. Je mehr du meditierst, desto einfacher wird es, dir selbst treu zu sein.

Du musst herausfinden, was dein Weg ist. Das ist das Einzige, was ich raten kann: Sei dir selbst treu; meditiere. Je mehr du meditierst, desto einfacher wird es, dir selbst treu zu sein.

Ich brauche es praktisch

Bitte...

[Fragende(r):] Ja. Ich habe jetzt keine Frage, aber ich möchte gern etwas sagen. Und zwar: Ich höre dir jetzt noch nicht lange zu, aber was mir von Anfang an so gut gefallen hat und was mir jetzt gerade so guttut, ist, dass du die Worte Ego, Opfer, Verteidigung, Angriff, dass die sehr, sehr selten bei dir, bei deinen Erklärungen vorkommen.

Du erklärst es auf so tolle Art und Weise.

[Dhyan Mikael:] Danke. Ich brauche es praktisch, weißt du?

All diese Worte, die du gerade erwähnt hast, sind ja Interpretationen. Das sind abstrakte Worte, die etwas beschreiben. Aber ich habe es gern praktisch. Ich hatte das Glück, dass mein Meister ein Praktiker ist. Soham ist ein Handwerker. Und so ist er als Meister: ganz praktisch, nicht theoretisch, nicht intellektuell.

Das ist zwar sehr interessant, das intellektuell so über das Ego zu sprechen, über all diese Sachen, aber mir nützt es nichts. Ich brauche die ganz praktische, ganz einfache, unmittelbare Sache, das, was ich im Alltag erleben kann: ein Kochrezept.

Ich freue mich, dass es dir taugt, und ich freue mich, dass du hier bist.

Die Magie der Meditation

[Fragende(r):] Noch eine Frage.

[Dhyan Mikael:] Ja, bitte.

[Fragende(r):] Und zwar, du hast davor von der Stille gesprochen. Und ich merke... Ich meditiere ja jetzt schon ein paar Monate, und ich merke, beim Meditieren geht das auch. Aber sobald ich nicht beim Meditieren bin, dann versuche ich, die Stille auszustellen. Also, ich schaue immer irgendetwas an … ich merke richtig, dass ich immer irgendetwas tun muss, oder das Handy ist ja sowieso immer da. Ich glaube, uns geht es dann allen ziemlich ähnlich, aber... Kannst du darüber etwas sagen?

[Dhyan Mikael:] Ja, natürlich. Schau, das ist wunderbar, was du sagst. Jetzt meditierst du, und jetzt fällt dir auf, was du sonst tust. Das ist eine Revolution.

Jetzt meditierst du, und jetzt fällt dir auf, was du sonst so tust. Das ist eine Revolution. Deswegen reicht die halbe Stunde Meditation am Tag. Ändern kannst du das, was du tust, nicht, aber einfach indem du es wahrnimmst, indem du es erlebst, wird es nicht so bleiben. Es braucht Zeit, natürlich, aber das reicht. Das ist die Magie von Meditation.

Es fällt dir erst auf, wo du etwas anderes kennst. Deswegen reicht die halbe Stunde Meditation am Tag. Da hast du eine Erfahrung von etwas ganz anderem, und dann fällt dir während des Tages auf, was du sonst so treibst. Mehr ist nicht notwendig. Wenn es dir auffällt, das reicht.

Ändern kannst du es nicht, aber einfach, indem du es wahrnimmst, indem du es erlebst, wird es nicht so bleiben. Es braucht Zeit, natürlich, aber das reicht. Das ist die Magie von Meditation. Plötzlich siehst du das: „Gerade eben war ich still, und jetzt werfe ich die Stille weg.

Wow.

Und ich kann noch nicht einmal etwas dagegen machen – obwohl, das stimmt auch nicht … Ehrlich gesagt: Ich will nichts dagegen tun.” Ja, so ist es doch. Interessant.

Das nimmst du jetzt wahr. Die Augen sind geöffnet. Der Rest ist nur eine Frage der Zeit.

Das ist das Geheimnis, das Swamiji immer wieder sagt. Swamiji ist der indische Guru, der die Samarpan-Meditation in die Gesellschaft bringt. Er sagt: „Ändere dich nicht – meditiere. Das reicht.”

Das ist ein fieser Trick von ihm... Er weiß natürlich genau, was passiert, wenn du meditierst. Wenn du meditierst, beginnst du wahrzunehmen, was du sonst so treibst, und dann geht es nicht mehr lange gut.

Das ist übrigens auch der Trick von „sich selbst treu sein”. Solange du das nicht bist und dir fern bist, kannst du allen möglichen Unsinn machen: du spürst es nicht, weißt davon nichts. Aber sobald du dir selbst treu sein willst... Allein der Versuch ist gefährlich , denn dann wirst du bewusster. Dann schaust du: „Ja, was will ich eigentlich? Wonach ist mir denn?”

Und schon bist du bewusster; schon siehst du mehr. Und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit. Und wenn dir jemand sagt: „Nein, das darfst du auf keinen Fall tun; du musst das und das tun”, dann heißt das übersetzt in die Mikael-Sprache: „Spüre dich nicht, achte nicht auf das, was du spürst; tu das.” Und dann machen die Leute das, ohne zu spüren. Und so verhält sich die Welt.

Die brutalen Menschen, die schrecklichen Menschen, die können nichts dafür. Die haben gelernt, nichts zu fühlen. Das wurde ihnen so beigebracht – und jetzt regen wir uns darüber auf.

Das ist der Preis, den wir alle dafür zahlen, sich selbst nicht treu zu sein.

Meditation mit und ohne Musik

[Fragende(r):] Zum Thema Stille. Es gibt ja auf YouTube Meditationen mit und ohne Musik.

Und dann habe ich für mich gemerkt, dass, wenn irgendein Hintergrund ist – ich höre ihn vielleicht nicht, aber irgendwo ist so eine Kulisse –, und wenn es wirklich still ist, dass das noch einmal ganz etwas anderes ist.

[Dhyan Mikael:] Ich höre mir keine Meditation mit Musik an. Das mag ich nicht.

Ich mag es still.

[Fragende(r):] Ich auch.

[Dhyan Mikael:] Ja.

Aber wenn jemand das lieber mit Musik hat, auch okay. Das machen die ja, weil es offensichtlich viele Leute gibt, die es auch mit Musik schätzen, aber ich gehöre nicht dazu.

Ich habe früher unheimlich gern Musik gehört.

Manchmal probiere ich es noch, aber meistens ist mir das Stillsein lieber. Beim Programmieren, da höre ich manchmal Bach. Das ist gut. Das hilft. Aber ansonsten höre ich eigentlich fast überhaupt nichts mehr.

Die Stille des Kronenchakras ist immer da

Ja, die letzte Gelegenheit – dann ist dieses schöne Fest vorbei. Also, wenn ihr noch eine Frage habt... Ich finde schon noch etwas, worüber ich sprechen kann, aber ich möchte viel lieber euch die Gelegenheit geben, mir zu sagen, warum ihr hier seid und was ihr sucht.

[Fragende(r):] Also ich liebe Stille auch und habe das Problem, dass, wenn ich irgendwohin essen gehe oder in den Supermarkt gehe oder wo immer hingehe: es ist immer Lärm. Es muss unbedingt etwas gespielt werden, aber leider nicht Klassik, sondern eine Musik, die auf Unterhaltung geht. Und ich weiß nicht, was ich da tun soll, aber mir nimmt das ganz viel Energie weg. Ich muss mich so anstrengen, dass ich bei mir bleibe, dass mich das nicht herauszieht. Hast du ein Rezept?

[Dhyan Mikael:] Ja, habe ich. Da gibt es einen Trick.

Geh ins Kronenchakra. Achte nicht auf die Musik.

Du bist beim Einkaufen und da läuft diese Musik, und du weißt überhaupt nicht, wie ein normaler Mensch dazu kommen kann, so eine Musik in einem Supermarkt abzuspielen... als ob da ein 15-Jähriger in der Chefetage sitzt. Und geh ins Kronenchakra und kauf ein.

Du siehst keine anderen Menschen, du hörst keine Musik, du bist ganz allein und kaufst ein.

Das ist das, was ich tue. Ich finde es auch erstaunlich, manchmal. Vor einem Jahr habe ich ab und zu einmal eine Physiotherapie bekommen; irgendwelche Kranio-Sessions oder so etwas habe ich bekommen, richtig... Und einmal bin ich hingekommen und musste noch fünf Minuten warten, und da dudelte natürlich ein Radio. Das Erste, was ich gemacht habe, war, das auszuschalten.

Das lag da in meiner Macht, also habe ich es gemacht. Wenn nicht, wenn es nicht gegangen wäre – im Supermarkt geht es nicht –, dann gehe ich ins Kronenchakra und achte nicht auf die Musik, sondern …

Weißt du, es ist, als hättest du die Wahl, ob du dich dem Lärm oder der Stille zuwenden kannst. Und die hast du immer, diese Wahl.

Aber die meisten Menschen halten es ohne Geräusch nicht aus. Das geht nicht. Die können das nicht. Beim Zahnarzt läuft Musik.

Im Wartezimmer läuft Musik.

Im Taxi läuft Musik. Es ist unglaublich. Wenn ein Handwerker kommt, die können keinen Hammer in die Hand nehmen ohne Musik. Das geht nicht.

Also lasse ich sie die Musik hören – weil ich weiß: dann arbeiten sie besser. Aber ich gehe ins Kronenchakra – das heißt: ich achte nicht darauf. Ich gebe dem keine Aufmerksamkeit, sonst wird die Musik lauter.

Was sorgt ihr euch?

Ich nehme auch deswegen diese Worte, von denen du vorhin gesprochen hast, nicht in den Mund, denn mich interessiert eigentlich nur eines: die Lösung. Mich interessiert gar nicht das Problem. Ich spreche immer über das, was man tun kann, damit es funktioniert. Die Sachen sind eigentlich ganz einfach. Das Tolle ist, dass man das Problem gar nicht verstehen muss. Man kann gleich das Richtige machen: meditieren oder was auch immer worüber wir hier reden.

Die Analyse des Problems ist für den Verstand unglaublich interessant, aber nützt nichts. Deswegen spreche ich eigentlich nicht darüber.

Es ist mir gar nicht aufgefallen, dass ich da nicht darüber spreche, aber jetzt, wo du das vorhin erwähnt hast, jetzt kommt mir das gerade. Ich dachte gerade: Ja, interessant, ich spreche da wirklich überhaupt nicht darüber. Es ist schon witzig, ja. Ihr wisst ja, was euch blüht, wenn jemand eine Frage stellt. Ich rede weiter.

Aber ihr könnt mich jederzeit unterbrechen. Wenn jemand eine Frage hat, bitte, das freut mich sehr – oder einen Einwand oder was auch immer.

Jesus sagte einmal etwas. Jesus hat sich immer gewundert, dass die Leute sich so Sorgen machen.

Und ich finde das interessant...

D as ist wahrscheinlich unsere Urangst: dass wir dem Leben nicht vertrauen können. Wir glauben: wenn ich nicht achtsam bin, dann geht es den Bach hinunter.

Ich muss mich anstrengen. Ich muss … Und wir sorgen uns um die Zukunft. Wir hadern mit der Vergangenheit. Aber dem zugrunde liegt die Annahme, ich könnte etwas tun: ich könnte den Lauf der Dinge verändern.

Und wir glauben sogar, dass meine Meinung eine Rolle spielt; dass, wenn ich etwas nicht will, das dann auch nicht passiert. Also dass wir im Prinzip Gott einen Vorwurf machen, wenn etwas geschieht, was wir eigentlich anders haben wollen. Wir sind wirklich erstaunt und sagen: „Das wollte ich doch so gar nicht. Warum passiert das jetzt?”

Wir haben einerseits diese kindliche Vorstellung, alles sollte so sein, wie ich mir das vorstelle, und gleichzeitig haben wir die Vorstellung, wir könnten den Gang der Dinge beeinflussen, und vor allen Dingen: Wir müssen es tun. Wir müssen uns anstrengen.

Wir müssen das Richtige tun.

Und dann kommt einer wie Jesus daher und sagt: „Was sorgt ihr euch?”

Allein dieser Satz: „Was sorgt ihr euch?”

Was musst du für ein Mensch sein, um so etwas sagen zu können?

Willst du nicht auch so ein Mensch sein, der sagen kann: „Was sorgst du dich?”

Der hat natürlich recht. Ich weiß nicht, ob es beim Mittagessen war oder im Satsang. Nach zwei, drei Tagen hier verschwimmt mein Gedächtnis. Aber jemand erwähnte den Ramana Maharshi, der sagte: „Das, was geschehen soll, wird geschehen – ganz gleich, was du willst, ganz gleich, wie sehr du versuchst, es zu verhindern.

Was nicht geschehen soll, wird nicht geschehen, auch wenn du dich auf den Kopf stellst.” So hat er es nicht gesagt, aber sinngemäß.

Und das stimmt.

Aber es darauf ankommen zu lassen, um das einmal herauszufinden, erfordert ein wenig Waghalsigkeit.

Aber dann findest du es heraus.

Soham war nie vorsichtig. Ich sage „war” – er lebt ja noch, aber ich bin nicht mehr jeden Tag an seiner Seite. Und wenn ich sage, „er war”, dann bezieht sich das darauf, dass ich ihn jetzt nicht mehr im Alltag erlebe. Aber damals habe ich es im Alltag immer wieder erlebt, fast jeden Tag: Der war nicht vorsichtig.

Der hat keine Zeit damit verschwendet, herauszufinden, ob das, was er da jetzt tut, richtig oder falsch ist. Der wusste: Wenn es nicht richtig ist, wird es nicht passieren. Er wird nicht fähig sein, das zu tun. Es ist wie mit dem Sich-treu-Sein. Wenn du dir selbst treu bist, dann findest du heraus, was du wirklich willst.

Es ist wie mit dem Sich-treu-Sein. Wenn du dir selbst treu bist, dann findest du heraus, was du wirklich willst. Und wenn du aufhörst, dir Sorgen zu machen, und einfach das tust, wonach dir ist, dann findest du heraus, was geht und was nicht. Und das Falsche geht einfach nicht.
Es geht nicht.

Und wenn du aufhörst, dir Sorgen zu machen, und einfach das tust, wonach dir ist, dann findest du heraus, was geht und was nicht.

Und das Falsche geht einfach nicht. Das geht nicht.

Wenn du so bewusst bist, um dir über solche Sachen Gedanken zu machen, dann ist es schon zu spät; dann geht es nicht mehr.

Das heißt aber nicht, dass die Gedanken aufhören. Ich meine, der plappert immer weiter, der Verstand. Der macht sich Sorgen.

Es geht darum: Gebe ich dem Aufmerksamkeit? Glaube ich dem? Gebe ich dem Raum? Ich habe auch Gedanken – aber ich höre nicht mehr so darauf wie früher. Ab und zu, für Momente, höre ich noch darauf, aber das fühlt sich so beschissen an...

Es macht keinen Spaß, und es führt zu nichts.

Leben, statt über das Leben zu grübeln

Ja, nach fünf Satsangs gehen mir wohl doch die Worte aus. Also jetzt muss mich jemand etwas fragen.

[Fragende(r):] Mir fällt auf, dass, je mehr ich meditiere – oder jetzt auch, nachdem ich von meiner Reise zurückgekommen bin … Ich war früher so ganz in dieser Spirit-Bubble unterwegs, in diesem ganzen Analysieren und Warum und welches Thema dahintersteckt und das Ganze. Und du meintest ja auch irgendwann in den Satsangs, dass man irgendwann nicht mehr mit Menschen sein möchte, die eben so viel denken und die ganzen Probleme haben.

Bei mir ist es jetzt eher so, dass ich es wieder sehr erfrischend finde, mit so ganz normalen Menschen und mit so ganz normalen Berufen zu sein, bei denen ich mir früher dachte: „Oh Gott, die haben das Leben ja gar nicht verstanden”, und wo ich es jetzt wieder voll erfrischend finde, mit diesen Personen zu sein.

[Dhyan Mikael:] Ja: die sich nicht über solche Sachen unterhalten.

[Fragende(r):] Ja.

[Dhyan Mikael:] Genau.

Ich verstehe dich.

Ja, das ist so eine Phase, die macht man durch; also, manche jedenfalls.

[Fragende(r):] Ja, das sind dann ja auch Menschen, die eben etwas Praktisches, Bodenständiges machen.

[Dhyan Mikael:] Ja – die leben.

[Fragende(r):] Ja, genau.

[Dhyan Mikael:] Die leben einfach, anstatt sich über das Leben Gedanken zu machen. Und das ist schon sehr hilfreich, finde ich.

Die sind näher dran am Leben.

Aber viele von uns sind nun einmal sehr intellektuell. Ich war früher noch intellektueller als heute. Und das ist dann der Weg dorthin. Da muss man erst einmal durch. Durch diese Blase muss man sich durchschrauben, bis man irgendwie merkt: Okay, irgendwie macht das keinen Spaß mehr. Ja, ich verstehe.

Aber irgendwie habe ich auch wirklich Mitgefühl damit, weil...

Es sagt ihnen ja auch niemand , wie es anders ginge. Wir kennen ja nichts anderes, als das Leben mit dem Verstand zu erfassen. Wir glauben, wir könnten das mit dem Verstand durchdringen, um dann zum Wesentlichen vordringen zu können.

Es funktioniert scheinbar, aber nur bis zu einem bestimmten Grad, und da geht es nicht weiter.

Sich treu sein: der erste Schritt zur Hingabe

Es gab noch einen Punkt, der mir jetzt gerade einfällt, den wir noch nicht fertig verdaut haben. Und mich hatte jemand darauf angesprochen, auch im Zusammenhang mit diesem Sich-selbst-treu-Sein. Und der Mensch sagte: „Ja, wie ist denn das? Das mit dem Sich-selbst-treu-Sein ist ja gut und schön, aber was, wenn das nicht funktioniert?

Was, wenn das Leben da nicht mitspielt: wenn etwas ganz anderes passiert?”

In gewisser Weise ist dieses Sich-selbst-treu-Sein schon der erste Schritt zur Hingabe.

Ich schaue nicht, was ich will, sondern was „es” will: meine Energie, die mir das Leben schenkt.

Und ich sagte ja am Anfang des Satsangs: Selbst wenn wir in der Birne sind und anfangen, uns treu zu sein, finden wir ziemlich schnell heraus, dass es das offensichtlich nicht sein kann. Aber letztlich lernen wir, uns etwas hinzugeben, was mit uns nichts zu tun hat. Diesen Geschmack lernt man bei der Hingabe. Das Leben hat viele Methoden, uns das beizubringen.

Und manchmal haben wir einen gewissen Spielraum, wo wir tatsächlich das machen können, was wir wollen. Aber 90, 95 Prozent des Lebens sind anders. Da steht fest, was wir zu tun haben. Und wenn wir versuchen, etwas anderes zu machen, merken wir ganz schnell: Das funktioniert nicht.

Wir merken entweder, dass es überhaupt nicht geht, oder dass es keinen Spaß macht – Stichwort Abspülen.

Und dann bleibt einfach Hingabe.

Für mich gibt es mittlerweile keinen Unterschied mehr zwischen „mir selbst treu sein” und mich dem Leben hingeben. Für mich ist das ein und dasselbe. Wenn ich sage, „ich bin mir selbst treu”, dann meine ich diese Energie, die mich belebt. Was will die? Das hat mit meinem Hirn und mit meinen Gedanken überhaupt nichts zu tun.

Aber am Anfang ist es anders. Aber dann kommt man in diese Situation, wo einfach etwas nicht weitergeht.

Und dann: „Ja, okay, alles klar, Gott, ich habe verstanden. Danke, danke für den Wink mit dem Zaunpfahl”. Dann sage ich Ja und spiele mit.

Da es geschieht, muss es richtig sein

Es gibt einen deutschen Autor, den ich wirklich mag: Hermann Hesse: der war ein Buddha; ein Buddha in Verkleidung.

Und da gibt es eine Geschichte, die mich besonders berührt. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, sie heißt „Demian”.

Und in der Geschichte gibt es diesen jungen Mann – also er ist nicht ganz so jung, aber auch nicht alt –, und der ist der Sohn einer etwas wohlhabenderen Dame. Und dann gibt es diesen Jungen, diesen Unbedarften, diesen Unwissenden, den Unreifen. Und die entwickeln eine Freundschaft. Und Hermann Hesse beschreibt das so schön: nicht in spirituellen Worten, sondern ganz praktisch.

Die entwickeln eine Freundschaft. Und dieser etwas ältere Junge – der ist vielleicht, ich schätze einmal, von meinem Gefühl her dachte ich, der ist zehn Jahre älter oder 15 – der bringt dem Jungen bei, wie man lebt: wie man lebt; wie man sich selbst findet. Und er beschreibt es in der Geschichte ohne Spiritualität, ohne spirituelle Worte. Aber was ich jetzt, heute, in diesem Moment von dieser Geschichte erzählen möchte, ist das Ende.

Dieser Guru – dieser etwas Ältere ist ein Guru in der Geschichte...

Eines Tages kommt der Krieg. Das spielt irgendwo in Deutschland, wahrscheinlich vor dem Ersten Weltkrieg, nehme ich einmal an. Ich weiß nicht, in welche Zeit Hermann Hesse diese Geschichte gesetzt hat.

Und der Krieg kommt. Und da dieser Junge, dieser etwas ältere Jüngling, Sohn einer etwas wohlhabenderen Familie ist, wird er als Offizier ins Heer eingezogen.

Und er geht.

Es gibt in der Geschichte keinen weiteren Satz darüber, und das sagt sehr viel: da ist kein Hadern, da ist kein Beschreiben der Tragödie, dass jetzt Krieg kommt, oder irgendeine Art von Prozess dieses Menschen, damit jetzt klarzukommen. Nein, darüber wird kein Wort verloren, jedenfalls keins, an das ich mich erinnern könnte. Ich habe die Geschichte jetzt nicht gestern gelesen, das ist schon lange her, aber das ist mir in Erinnerung geblieben, dieser Eindruck: Der Krieg kommt – und er geht dorthin, wo er hinzugehen hat. Er geht als Offizier an die Front, im Krieg, mit der Waffe in der Hand.

Und eines Tages ist etwas anders. Er spürt: „Heute wird es geschehen.”

Und er beginnt seinen Dienst, wie immer.

Und dann geschieht es, und die Kugel findet ihn. Und die Geschichte ist vorbei. Das ist ein Beispiel für Leben: so lebt man das Leben. Hermann Hesse hat Jesus Christus nacherzählt. So ist Jesus sein Leben gegangen, bis zum Schluss – diese fraglose Hingabe: „Ah, das geschieht – es muss richtig sein!”

Da ist noch nicht einmal der Gedanke: „Ja, aber ich verstehe es nicht”, weil das keine Rolle spielt. Man weiß das einfach.

Und diese Geschichten berühren mich sehr, und sie tun es deswegen, weil ich weiß, dass es stimmt.

Ich möchte so leben. Alles andere ist für mich undenkbar.

Und wenn heute jemand vor mir steht und mir etwas Böses will, dann kann ich eigentlich nur sagen: „Ah, hallo Freund, da bist du. Jetzt bin ich gespannt, was passiert.”

Was sonst könnte ich tun?

Nichts anderes würde für mich Sinn machen – für mich.

Wir glauben immer, es könnte etwas Böses geschehen, und wissen überhaupt nicht, wovon wir sprechen. Du wolltest etwas sagen.

Was ist der Sinn des Lebens?

[Fragende(r):] Leider hast du mich jetzt wieder ein bisschen getriggert.

[Dhyan Mikael:] Ja, ich rede die ganze Zeit nur, damit du endlich wieder etwas sagst. Eigentlich habe ich nur wegen dir das alles gesagt – denn jedes Mal, wenn du etwas sagst, dann ist es so schön.

[Fragende(r):] Ja.

[Dhyan Mikael:] Ich probiere es jetzt wirklich seit einer Stunde, aber du bist ja wirklich hartnäckig.

[Fragende(r):] Ja, danke. Also, ich kann es eigentlich relativ schnell sagen. Die Frage ist für mich: Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?

[Dhyan Mikael:] Ja!

[Fragende(r):] Warte, einen Moment.

Eine kleine Hinleitung. Also, ich komme ja auf die Welt. Ich habe ein Bewusstsein. Ich habe meinetwegen verschiedene Ebenen.

[Dhyan Mikael:] Ihn bitte ein bisschen leiser...

[Fragende(r):] Und das mit der Hingabe ist ja toll, richtig schön. Du sagst: „Okay, ich bin im Verstand, aber ich muss eigentlich spüren, was auch immer in mir will.” Für mich ist die Frage: Wer in mir will was? Lebe ich, oder werde ich gelebt? Also, wenn ich bei diesem Teil in mir eigentlich nur herausbekommen muss, was dieses Teil in mir will – von dem ich eigentlich nicht viel weiß, von dem ich aber denke: Na ja, es gibt schon eine Ahnung, irgendwoher kommt da etwas, keine Ahnung, was da war.

Aber in mir lebt etwas, das will jetzt heraus, das will gefühlt werden, nach dem soll ich mich richten. Aber für was bin ich auf der Welt? Also, was ist mein Sinn des Lebens? Und die Frage ist nämlich schon: Man kann ja sagen, okay, ich denke nicht in Kategorien von gut und schlecht. Aber die andere Seite ist wieder: Ich habe ein Karma, ich habe eine Aufgabe, die ich aus dem früheren Leben mitbringe.

Also wenn ich eine Aufgabe habe, schließe ich jetzt ein bisschen daraus – vielleicht mag es ein Trugschluss sein –, dass ich ja irgendetwas übrig gelassen habe – dass ich, sage ich es einmal ein bisschen platt, etwas falsch gemacht habe: Ich habe jemanden berührt, ich habe jemanden verletzt, ich habe irgendeine Aufgabe nicht erledigt. Also, für mich ist es so ein bisschen ein Widerspruch oder auch eine spannende Frage: Wer in mir lebt mein Leben, und welche Instanz ist das?

[Dhyan Mikael:] Ja, danke. Deswegen versuche ich dich seit einer Stunde zum Reden zu bringen, weil wir jetzt endlich richtig wieder zur Sache kommen können. Ja, zwei Sachen dazu.

Das mit dem Karma: Es ist nicht so, dass du im letzten Leben etwas falsch gemacht hast. Aber du hast geglaubt, du hast etwas falsch gemacht. Und dieser Glaube, der macht das Ich.

Der ist das, was übrig ist. Ohne diesen Glauben „Ich habe etwas falsch gemacht” gibt es da niemanden. Oder du hast geglaubt: „Ich habe etwas richtig gut gemacht.”

Auch das erschafft dieses Wesen, das es gar nicht gibt.

Und dann wirst du wiedergeboren und erlebst Sachen, die dieses Ich zertrümmern.

Und dann lernst du: „Ah, das hatte ja mit mir gar nichts zu tun – Okay... Aber das da habe ich falsch gemacht!” Und weiter geht es. Also, es ist nicht so, dass du wirklich etwas falsch oder richtig machen kannst. Das geht nicht. Das wäre ja wirklich im Widerspruch zu allem anderen, was wir gehört haben.

Bei dem Karma geht es darum, was wir denken; was wir glauben. Wir machen Taten und glauben, die sind gut: „Ich bin wer!”

Oder wir denken, die waren schlecht: „Ich bin wer!”

Aber wenn es einfach geschieht, ohne mich, dann findet man da nichts; da kann man nicht mehr... Da gibt es nichts festzuhalten; da ist nichts mehr. Dann bist du frei. Deswegen gibt es da keinen Widerspruch. Das Karma entsteht durch das, was wir über das, was wir tun, denken: wir glauben, wir haben es getan. Wenn wir glauben, wir haben es getan, dann glauben wir auch, ob wir es gut oder schlecht getan haben. Und irgendwann weißt du: Es hatte mit mir nichts zu tun. Und alle guten Taten, die durch mich geschehen, haben mit mir nichts zu tun. Ich weiß das.

Dann passiert das nicht.

Aber um auf deine andere Frage zurückzukommen: Ja, was soll das alles? Warum tun wir uns das hier an? Worum geht es hier eigentlich?

Und das kann dir keiner abnehmen.

Das kann dir keiner abnehmen: die Antwort zu finden.

Aber du bist hungrig, du wirst sie finden.

In der Bibel steht, dass man Gott keinen Namen geben kann. Du sollst dir kein Bild von ihm machen; du sollst ihm keinen Namen geben. Und das heißt übersetzt: Alles, was du über das da drinnen denkst, ist es nicht. Jedes Bild, das du von dem da drinnen hast, ist es nicht. Alles, was du dir vorstellst, ist es nicht.

Man muss es erleben, ganz allmählich, ganz langsam; immer wieder kommt die Antwort.

Das ist zwar eine total unbefriedigende Art, auf deine Frage zu antworten, aber das ist die einzige, die für mich wirklich Sinn macht.

Also meine Antwort ist: Ich freue mich, dass du die Frage hast.

Die wird dafür sorgen, dass du deinen Weg findest.

Menschen ohne die Frage sind nicht im Satsang. Ich meine: Warum sollte ein normaler Mensch hierherkommen? In der Zeit könnte man so viele nützliche Sachen machen, oder tolle.

Und die Antwort auf deine Frage findest du – das ist das Einzige, was du wissen musst – da drin.

Deswegen meditiere.

Alles andere … Bei dir bin ich mir total sicher… Es ist alles schon g'schwätzt.

Was?

Ich bin ja eigentlich schwäbisch – Ulm ist noch Baden-Württemberg, Ulm ist Schwaben.

Die Mauer verläuft genau in der Donau.

Ja, ich vereine zwei Hemisphären in der Welt, die eigentlich nicht miteinander vermischbar sind: nämlich Bayern und den Rest von Deutschland.

Meine Mutter kommt aus Bayern, mein Vater kommt aus dem Rest von Deutschland, und die haben sich dann genau an der Grenze niedergelassen. Alles andere war nicht möglich.

Ich glaube, eigentlich wollten sie ein Hausboot haben, aber das hat nicht geklappt. Nein, das war jetzt Spaß...

Und jetzt kann ich weder richtig bayerisch noch richtig schwäbisch. Es ist echt ein Jammer.

[Simone:] Mikael, mir ist jetzt etwas eingefallen, und das passt zum Sinn des Lebens, und deshalb möchte ich es kurz sagen: Als kleines Mädchen bin ich in die Volksschule gekommen und hatte einen wahnsinnig konservativen Pfarrer in Vorarlberg, der war über die Grenzen hinaus bekannt für seine konservative Art. Und da haben wir so ein kleines Heftlein bekommen, und da haben wir dann immer eine Zeichnung machen müssen, die er vorgezeichnet hat.

Und unten stand ein Spruch, also eine Frage, und wir mussten dann gut aufpassen, dass wir die Antwort auch richtig aufschreiben. Und ich erinnere mich eben bis heute daran: Da stand: „Warum sind wir auf der Welt?”

Und das war für mich mit – wie alt war ich? Sieben... Ich habe mir gedacht: Wow, also das lernt man schon mit sieben. Da habe ich mir gedacht: toll. Und dann kam die Antwort von ihm, und die Antwort war: „Wir sind auf der Welt, um Gott zu dienen.”

[Dhyan Mikael:] Wow.

[Simone:] Ja.

[Dhyan Mikael:] Ja, du bist dir treu. Du tust es; glaubst, dass du das bist.

Dann fängst du an und merkst: Nein, ich kann das nicht, ich muss Gott dienen – dem, was ich in mir spüre.

Dann sagt deine Frau: „Wie kannst du nur?” Ja, was mache ich denn jetzt? Aber ich kann nicht anders. Oder was auch immer, wer auch immer, ja? Meistens sind es die Nächsten, die damit ein Problem haben. Nicht alle haben das Glück, dass die ganze Familie im Satsang sein will.

Ich habe beim Mittagessen scheinbar scherzhaft gesagt, dass wir uns sehr ähneln, aber ich habe das wirklich so gemeint. Und ich erinnere mich, wie ich im Religionsunterricht saß, und der Religionslehrer hat von allen möglichen Sachen erzählt, zum Beispiel von der jungfräulichen Geburt und anderen Geschichten.

Und ich war damals schon, so wie heute, sehr aufmüpfig, sehr …

Ich habe mich lieber ans Kreuz nageln lassen, als mir irgendetwas anzuhören oder anzutun, wo ich wusste: Das kann nicht sein. Und der erzählte diese Sachen, und ich sagte zu ihm – ich war vielleicht 15 oder so, ich weiß nicht mehr, wie alt ich war; irgendwie...

Und ich sagte zu ihm: „Das kann doch nicht sein, was Sie da sagen.

Das hat doch bestimmt irgendeine Bedeutung.”

Ich habe ihm gesagt: „Ich spüre, das hat eine Bedeutung, aber das hat doch nichts damit zu tun, dass diese Frau schwanger wurde ohne Sex, sondern das …” Aber der hat darauf bestanden: „Nein, das ist genau so.” Und dann habe ich gesagt: „Hören Sie einmal, das kann doch nicht sein.” Und dann musste ich zum Rektor der Schule und habe eine Strafe bekommen.

Das war jetzt nicht schlimm. Ich habe ihn auch gerne provoziert, weil ich seine Hilflosigkeit gespürt habe. Und ich konnte diesem Mann nicht glauben, weil er halt nicht wusste, wovon er spricht. Er wusste es nicht aus eigener Erfahrung.

Aber ich hatte dieses … Ich wollte es wissen.

Ich habe nie gewusst, dass sich mein Leben darum dreht, die Wahrheit zu finden. Das wusste ich nie. Es gibt ja so Geschichten von Menschen, die schon als Kind wissen, was sie wollen und dass nur das Wahre sie interessiert. Ich war nie so.

Ich habe mich für chemische Formeln interessiert, für Mathematik, für Mädels, für Mopeds.

Die Wahrheit war mir … davon wusste ich gar nichts. Aber wenn ich einmal etwas davon gehört habe im Religionsunterricht, da wurde es dann klar: ich wollte das verstehen. Ich wusste damals schon alles. Ich wusste: Da ist irgendetwas, aber es konnte mir keiner erklären.

Erst Swamiji hat alle Fragen letztlich beantwortet, und die Meditation natürlich.

Aber wenn du das wissen willst – diese Frage, die du gestellt hast: das reicht. Mehr brauchst du nicht; dann kommt die Antwort.

Soham hat im Satsang oft gesagt: „Wenn mich hier keiner provoziert, sage ich nichts.”

So fühle ich mich gerade.

Die Freude am Dienen

Du wolltest vorhin noch etwas sagen? Sehr gut.

[Fragende(r):] Ich hatte dich – ich glaube, es war letztes Jahr im Dezember – einmal gefragt gehabt … also, ich habe gesagt gehabt: Ich weiß nicht, was ich machen soll, wenn wir nach Hause kommen. Ich hätte so gerne ein Haus, ein schönes, und ein Auto und so, aber ich kann …

[Dhyan Mikael:] Ach, du warst es?

[Fragende(r):] Ja, das war ich.

[Dhyan Mikael:] Ich erinnere mich an die Frage.

[Fragende(r):] Ja. Und jetzt bin ich zurückgekommen, und am Anfang war es Okay, ich komme jetzt erst mal an. Im Sommer will ich auch nicht arbeiten und nichts machen; wenn es irgendwo etwas gibt, dann mache ich es halt. Da habe ich ganz stark gespürt: Nein, ich muss arbeiten – ich kann nicht nicht arbeiten. Also, ich habe es richtig stark gespürt, und habe dann in einem Hotel als Frühstücksbedienung angefangen, und das macht mir so viel Spaß.

[Dhyan Mikael:] Toll.

[Fragende(r):] Das ist wirklich ein toller Job. Aber ich hätte es mir auch echt nicht vorstellen können, dass mir etwas so Spaß macht. Und du hast da vom Dienen gesprochen, und das fand ich so schön. Und das tut mir richtig gut, mich da auch immer wieder daran zu erinnern. Und ich merke auch, dass mir das inzwischen auch im Alltag viel leichter fällt, auch einfach Menschen zu helfen. So wie du gesagt hast: „Ja, ich habe Zeit, warum sollte ich es nicht machen?” Und wenn ich dann auch noch etwas dafür kriege, ist ja super, ne?

[Dhyan Mikael:] Das ist das Tolle.

[Fragende(r):] Ja.

[Dhyan Mikael:] Und man kriegt sogar noch Geld dafür – für das, was einem Spaß macht...

[Fragende(r):] Ich mache es jetzt nicht nur bei Sachen, wo ich … Aber ich habe auch bei anderen Dingen, wo ich ganz sicher bin, dass ich kein Geld dafür bekomme – jemanden in die Stadt fahren oder so – also ich mache das viel mehr aus dem Herzen, es macht mir viel, viel mehr Spaß. Und manchmal merke ich aber trotzdem noch …

zum Beispiel: Also ich finde meinen Chef auch echt super, und manchmal denke ich mir aber so: Oh, das kann man doch nicht machen. Oder … ja, und manchmal denke ich mir so: Wie könnte ich mich da noch mehr hingeben und noch mehr in dieses Dienen hineinkommen? Oder kannst du da noch irgendetwas dazu sagen?

[Dhyan Mikael:] Mach dir keine Gedanken.

Weißt du, du tust das, was offensichtlich ist. Ich weiß nicht, was ich dir damals gesagt habe, aber wahrscheinlich war es in der Art wie: „Warte einmal, bis du dann da bist, und das wird total offensichtlich sein.” Und das merkst du jetzt: Du musst arbeiten. Es stellt sich gar nicht die Frage: Will ich oder nicht? Nein.

„Gib mir irgendeinen Job, ich mache alles.” Ja, das ist das Leben. Genau so ist es.

Und mach es einfach weiter.

Und du spürst vielleicht irgendwo zwischen deinen Zellen: Da kommt noch etwas anderes. Du hast recht. Aber du brauchst darüber nichts zu wissen, denn das Neue, was kommt, wird genauso über dich hereinbrechen wie das jetzt. Wenn es dann an der Zeit ist, kannst du nicht anders. Das ist das Schöne an diesem Leben. Ich nehme oft dieses Beispiel von Mann und Frau, weil es da so krass deutlich ist und das jeder kennt. Wenn es dann so weit ist...

Du sitzt jahrelang da und wünschst dir eine Beziehung, und nichts passiert – und dann hast du das endlich irgendwann einmal abgehakt und willst deine Ruhe haben und bist glücklich, dass du allein bist – und dann passiert es, und plötzlich willst du … du willst den. Das Leben macht es so klar und so deutlich, wo es langgeht. Das ist herrlich. Und das wird bei dir natürlich auch so weitergehen.

Es erinnert mich an … Ich war in der Schule, in der Oberstufe.

Und ich sagte ja schon mehrfach, dass ich einfach ein unglaublich stures Menschenkind bin. Und die Fächer, die mir Spaß gemacht haben, da hatte ich überall Einsen. Und die Fächer, die mir keinen Spaß gemacht hatten, da hatte ich zwischen vier und fünf. Also ich hatte immer nur in einem Fach eine Fünf, sonst wäre ich nicht in die nächste Klasse gekommen. Es ging immer gerade so gut. Gelernt habe ich nie, weil die Fächer, wo ich Spaß hatte, da brauchte ich nicht zu lernen.

Das habe ich alles begriffen. Ich habe es einfach verstanden, und wenn man etwas versteht, braucht man es dann nicht mehr zu lernen. Und die Fächer, mit denen ich Schwierigkeiten hatte, da wollte ich nicht lernen. Und ich habe dann heimlich als Bedienung gearbeitet. Und ich fand das so toll, die Leute zu bedienen. Ich stand da als 16-, 17-Jähriger hinter der Theke bis nachts um eins. Die Lehrer haben sich immer gewundert, warum ich so spät komme und so müde bin.

Und ich liebte das: Bedienen, für die Leute da sein, so einfach und so direkt.

Schwierig wurde es dann erst, als nach zwei Jahren mein Chef … Ich habe in zwei Bars gearbeitet, und der Chef der einen Bar rief dann irgendwann einmal bei mir zu Hause an, weil sie unplanmäßig jemanden als Ersatz brauchten. Da wollten sie mich holen. Ich weiß gar nicht, wie die meine Telefonnummer bekommen haben. Damals gab es noch keine Handys, da gab es nur das Festnetztelefon. Meine Mutter ging ran: „Wer sind Sie? Was wollen Sie von meinem Sohn?” Die wusste davon nämlich nichts, dass ich seit zwei Jahren diesen Job habe.

Dann hatte ich ein paar Fragen zu beantworten.

Aber das habe ich gern gemacht. Ich verstehe dich.

Und jetzt mache ich es wieder, in dieser Bar.

„Ich mache das hier nur für mich”

Eine Runde geht noch – eine Abschlussrunde.

Ich schätze es so sehr, mit euch hier sitzen zu können.

Ich tue ja auch nichts für irgendjemanden. Das ist für mich das Allerbeste.

Immer, wenn ich ein Video mache, ist es für mich ein großes Geschenk, weil alles, was ich da sage, mich dazu zwingt, immer wieder mich selbst zu prüfen und das zu durchleben – als würde ich zu mir selbst sprechen. Und im Satsang ist das genau das Gleiche.

Und Soham hat das auch gesagt. Er hat oft gesagt: „Ich mache das hier nur für mich.”

Das ist die Freiheit; das ist Freiheit, wenn jemand nichts für dich tut. Das ist echt Freiheit.

Wenn du mit jemandem zusammenlebst, der nur etwas für sich tut – oh, das ist so einfach, es ist herrlich.

Vielleicht kriege ich ja den Walter dazu, noch etwas zu sagen.

Ich liebe dich, weißt du, es ist so schön mit dir.

Ach Gott...

[Fragende(r):] Danke.

[Dhyan Mikael:] Oh ja, danke, danke, danke.

Ja, das ist das Tolle: Wenn man das tut, was die Seele will, wenn man sich selbst treu ist, dann haben alle etwas davon, jeder Einzelne, auch, wenn es manchmal erst einmal nicht so aussieht. Manchmal sind es ja auch Situationen, die durchaus unangenehm sind oder teilweise haarsträubend.

Aber letztlich ist es das Richtige für alle. Das finde ich immer wieder total erstaunlich.

Manchmal braucht man ein paar Jahre, um das zu sehen, aber dann, dann kann man es sehen.

Danke für Satsang. Danke.

Danke, dass ich hier sein darf.

Ich liebe dich.