Erleuchtung –und dann ?
Von der Herausforderung, das Leben neu zu lernen.
Ist Erleuchtung wichtig, und musst du darauf warten? Nein – denn wenn du dies liest, hast du sie wahrscheinlich längst erhalten, ohne davon zu wissen. Ich erzähle dir, was es mit Erleuchtung wirklich auf sich hat, und wie du bereit wirst für ein neues Leben.
Über dieses Video:
Dieses Video ist mir ein ganz persönliches Anliegen, denn obwohl Erleuchtung und Erwachen in aller Munde ist, weiß doch keiner so recht, was damit eigentlich gemeint ist: jeder versteht darunter entweder gar nichts oder etwas anderes – und niemand spricht darüber, was danach kommt, und wie man lernt, damit zu leben.
Inspiriert zu diesem Video wurde ich durch meine eigenen Erfahrungen der letzten Wochen. Während einer besonders intensiven Phase der Hinwendung nach innen erlebe ich einmal mehr so viel Neues und Unerwartetes auf diesem Weg nach innen, der so gar nichts zu tun hat mit den landläufigen Vorstellungen über Erleuchtung.
Swamiji beschreibt „Selbsterkenntnis” als etwas, das einem geschenkt wird: kein Mensch kann es durch eigene Anstrengung erlangen. Trotzdem muss man bereit dafür werden, um dieses Geschenk überhaupt erkennen zu können, das man so leicht übersieht: es ist ein Rückweg, zurück zur Empfindsamkeit und Unschuld, die wir hatten, als wir neu geboren wurden.
Aber das ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Dann geht es darum, das Leben neu zu lernen: wie lebt man mit dieser neuen Empfindsamkeit fürs Subtile in einer Welt, die laut und um empfindsam ist?
Ich möchte dir in diesem Video zeigen, warum dieser Weg, der gar keiner ist, Zeit braucht – und warum es gut ist, dass alles so langsam vonstattengeht. Ich möchte dich dazu ermutigen, geduldig zu sein und dem zu vertrauen, was auch du in dir spürst, wenn du still wirst in dir.
Der spirituelle Weg ist nichts Mysteriöses. Es ist eine natürliche Entwicklung, die jedem Menschen offensteht, und du brauchst dich dafür nicht zu ändern, im Gegenteil: lerne, dich zu lieben und zu akzeptieren, so wie du bist – und meditiere. Alles andere geschieht von selbst. Genau davon erzähle ich dir auch heute wieder.
Links zu den Themen in diesem Video:
(weiter unten gibt es die vollständige Abschrift).
-
Erleuchtung ist kein Ereignis
-
Der Verlust der Unschuld
-
Rückkehr zur Empfindsamkeit
-
Unerträgliche Stille
-
Erleuchtet, ohne es zu wissen
-
Der Tanz des spirituellen Weges
-
Wie alles Wachsen braucht es Zeit
-
Du bist weder deine Gedanken noch deine Gefühle
-
Das Leben neu lernen
-
Das Gegenteil von Spiritual Bypassing
-
Das ist der Weg zurück zur Unschuld
-
Unterstütze mich, wenn es dir Freude macht
Vollständiger Text der Aufzeichnung zum Mitlesen:
Guten Morgen.
Heute Morgen möchte ich über den spirituellen Weg sprechen und über Begriffe wie Erleuchtung, Erwachen.
Und ich möchte mit dir darüber sprechen, was die Natur des spirituellen Weges ist; worum es da überhaupt geht, und wo es hingeht, und was dafür notwendig ist. Ich möchte mit dir darüber sprechen, was du tun kannst, um diese ganz natürliche Entwicklung zu unterstützen und zu leben und zu genießen.
Jetzt, im Moment, heute, während ich dieses Video mache, jetzt ist gerade Januar, Mitte Januar – naja, fast Ende Januar eigentlich – und das ist die Zeit des sogenannten „Anushthan”. Anushthan ist eine fünfundvierzigtägige Zeit der Tiefenmeditation, die sich Swamiji, der Guru, dessen Schüler ich bin, in Indien jedes Jahr gönnt, um sich ganz von der Welt abzuwenden und nur eines zu tun: in sich zu ruhen und sich selbst noch näherzukommen.
Und dieses Jahr ist das erste Mal, dass es mich auch gepackt hat. Ich bekam plötzlich Lust, da auch mitzumachen, auf meine Weise und zu Hause, von hier aus. Ich sitze gerade nicht in Indien; ich sitze da, wo ich immer sitze, aber als dieses Jahr am ersten Januar der diesjährige Anushthan begann für Swamiji, da spürte ich diese Lust und Energie, mich auch noch mehr nach innen zu wenden. Und dieses Stillwerden – trotz der Welt, trotz des Alltags, trotz mir selbst – zur Priorität zu machen.
Und das ist eine wunderbare und fruchtbare und schwierige und herausfordernde Zeit.
Jetzt ist etwa die Hälfte dieser 45 Tage um, und das hat mich wieder einmal daran erinnert, worum es auf dem spirituellen Weg überhaupt geht. In diesen 45 Tagen erlebe ich sozusagen im Kleinen, im Schnelldurchlauf und besonders intensiv das, was im Grunde über viele Jahre hinweg auf dem spirituellen Weg bei jedem Menschen geschieht, ganz normal, ganz allmählich und von selbst.
Ja, und so kommt es dazu, dass ich heute Morgen dieses Video machen möchte.
Erleuchtung ist kein Ereignis
Link zum Thema im Video bei 4m41s
Eigentlich sind wir hier im Westen mit Begriffen wie Erleuchtung und Erwachen überhaupt nicht vertraut. Bis vor wenigen Jahren gab es diese Begriffe in unserem Sprachschatz überhaupt nicht. Aber dann, in den Sechzigerjahren, begann das. Da begannen einige westliche Menschen, nach Asien zu reisen und dort Meister und Gurus zu treffen, und sie brachten das Wissen des spirituellen Weges zurück hierher in den Westen, etwas, was in unserer christlichen Tradition völlig vergessen worden ist.
Und so schwirren jetzt diese Begriffe hier bei uns herum, aber eigentlich weiß niemand, was das überhaupt bedeutet und was das eigentlich soll. Und dann stellt man sich vor, dass Erleuchtung ein Ereignis ist, was plötzlich über einen hereinbricht, dramatisch und wunderbar – und zack, werde ich verändert, bin ein anderer Mensch und glücklich.
Das ist das, was man sich gerne darunter vorstellt. Und dann wartet man auf diesen Event, dann wartet man auf dieses Ereignis, weil man gerne erleuchtet und glücklich sein möchte. Und dann wartet man und wartet man – und nichts passiert.
Eigentlich weiß niemand, was das bedeutet. Dann stellt man sich vor, dass Erleuchtung ein Ereignis ist, was plötzlich über einen hereinbricht, dramatisch und wunderbar – und zack, werde ich verändert, bin ein anderer Mensch und glücklich. Und dann wartet man auf dieses Ereignis – und nichts passiert.
Link zum Zitat im Video bei 5m37s
Und dann hört man von Menschen, denen das scheinbar widerfahren ist. Man liest tolle Geschichten, berührende Geschichten – und dann will man das auch, genauso, wie man es da liest –, von Menschen, die über Nacht ihr 'ich' verloren haben und einfach nur Frieden und Zufriedenheit und Freiheit von Problemen erleben.
Aber selbst diese Menschen, die so etwas erlebt haben, die wenigen Menschen, die so etwas erlebt haben, selbst die kommen meistens nach relativ kurzer Zeit an den Punkt, wo all das wieder weggeht. Dieses dramatische Erlebnis und dieses ganz neue Erleben von sich selbst ohne 'ich' und ohne Angst und ohne Probleme und ohne Sorgen verblasst wieder und ist irgendwann wieder weg. und dann ist man wieder der alte Mensch, nur mit dem Unterschied, dass man jetzt etwas anderes kennengelernt hat. Und dann geht es einem noch schlechter als vorher, denn das hat man jetzt auch wieder verloren.
Das sind so die Dinge, die man als Mensch hier im Westen vielleicht gehört hat, sich vorstellt, und ich möchte dir gerne eine vollkommen andere Perspektive anbieten. Ich möchte dir gerne erzählen von meinem eigenen Erleben und von dem, was ich gelernt habe von meinem Guru, von meinem Meister.
Ich bin ein ganz normaler Mensch, so wie du. An mir ist nichts anders. Ich bin weder schlauer als du noch besser.
Ich lebe ein ganz normales Leben. Ich habe mein Leben lang gearbeitet; das tue ich heute noch. Aber mein Leben ist anders verlaufen als das der meisten Menschen.
Schon als ich Jugendlicher war, ist mir aufgefallen, dass alle anderen Menschen um mich herum unzufrieden sind und ständig nach irgendetwas streben, was sie entweder nicht erreichen können, oder, wenn sie es erreicht haben, immer noch nicht zufrieden sind und nach dem nächsten streben.
Und mir fiel das auf und ich wunderte mich darüber, weil es mir selbst anders ging. Ich hatte weder dieses Streben noch diese Unzufriedenheit. Ich genoss meistens das, was ich in meinem Leben hatte, oder ich litt unter dem, was ich in meinem Leben gerade erlebte, aber da war kein Streben, und deswegen auch keine Unzufriedenheit.
Aber das war für mich so normal, dass ich gar nicht wusste, dass das etwas Besonderes ist.
Und dann habe ich ein ganz normales Leben gelebt, so wie viele, viele andere Menschen auch.
Ich schloss die Schule ab. Ich heiratete, ich studierte, ich wurde geschieden, ich heirate noch einmal, wurde wieder geschieden, heirate noch einmal. Ich habe alles probiert, um glücklich zu werden. Aber irgendwann in diesem seltsamen Leben stieß ich auf meinen spirituellen Meister Soham. Das ist jetzt 26 Jahre her.
Und dieser Mensch, der hat mich zu mir selbst geführt – dahin, wo ich vorher schon war, ohne es zu wissen.
Der hat mir die Augen geöffnet für das, was ich wirklich bin. Und dann, noch einmal 17 Jahre später – das ist jetzt 8 Jahre her –, da kam mein spiritueller Guru, Swamiji, in mein Leben, und mit ihm die Samarpan-Meditation, von der ich so gerne erzähle.
Und seitdem weiß ich, wo ich hingehöre. Seitdem weiß ich, wer ich bin – und wer ich nicht bin.
Und seitdem bin ich zufrieden; vollkommen zufrieden.
Aber ich bin ein ganz normaler Mensch, so wie du auch, mit Freude und Schmerz, mit Angst, mit Unsicherheiten, mit sich verkehrt fühlen, mit Fehler machen, mit allem Drum und Dran.
Aber da ich diesen seltsamen Lebensweg hatte und habe, möchte ich dir gerne von meiner ganz persönlichen Erfahrung erzählen, von allem, was mit Erleuchtung und Erwachen zu tun hat und von etwas, was die meisten Menschen nicht wissen und nie gehört haben, nämlich das, was für dieses „bei sich selbst ankommen” wirklich notwendig ist. Denn es ist so, dass Erwachen und „bei sich ankommen” mitnichten ein plötzliches Ereignis ist.
Es ist anders. Ich möchte dir ein Beispiel geben, das du kennst aus deinem eigenen Leben: das Beispiel der grundlegenden Veränderung, die ein Mensch erlebt, wenn er die Pubertät durchlebt. Du bist ein Kind; deine Welt dreht sich nur um dich selbst; du weißt nichts von der Welt und von anderen Menschen, im Grunde. Und dann beginnt die Pubertät, und eine grundlegende Veränderung in deinem gesamten Wesen und in deiner Wahrnehmung und in deiner Ausrichtung geschieht. Und dann, nach 5 oder nach 10 Jahren, bist du ein anderer Mensch.
Und während dieser Zeit erlebt man einschneidende Erlebnisse. Man verliebt sich vielleicht zum ersten Mal. Manche Menschen haben zum ersten Mal eine sexuelle Begegnung mit einem anderen Menschen, schlafen zum ersten Mal mit einem anderen Menschen. Das sind ganz einschneidende Erlebnisse, die man meistens nie vergisst. Und doch würde kein Mensch sagen, dass man mit dem ersten sexuellen Erlebnis beispielsweise erwachsen geworden ist. Man würde nicht sagen, dass dieses Erlebnis einen grundlegend verändert und aus dem Kind einen Erwachsenen macht.
Es ist vielmehr offensichtlich, dass diese Veränderung, die dort geschieht, eine allmähliche ist, dass man sich ganz allmählich von innen heraus verändert, und dass dadurch neue Dinge geschehen; dass also diese innere Veränderung geschieht, und dass auf Basis dieser inneren Veränderung dann neue Dinge im Leben geschehen, im Außen, mit anderen Menschen, mit sich selbst. Dann beginnt man, andere Menschen anders zu sehen; sich für die auf ganz andere Weise zu interessieren. Dann beginnt man, sich zu verlieben; sexuelle Interessen zu haben.
Und all das geschieht, weil man sich innerlich verändert hat und weiter verändert. Und diese Veränderung ist allmählich und geht über einen langen Zeitraum, und sie geht auf ganz natürliche Weise, ohne dass man dafür etwas tut.
Der Verlust der Unschuld
Link zum Thema im Video bei 16m44s
Und so ist es mit dem, was man „spiritueller Weg” nennt, auch.
Und ich möchte jetzt ein paar Worte darüber verlieren, was dieser spirituelle Weg eigentlich ist.
Vielleicht hattest du schon einmal ein neugeborenes Baby im Arm. Vielleicht bist du eine Frau, die schon ein Kind oder Kinder geboren hat.
Vielleicht bist du ein Mann, der miterlebt hat, wie ein Kind geboren worden ist.
Und der Anblick und das Gefühl...
Der Anblick eines neugeborenen Babys, das Gefühl, das man hat, wenn man dieses neugeborene Wesen anblickt, sieht, im Arm hat, das ist unvergesslich: diese absolute Reinheit, diese vollkommene Verletzlichkeit, dieses vollkommene offen sein, empfindsam sein, ungeprägt, leer... es ist unvergesslich.
Dieses Neugeborene kennt nichts anderes als Gott. Es weiß nichts von der Welt. Es weiß nichts von äußeren Eindrücken, außer dem Gefühl der Wärme des Fruchtwassers auf der Haut und wenigen gedämpften Geräuschen, die durch den Bauch der Mutter an sein Ohr gedrungen sind; wenige ganz schwache Lichtimpulse, die durch die Haut des Mutterbauches und durch die Haut der eigenen Augenlider auf die Nerven getroffen sind; mehr nicht.
Dieses ungeborene und gerade eben geborene Wesen weiß nichts außer sich selbst. Es ruht vollkommen in Gott – aber es weiß nichts davon.
Dieses Neugeborene kennt nichts anderes als Gott. Es weiß nichts von der Welt. Dieses ungeborene und gerade eben geborene Wesen weiß nichts außer sich selbst. Es ruht vollkommen in Gott – aber es weiß nichts davon.
Link zum Zitat im Video bei 18m27s
Dieses in sich ruhen, dieses Einssein mit dem, wo wir herkommen, ist so normal, dass dieses kleine Neugeborene nichts davon weiß. Es weiß auch nichts von diesem Körper. Es weiß nichts davon, dass es in einem Körper lebt.
All das lernt es erst in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren.
Und alle Sinne dieses Körpers sind nach außen gerichtet und beginnen, die Welt und den Körper zu erfahren und zu erleben.
Man weiß nichts von sich selbst, weil das normal ist und alles, was man wahrnimmt, ist das Neue: der Körper und die Welt hinter dem Körper und die anderen Menschen.
Und dann taucht man ein in diesen Körper und in diese Welt, ganz und gar. Und das, was so normal ist, das Einssein mit Gott, das Einssein mit sich selbst, von dem wir nichts wussten, tritt immer mehr in den Hintergrund. Aber davon wissen wir nichts.
Und wir verlieren uns in der Welt, und wir verlieren uns im Körper, und wir halten uns für einen Körper, und dann wird das das neue Normal, ohne dass wir davon wissen.
Dieses Einssein ist so normal, dass das Neugeborene nichts davon weiß. Es weiß auch nichts vom Körper. Alle Sinne sind nach außen gerichtet, beginnen, Welt und Körper zu erfahren, und das Einssein mit Gott tritt in den Hintergrund. Wir verlieren uns in der Welt , halten uns für einen Körper, und das wird das neue Normal, ohne dass wir davon wissen.
Link zum Zitat im Video bei 19m35s
Viele Kinder können sich bis ins Alter von etwa 5 Jahren noch daran erinnern, wer sie wirklich sind, und dann geht dieses Wissen endgültig verloren. Man vergisst und verliert sich in der Welt. Und das ist normal. Das ist keine Tragödie; das ist der normale Weg, den wir gehen haben. Und dann versuchen wir, unseren Platz in der Welt zu finden. Wir lernen, in der Welt zurechtzukommen.
Wir lernen, das Leben zu genießen, und wir leiden unter dem Leben.
Und dann beginnen wir mit einer Suche, und auch das ist unbewusst.
Nachdem wir erwachsen geworden sind, beginnen wir mit der Suche nach Sicherheit, nach Aufgehobensein, nach Geborgenheit, nach Zufriedenheit.
Irgendwann beginnt diese Suche, weil irgendwann ein Schmerz in uns beginnt.
Wir können uns nicht daran erinnern, was wir vergessen und verloren haben als Kind, aber wir beginnen, den Schmerz davon zu spüren, der damit einhergeht, wenn man nicht mehr in sich ruht und mit sich selbst und mit Gott verbunden ist.
Und man erlebt diesen Schmerz als Angst vor dem Leben, als Verlorensein, als tiefsitzende Unsicherheit.
Und man beginnt mehr oder weniger bewusst zu erkennen, dass dieses Leben mir das nicht geben kann: dass alles, was ich im Leben erreichen kann, mir nicht das gibt, was ich so sehr ersehne. Und wir ersehnen es, weil wir es einmal hatten; weil es einmal unser Normal war, unser Zuhause, das wir vergessen haben.
Irgendwann beginnt diese Suche, weil ein Schmerz in uns beginnt. Wir können uns nicht daran erinnern, was wir vergessen und verloren haben als Kind, aber wir beginnen, den Schmerz davon zu spüren. Und wir ersehnen es, weil wir es einmal hatten; weil es einmal unser Normal war, unser Zuhause, das wir vergessen haben.
Link zum Zitat im Video bei 22m54s
Und dann beginnt eine Suche, und diese Suche ist zunächst einmal vollkommen unbewusst. Wir wissen davon nichts. Wir wissen auch nicht, was wir suchen und wo wir es suchen könnten. Wir suchen es da, wo wir leben: in der Welt; in Beziehungen; in Umständen, die wir versuchen, herbeizuführen; in materieller Sicherheit.
Manchmal gelingt uns das für kurze Zeit, aber selbst, wenn, erkennen wir nach kurzer Zeit, dass es eine Illusion ist, und dass es in dieser Welt und in Beziehungen und in materieller Sicherheit weder Glück noch Sicherheit noch ein Zuhause gibt.
Rückkehr zur Empfindsamkeit
Link zum Thema im Video bei 25m34s
Und irgendwann beginnt für jeden Menschen der Weg zurück nach innen. Wie das aussieht, wie das geschieht, ist bei jedem Menschen anders. Manche Menschen erleben das, was ich eingangs erwähnt habe: einen plötzlichen, unerwarteten und dramatisch erlebten Einschnitt, wo man ganz plötzlich wieder das erlebt, was man verloren hat.
Andere Menschen begegnen einem spirituellen Führer und fühlen sich von etwas, das dieser Mensch hat, magisch angezogen, und man weiß: das will ich auch – ohne zu wissen, was es überhaupt ist. Manche Menschen beginnen zu lesen und werden von Büchern berührt. Manche Menschen erleben Traumata und lernen durch tiefen Schmerz, zu sich zu finden. Wie es beginnt, ist bei jedem Menschen anders. Wie diese Umkehr, dieses sich wieder nach innen wenden, praktisch aussieht, ist im Leben eines jenen Menschen anders.
Dann beginnt eine Suche, die zunächst unbewusst ist. Wir suchen da, wo wir leben: in der Welt, in Beziehungen, in Umständen, in materieller Sicherheit. Manchmal gelingt uns das für kurze Zeit, aber dann erkennen wir, dass es eine Illusion ist und es dort weder Glück noch Sicherheit noch ein Zuhause gibt. Und irgendwann beginnt der Weg zurück nach innen.
Link zum Zitat im Video bei 24m21s
Aber was dann geschieht, ist bei allen Menschen gleich, und darüber möchte ich jetzt sprechen.
Ich beschrieb eingangs, wie das Neugeborene unvorstellbar empfindsam ist.
Das Neugeborene hat niemals die Eindrücke in der Welt erlebt.
Und je mehr dieses kleine Kind in die Welt wächst, desto unempfindsamer muss es werden. Je mehr Eindrücke es lernt, aufzunehmen, je mehr es erkennt, je mehr es begreift, dort draußen in der Welt und im Körper, desto mehr muss es sich schützen und unempfindlich werden für das Subtile in sich drin.
Das Neugeborene ist unvorstellbar empfindsam. Es hat niemals die Eindrücke in der Welt erlebt. Und je mehr dieses kleine Kind in die Welt wächst, desto unempfindsamer muss es werden. Je mehr Eindrücke es aufnimmt, dort draußen in der Welt und im Körper, desto mehr muss es sich schützen und unempfindlich werden für das Subtile in sich drin.
Link zum Zitat im Video bei 27m28s
Das kleine Kind hat keinerlei Kraft. Die einzige Art und Weise, wie es in der Welt bestehen kann, ist, unempfindsam zu werden.
Deswegen vergessen wir das Subtile in uns: die Seele, Gott.
Wir können nicht beides gleichzeitig. Dazu sind wir als Kind nicht fähig. Wir können nicht gleichzeitig so empfindsam bleiben, um mit dem Subtilen, mit dem Feinen, tief in uns verbunden zu bleiben und das wahrzunehmen und zu spüren, und gleichzeitig in der Welt, die für uns immer erfassbarer wird, immer begreifbarer, immer größer, zu bestehen.
Wir haben diese Fähigkeit, diese Kraft, diese Stärke, als Kinder nicht.
Das kleine Kind hat keinerlei Kraft. Die einzige Art, wie es in der Welt bestehen kann, ist, unempfindsam zu werden. Und so vergessen wir das Subtile in uns: die Seele, Gott. Wir können nicht gleichzeitig empfindsam sein, um mit dem Subtilen verbunden zu bleiben, und in der Welt bestehen. Wir haben diese Fähigkeit, diese Kraft, diese Stärke, als Kinder nicht.
Link zum Zitat im Video bei 28m44s
Und jetzt bist du ein erwachsener Mensch. Jetzt möchtest du dorthin wieder zurück: an diesen Ort, von dem du hergekommen bist, von dem du nichts weißt; den du vollkommen vergessen hast. Und doch ist da eine Sehnsucht und eine Ahnung, die dich in dieser Richtung zieht, obwohl du überhaupt gar keine Orientierung hast und nicht weißt, wo es hingeht.
Und dann geschehen die eben beschriebenen Ereignisse, die in jedem Leben anders sind – die sind im Leben eines jeden Menschen anders – aber dieser Rückweg zurück nach innen, dieser Rückweg zurück zum Subtilen, der beginnt jetzt, ganz allmählich.
Aber jetzt gilt genau das Gleiche wie am Anfang des Lebens. Wir können das Subtile, das, was wir wirklich sind, Gott, die Seele, nur wiederentdecken und erleben, wenn wir wieder so empfindsam werden, wie wir es am Anfang waren.
Aber jetzt sind wir Menschen mit unendlichen Sinneseindrücken in der Welt, umgeben vom Lärm der Welt, vom materiellen Lärm – also akustischen Lärm, optischen Lärm, Informationen, Gefühlen –, aber auch vom mentalen Lärm: von den Gedanken des eigenen Kopfes und von den Gedanken der vielen Menschen uns herum.
Wir leben in einer ungeheuren Reizflut und Gedankenverschmutzung – so nennt es Swamiji –, und in diesem Lärm können wir nur bestehen – in diesem Lärm unseres eigenen Kopfes und unserer Sinneseindrücke –, wenn wir unsere Empfindsamkeit weit herunterschrauben. Und dann können wir uns selbst nicht mehr spülen. Und jetzt wollen wir wieder beginnen, das Subtile zu erleben, und jetzt müssen wir lernen, empfindsam zu werden in einer unempfindsamen Welt.
Wir können das Subtile nur wiederentdecken, wenn wir wieder so empfindsam werden, wie wir es am Anfang waren. Aber jetzt sind wir umgeben vom Lärm der Welt und des eigenen Kopfes und können nur bestehen, wenn wir die Empfindsamkeit weit herunterschrauben. Wir müssen lernen, empfindsam zu werden in einer unempfindsamen Welt.
Link zum Zitat im Video bei 30m52s
Wir müssen lernen, empfindsam zu werden, obwohl wir ein Mensch sind in einem Körper, der selbst laut ist. Im Kopf ist es unendlich laut, die Gefühle sind laut, alles, was wir wahrnehmen, ist laut. Und du weißt davon nichts, denn dieses Laute – das Laute deines eigenen Kopfes, das Laute deines eigenen emotionalen Körpers und das Laute der Welt – ist für dich so normal, dass es dir gar nicht mehr auffällt.
Und das ist die Herausforderung, vor die wir jetzt stehen, an diesem Punkt im Leben, wo du weißt: da muss es noch etwas anderes geben. Du erinnerst dich nicht bewusst, aber du weißt es. Und dann bekommst du eine Kostprobe davon, sei es durch ein eigenes dramatisches Erlebnis oder doch einen Meister oder Guru, oder durch ein Buch oder durch ein Video, wo du etwas erlebst in dir, was dir ganz klar zeigt: da ist was; da will ich wieder hin.
Wir müssen lernen, empfindsam zu werden, obwohl wir ein Mensch sind, der laut ist. Im Kopf ist es laut, die Gefühle sind laut, alles, was wir wahrnehmen, ist laut. Dieses Laute ist für dich so normal, dass es dir gar nicht mehr auffällt. Und das ist die Herausforderung, an diesem Punkt im Leben, wo du weißt: da muss es noch etwas anderes geben.
Link zum Zitat im Video bei 32m56s
Aber du kannst es nicht spüren, weil du unempfindsam geworden bist; aber du willst dahin. Und das ist jetzt unsere Herausforderung: wieder so nackt und zart, offen und empfindsam zu werden wie ein Neugeborenes oder noch Ungeborenes, aber in der Welt zu bestehen – diese Kraft zu entwickeln, so empfindsam zu sein und doch hier zu sein, wo ich bin: in der Welt, im Körper.
Das ist jetzt unsere Herausforderung: wieder so nackt und zart, offen und empfindsam zu werden wie ein Neugeborenes oder noch Ungeborenes, aber in der Welt zu bestehen – diese Kraft zu entwickeln, so empfindsam zu sein und doch hier zu sein, wo ich bin: in der Welt, im Körper.
Link zum Zitat im Video bei 34m29s
Unerträgliche Stille
Link zum Thema im Video bei 35m22s
Ich möchte dir von einem Erlebnis berichten, was ich die letzten Tage hatte.
Das Headset meines Handys ist kaputt gegangen. Ich hatte immer so ein ganz altmodisches Headset, wie so ein kleiner Kopfhörer mit einem Mikrofon dran. Ich mochte das immer sehr, obwohl es total altmodisch ist und unpraktisch, mit dem Kabel dran, aber es ist kaputtgegangen. Und es gibt ja jetzt diese ganz modernen Ohrstöpsel, drahtlos, und die sind nicht nur ein Ersatz für Kopfhörer, sondern die können heutzutage auch alles Mögliche.
Zum Beispiel können diese Ohrstöpsel eine aktive Geräuschunterdrückung. Das heißt: wenn man sich die in die Ohren steckt und einschaltet, dann kann man, wenn man will, die so einstellen, dass sie die Umgebungsgeräusche, den Umgebungslärm, vollkommen ausblenden, indem sie das erzeugen, was man „Antischall” nennt.
Die messen die Geräusche, die von außen an das Ohr dringen und erzeugen genau die gleichen Geräusche, nur mit der entgegengesetzten Phasenlage– so würde man das physikalisch ausdrücken –, was dazu führt, dass diese Geräusche, die von außen ans Ohr dringen, neutralisiert werden, und es bleibt so gut wie nichts mehr übrig von den Geräuschen, und man hört fast nichts mehr. Es wird still.
Und ich habe mir jetzt solche Dinger besorgt, als Ersatz für mein defektes Headset. Und es ist eine ganz erstaunliche Erfahrung mit diesen Ohrstöpseln, die diese aktive Geräuschunterdrückung haben... Zum Beispiel: ich war gestern im Baumarkt.
Dort ist es unglaublich laut, viele Leute, Lautsprecherdurchsagen und ein ständiges Gedudel dieser Musik, die scheinbar überall in sämtlichen Geschäften spielen muss, damit die Leute sich wohlfühlen – ich finde es einfach nur stressig –, aber ich hatte dann diese Ohrstöpsel im Ohr, und ich hörte nichts von all dem. Für mich war die Welt plötzlich vollkommen still geworden – herrlich.
Ich habe noch nie einen Einkauf so genossen wie diesen gestern.
Es war einfach nur still. Und dann habe ich zum Spaß die Ohrstöpsel herausgenommen und es hat mich fast erschlagen: der Lärm, den ich da plötzlich wahrnahm. Ich war 20 Minuten in diesem Baumarkt gewesen, hatte mir Schrauben und Dübel und andere Sachen herausgesucht, die ich für ein Projekt hier im Haus brauche, und dadurch war ich diese Stille gewohnt geworden. Ich wurde entspannt und empfindsam.
Dann habe ich diese Ohrstöpsel herausgenommen, und dann habe ich wieder gehört, wie die Welt wirklich ist: unglaublich laut; diese Musik und diese ganzen Stimmen, diese vielen Menschen und die Durchsagen und das Geschepper... unglaublich.
Und dieses Erlebnis hat mich daran erinnert, was wir Menschen immer erleben, ohne es wahrzunehmen: diesen Lärm der Welt.
Und ich spreche in erster Linie gar nicht von dem akustischen Lärm, und ich spreche auch nicht so sehr von dem Lärm, den wir durch die Sinneseindrücke erleben, sondern hauptsächlich von dem Lärm, der in unserem eigenen Kopf herrscht: durch unsere Gedanken; durch unsere Erwartungen; durch unsere Ängste, die nichts weiter sind als Gedanken an die Zukunft; durch die Gefühle wie Schmerz und Leid, weil wir an die Vergangenheit denken und was wir erlebt haben und was wir angerichtet haben und falsch gemacht haben und hätten besser machen sollen.
Die meisten Menschen wissen nicht, wie es ist, wenn man nicht denkt, genauso wenig wie die meisten Menschen überhaupt nicht mehr wissen, wie es ist, in vollkommener Stille irgendwo zu sitzen, weil entweder das Radio läuft oder der Fernseher oder man unterhält sich mit anderen Menschen oder man schaltet die Musik ein.
Und da wir in dieser lauten Welt leben und da wir diesen lauten Kopf haben, sind wir das so gewohnt, dass wir die Stille gar nicht mehr ertragen können.
Wir fühlen uns völlig verloren und deplatziert, wenn es still wird.
Die meisten Menschen wissen nicht, wie es ist, wenn man nicht denkt oder in vollkommener Stille zu sein. Wir leben in dieser lauten Welt und haben diesen lauten Kopf und sind das so gewohnt, dass wir die Stille nicht mehr ertragen. Wir fühlen uns völlig verloren und deplatziert, wenn es still wird.
Link zum Zitat im Video bei 40m50s
Aber jetzt bist du an diesem besagten Punkt im Leben, wo du merkst: so geht es nicht weiter; hier werde ich nicht zufrieden, da muss es noch etwas anderes geben. Und dann, oft ohne, dass du es überhaupt willst, und meistens, ohne dass man das überhaupt merkt, beginnt der Rückweg nach innen, ganz unspektakulär für die meisten Menschen, ganz allmählich.
Erleuchtet, ohne es zu wissen
Link zum Thema im Video bei 42m23s
Die meisten Menschen haben kein dramatisches Erleuchtungserlebnis. Darüber gibt es keine Statistik, aber ich würde einmal schätzen, dass von 10.000 Menschen einer so ein dramatisches Erlebnis hat, aber die anderen 9999 Menschen erleben das nicht dramatisch. Irgendwann beginnt man, diese vergessene Richtung nach innen wahrzunehmen, durch Momente der Stille, die man trotz allem erlebt, oder durch eine Begegnung mit einem anderen Menschen, aber man nimmt es nicht als dramatisch wahr.
Im Gegenteil: man bemerkt es oft gar nicht, und erst später, viel später, oft Jahre später, wenn man schon empfindsamer geworden ist, wenn man schon stiller geworden ist, wenn man schon viel mehr wieder innen lebt, dann erinnert man sich an das, was man vor vielen Jahren einmal wahrgenommen hat, erlebt hat, und dann merkt man: „Oh wow, damals habe ich es zum ersten Mal gekostet, diese Stille des Innen, diese vergessene Richtung. Und ich wusste damals gar nicht, was es ist.
Ich habe es übersehen.” Deswegen habe ich vor einiger Zeit einmal das Video „Der unerkannte Diamant” gemacht. Da geht es genau darum, dass es für die allermeisten Menschen so etwas wie eine Erleuchtungserfahrung gar nicht gibt. Es ist auch etwas ganz Normales, was einem irgendwann auf diesem Weg, wenn diese Umkehr beginnt, mehr oder weniger unscheinbar geschieht, ohne dass wir das als etwas Besonderes erkennen. Swamiji sagt das so...
Irgendwann beginnt man, diese vergessene Richtung nach innen wahrzunehmen, durch Momente der Stille, aber man bemerkt es oft gar nicht, und erst Jahre später, wenn man empfindsamer und stiller geworden ist, erinnert man sich: „Damals habe ich die Stille zum ersten Mal gekostet und wusste nicht, was es ist. Ich habe es übersehen.”
Link zum Zitat im Video bei 42m49s
Er sagt: „Dir ist die Selbsterkenntnis bereits gegeben worden.” Wenn du einem Guru begegnet bist, wenn du einem Meister begegnet bist, einem spirituellen, dann hast du diese Selbsterkenntnis, dieses Erwachen, bereits bekommen – aber du weißt davon noch nichts, weil du doch nicht empfindsam dafür bist.
Wenn du einem Guru begegnet bist, wenn du einem Meister begegnet bist, einem spirituellen, dann hast du diese Selbsterkenntnis, dieses Erwachen, bereits bekommen – aber du weißt davon noch nichts, weil du doch nicht empfindsam dafür bist.
Link zum Zitat im Video bei 45m11s
Und ich gehe so weit zu sagen: wenn du schon einmal in einem Satsang gesessen bist, wenn du solch seltsame Videos anschaust wie dieses hier, wenn du suchst, vielleicht ohne zu wissen, dass du suchst, und ohne, dass du weißt, was du suchst, dann hast du längst Selbsterkenntnis geschenkt bekommen; dann bist du längst erwacht.
Sonst wärst du nicht hier – aber du weißt davon nichts, weil es allmählich geschieht, still, und du nichts darüber weißt, weil du immer in eine andere Richtung blickst, nach außen, und das Laute und Helle gewohnt bist, und nicht empfindsam bist für dieses Subtile, was du da geschenkt bekommen hast.
Wenn du solch seltsame Videos anschaust, hast du längst Selbsterkenntnis geschenkt bekommen; dann bist du längst erwacht – aber du weißt davon nichts, weil du in eine andere Richtung blickst, nach außen, und das Laute und Helle gewohnt bist, und nicht empfindsam bist für dieses Subtile, was du da geschenkt bekommen hast.
Link zum Zitat im Video bei 45m40s
Ja, und jetzt geht es darum, wieder empfindsam zu werden, und das geht ganz einfach.
Wenn du beginnst, deine Aufmerksamkeit nach innen zu wenden, und dafür gibt es viele Wege... Der Weg, den ich kenne und über den ich immer wieder spreche, ist die Samarpan-Meditation. Da setzt man sich einmal am Tag für eine halbe Stunde hin, vorzugsweise morgens, und ruht mit der Aufmerksamkeit hier oben im Kronenchakra. Das Kronenchakra ist etwas völlig Unspirituelles – das hat nur so einen spirituellen Namen.
Das ist einfach die oberste Stelle des Kopfes, der Scheitel: da, wo du dich jeden Morgen kämmst; diese Stelle, die du anfassen kannst. Und wenn du dort mit deiner Aufmerksamkeit ruhst und nicht auf die Gedanken achtest und nicht auf den Körper, auf gar nichts, und du hast kein Ziel, du hast keine Erwartung, du tust es nicht, um in einen bestimmten Zustand zu kommen, du tust es nicht, um dich anders zu fühlen...
Es ist eine ganz einfache, unscheinbare und doch magische Übung, die dich nach innen wendet – ein Innen, von dem du jetzt im Moment vielleicht noch gar nichts weißt, weil du noch nicht empfindsam dafür geworden bist. Aber es ist da, und wenn du meditierst – wenn du auf diese Weise meditierst –, dann wendest du dich diesem vielleicht noch unbekannten Innen wieder zu. Und dadurch wendest du dich gleichzeitig ab von dem, dem du bisher deine Aufmerksamkeit gegeben hast – von der Welt, von deinem Körper, von den Gedanken –, für eine halbe Stunde.
Und in dieser halben Stunde, wo du versuchst, die Welt und deine Gedanken zu ignorieren und einfach in dir zu ruhen, indem du deine Aufmerksamkeit auf diese Stelle hier oben richtest, dadurch wirst du wieder ein kleines bisschen empfindsamer, jeden Tag ein kleines bisschen mehr. Das ist, wie wenn du draußen an einem Frühlingstag im Sonnenlicht spazieren gehst, und dann kommst du an einer kleinen Kapelle vorbei.
Du trittst ein, und in dieser Kapelle ist es vollkommen dunkel: kein Licht, kein Fenster.
Du trittst ein und schließt die Tür, und du siehst so gut wie nichts, denn deine Augen sind das Sonnenlicht gewöhnt, die Helligkeit, und deine Augen haben sich an die Helligkeit angepasst, damit es dich nicht blendet; damit es dir nicht wehtut, das helle Licht der Sonne. Und wenn du dann in diese Kapelle trittst und die Tür zumachst und im Dunkeln stehst, dann braucht es eine Weile, und deine Augen werden immer empfindsamer.
Sie stellen sich ein auf die neue Dunkelheit, und nach relativ kurzer Zeit, nach wenigen Minuten, beginnst du, zu sehen. Du beginnst zu sehen, dass es überhaupt nicht wirklich dunkel ist: da ist schon Licht, aber ganz, ganz wenig. Du beginnst immer mehr zu erkennen und immer mehr zu sehen, einfach, indem du in diesem dunklen Raum stehst. Und nach einer Weile siehst du alles, du kannst alles erkennen, und du merkst: hier ist gar keine Dunkelheit.
Und dann möchtest du weiter spazieren, du öffnest die Tür, trittst wieder heraus – und deine Augen schmerzen. Du musst die Augen schließen, weil du geblendet und geschmerzt bist vom hellen, grellen Sonnenlicht.
Und das beschreibt, was jetzt deine Herausforderung im Leben ist. Du lernst, wieder empfindsam zu werden. Du meditierst, und in dieser halben Stunde lernst du, ein kleines bisschen empfindsamer zu werden, einfach dadurch, dass du dich vom Lärm der Welt, vom Körper und von den Gedanken abwendest.
Aber dann trittst du wieder hinaus in den Alltag – ins Sonnenlicht –, und dort kannst du mit dieser Empfindsamkeit so nicht sein, und du wirst wieder unempfindsam, genau wie sich die Augen wieder einstellen auf die Sonne.
Aber dann geschieht etwas ganz Interessantes. Wenn du jeden Tag meditierst, wenn du jeden Tag diese Hinwendung nach innen machst und empfindsamer wirst und dann wieder in die Welt hinaustrittst, lernst du, ohne dass du davon etwas weißt, ganz allmählich, ein wenig mehr von dieser neuen Empfindsamkeit in die Welt hinaus mitzunehmen. Du wirst stärker. In dir wächst eine Fähigkeit, mit dem Lärm der Welt, mit dem Körper, mit den Gedanken umzugehen, obwohl du empfindsam bleibst; obwohl du innen bleibst.
Wenn du jeden Tag meditierst und wieder in die Welt hinaustrittst, lernst du, ohne dass du davon etwas weißt, ein wenig mehr dieser neuen Empfindsamkeit in die Welt hinaus mitzunehmen. Du wirst stärker. In dir wächst eine Fähigkeit, mit dem Lärm der Welt, dem Körper und den Gedanken umzugehen, obwohl du empfindsam und innen bleibst.
Link zum Zitat im Video bei 52m36s
Und mit den Jahren, je länger du diese Meditation machst, desto mehr gelingt es dir, in diesem stillen Raum zu bleiben und still zu bleiben, obwohl die Welt da ist; obwohl deine Augen offen sind; obwohl du durch die Welt gehst. Und irgendwann ist es so, als ob du diesen Stille-Raum in dir überhaupt nicht mehr verlässt. Es ist für dich dann, als wäre die Welt gar nicht mehr laut und hell und grell. Du bist still, empfindsam, du nimmst alles wahr – und doch schmerzt dich nichts mehr.
Und das, das ist es, was Zeit braucht: diese Kraft wachsen zu lassen; diese Fähigkeit wachsen zu lassen. Und die wächst durch Übung.
Und mit den Jahren, je länger du diese Meditation machst, desto mehr gelingt es dir, in diesem stillen Raum zu bleiben, obwohl du durch die Welt gehst – als ob du ihn nicht mehr verlässt; als wäre die Welt gar nicht mehr laut. Du nimmst alles wahr – und doch schmerzt dich nichts mehr. Das ist es, was Zeit braucht: diese Kraft, diese Fähigkeit wachsen zu lassen.
Link zum Zitat im Video bei 53m38s
Dann geht es wie von selbst. Es kommt einem vor wie ein Wunder, weil man nichts anderes tut, als jeden Morgen meditieren.
Auch dafür möchte ich dir ein ganz praktisches Beispiel aus dem Alltag geben. Die meisten Menschen sind es heutzutage gewohnt, Sonnenbrillen zu tragen. Die Ärzte sagen, das sei wichtig; das helle Licht ist nicht gut für die Augen.
Aber es gibt auch einige, die sagen, dass das alles nicht stimmt. Und vor vielen, vielen Jahren habe ich so einen Arzt einmal gehört, der sagt: das Licht von der Sonne, das in unsere Augen fällt, ist unendlich wichtig für den Körper. In der Netzhaut des Auges geschieht ganz viel, wenn die Sonne dort hineinfällt. Es erzeugt Hormone und alle möglichen Sachen, die den Körper und die Psyche gesund erhalten.
Und dieser Arzt, den ich damals hörte vor vielen Jahren, der sagte, dass Sonnenbrillen kontraproduktiv sind; dass sie im Grunde Schaden anrichten. Und ich hörte das und ich wusste: das stimmt – obwohl ich natürlich kein Arzt und kein Wissenschaftler bin. Und ich dachte: das probiere ich aus, und ich hörte auf, Sonnenbrillen zu tragen. Und dann dauerte es eine Weile, aber jetzt... Ein paar Jahre hat es gedauert, aber jetzt sind meine Augen es gewohnt.
Ich trage keine Sonnenbrille, ich fahre Auto, und selbst wenn ich direkt in den Sonnenuntergang hineinfahre und die Sonne direkt vor mir steht, habe ich die Augen geöffnet und ich sehe alles. Ich sehe die helle Sonne, aber ich sehe alles, was vor dem Auto geschieht, weil meine Augen es gewohnt sind. Sie haben gelernt, damit umzugehen, und sie mögen es. Aber das war eine Phase der Rückgewöhnung. 20, 30 Jahre lang waren meine Augen Sonnenbrillen gewohnt.
Dann hat es ein paar Jahre gedauert, bis sie die alte Empfindsamkeit wieder bekommen haben – und jetzt geht beides. Ich könnte sagen: jetzt kann ich aus der dunklen Kapelle hinaus ins Sonnenlicht treten, und es schmerzt mich nicht mehr. Und so ist es auch auf dem spirituellen Weg.
Der Tanz des spirituellen Weges
Link zum Thema im Video bei 57m51s
Wenn du den spirituellen Weg beginnst – und damit meine ich: wenn in deinem Leben diese Umkehr geschieht, wo du wieder nach Hause kommen möchtest; wo du dir selbst wieder näherkommen möchtest; wo du zurück zu Gott finden möchtest –, dann wirst du einerseits empfindsamer, und andererseits erlebst du die Welt und dich selbst, deine Gefühle, deine Psyche, deine Gedanken, als unerträglich.
Und das ist ein gutes Zeichen... Du magst das nicht. Ich weiß: du magst es überhaupt nicht; aber das ist ein gutes Zeichen. Das heißt: du bist empfindsamer geworden – aber du weißt nicht, wie du damit umgehen sollst.
Wenn du den spirituellen Weg beginnst, wirst du einerseits empfindsamer, und andererseits erlebst du die Welt, deine Gefühle, Psyche und Gedanken, als unerträglich. Du magst das nicht, aber das ist ein gutes Zeichen. Das heißt: du bist empfindsamer geworden – aber du weißt nicht, wie du damit umgehen sollst.
Link zum Zitat im Video bei 57m51s
Du bist völlig überfordert und du fühlst dich verkehren. Aber mit der Zeit lernst du, damit umzugehen. Du lernst, deine Gedanken zu ignorieren. Du lernst, deine Gefühle einfach da sein zu lassen, ohne ihnen weiter Bedeutung beizumessen. Du lernst, die Welt da sein zu lassen, wie sie ist, ohne ihr Bedeutung beizumessen. Du entspannst damit, wie es ist. Du lernst, 'ja' zu sagen zu dem, wie es ist. Du lernst, 'ja' zu sagen zu deinen Gefühlen. Du lernst, 'ja' zu sagen dazu, wie du bist.
Und du misst all dem immer weniger Bedeutung bei, und du denkst über all das immer weniger nach, und dadurch wird es in dir langsam stiller. Und weil es in dir langsam stiller wird, wirst du langsam empfindsamer. Dann kommst du dir langsam wieder näher. Aber da du jetzt empfindsamer bist, spürst du wieder mehr. Du spürst wieder mehr vom Lärm der Welt, du spürst noch mehr vom Lärm deiner Gedanken, vom Lärm und Schmerz deiner Dramen, die ja auch nur Gedanken sind, und dann lernst du, dem keine Bedeutung beizumessen.
Du lernst, darüber nicht nachzudenken. Du lernst, auch diese Gedanken zu ignorieren. Du lernst, auch diese Aspekte der Welt, die du jetzt siehst und jetzt wahrnehmen kannst, so zu akzeptieren, wie sie sind. Und du wirst noch stiller in dir. Und da du noch stiller wirst, spürst du noch mehr vom Lärm, der immer noch in dir übrig ist. Du spürst noch mehr von den Gedanken, die in dir noch übrig sind, und du siehst neue Dinge in der Welt, die dich schmerzen. Und dann lernst du, auch diese Gedanken zu ignorieren.
Du lernst, auch diese Gefühle einfach da sein zu lassen, ohne in Bedeutung beizumessen. Du lernst, auch diese neuen Aspekte der Welt und der Menschen um dich herum, die du jetzt wahrnehmen kannst, zu akzeptieren und zu all dem 'ja' zu sagen, und du wirst noch stiller in dir, und du kommst dir selbst noch näher.
Das ist der Tanz des spirituellen Weges. Du willst empfindsamer werden, weil du zurück zu Gott möchtest, zurück nach innen, zurück zum Subtilen.
Und mit jedem Schritt, den du weiter nach innen gehst, mit jedem Schritt, den du subtiler wirst, musst du lernen, mehr zu akzeptieren, mehr zu ertragen, mit mehr umzugehen. Einfach, indem du dazu 'ja' sagst, einfach, indem du dem keine Bedeutung beimisst, lernst du das.
Dadurch wirst du fähig, immer subtiler zu werden, immer feiner zu werden und immer mehr Gott zu spüren – deine Seele. Und da kehrst du zurück zum Zuhause, zu dieser Normalität der absoluten Zufriedenheit, an die du dich tief drinnen erinnern kannst; die da war, als du dieser Säugling warst, als du reine Seele warst, als du noch nichts mit dem Körper und mit der Welt zu tun hattest.
Das ist der Tanz des spirituellen Weges. Du willst empfindsamer werden, weil du zurück zu Gott möchtest, zurück nach innen. Und mit jedem Schritt, den du nach innen gehst, musst du lernen, mehr zu akzeptieren, mehr zu ertragen, mit mehr umzugehen. Einfach, indem du dazu 'ja' sagst und dem keine Bedeutung beimisst, lernst du das.
Link zum Zitat im Video bei 1h01m19s
Das ist die Natur des spirituellen Weges: empfindsam werden und gleichzeitig lernen, mit dieser Empfindsamkeit zu leben.
Und man lernt, mit dem empfindsamer werden zu leben, indem man den Gedanken immer weniger Aufmerksamkeit gibt. Die Welt an sich ist nicht das Problem, aber das, was wir darüber denken, das ist das, was uns den Unfrieden schafft, und den Schmerz in uns. Und dann lernen wir...
Das ist die Natur des spirituellen Weges: empfindsam werden und gleichzeitig lernen, mit dieser Empfindsamkeit zu leben. Und das lernt man, indem man den Gedanken immer weniger Aufmerksamkeit gibt. Die Welt an sich ist nicht das Problem. Das, was wir darüber denken, schafft uns den Unfrieden, und den Schmerz in uns.
Link zum Zitat im Video bei 1h03m05s
Je empfindsamer wir werden, desto mehr lernen wir, nicht auf das Laute zu hören, weil es einfach wehtut. Wir lernen, unsere Gedanken zu ignorieren. Wir lernen, den ständigen Input der Welt zu ignorieren, den unnötigen. Du lebst, als Mensch, und es gibt bestimmte Dinge, die tust du in deinem Alltag, und die sind alle natürlich und ohne jedes Problem. Du stehst auf, du kochst, du isst, du putzt, du arbeitest ein wenig, du hast mit einigen wenigen Menschen in deiner Umgebung zu tun.
Damit kann man lernen, zurechtzukommen. Aber wir machen normalerweise viel mehr. Wir laden die gesamte Last der Welt auf uns, indem wir uns über alles informieren. Wir wissen über die gesamte Welt Bescheid, über sämtliche Dramen, Kriege und Gräueltaten, die irgendwo auf der Welt geschehen. All das laden wir uns auf, bereitwillig, neugierig. Wir saugen alles auf.
Und wir lernen, diesen Lärm abzustellen. Wir lernen, dass wir das alles nicht brauchen. Wir lernen, dass uns das überhaupt nicht guttut. Wir lernen, dass uns das krank macht.
Und je mehr wir es lernen, diese Dinge zu ignorieren, desto stiller können wir werden; desto feiner und empfindsamer können wir wieder werden.
Wir laden die gesamte Last der Welt auf uns, indem wir uns über alles informieren: über die Dramen, Kriege und Gräueltaten der Welt. Dann lernen wir, dass wir das alles nicht brauchen und dass uns das krank macht. Und je mehr wir diese Dinge ignorieren, desto stiller können wir werden; desto feiner und empfindsamer können wir wieder werden.
Link zum Zitat im Video bei 1h05m03s
Und dann beginnst du zu lernen, mit den Menschen, mit denen du zu tun hast, anders umzugehen, weil du empfindsamer wirst. Du lernst, Gespräche anders zu führen, weil du empfindsamer wirst. Du lernst, anders zu arbeiten, weil du empfindsamer wirst. Dinge, die dir früher Spaß gemacht haben, tust du dann nicht mehr, weil du es nicht mehr trägst, weil du empfindsamer geworden bist. Du beginnst neue Dinge zu tun, die dir Freude machen, weil du empfindsamer geworden bist. Und so verändert sich ganz allmählich, mit der Zeit, das Leben und du selbst.
Und das eine bedingt das andere. Du kannst nur empfindsamer werden, stiller, wenn du gelernt hast, weniger von dem Lärm und der Last des Lebens in dich hineinzusaugen.
Je mehr du gelernt hast, auf dich Acht zu geben und das Negative und den Lärm der Welt nicht aufzunehmen, desto empfindsamer kannst du werden. Und wenn du empfindsamer geworden bist, musst du wieder neu lernen, noch besser auf dich aufzupassen, noch genauer darauf zu achten: auf deine Gedanken nicht zu achten, und auf die Welt.
Wie alles Wachsen braucht es Zeit
Link zum Thema im Video bei 1h08m11s
Das ist wie ein Tanz. Mit jedem Schritt, den du in Richtung Empfindsamkeit machst, musst du neu lernen, und mit jedem neu lernen kannst du wieder empfindsamer werden. Und das ist der Grund – und der einzige Grund –, warum das ganze Zeit braucht.
Und darüber möchte ich jetzt noch sprechen.
Viele Menschen sagen, Erwachen, Erleuchtung, braucht keine Zeit. Es ist einfach ein Erkennen – und dann weißt du Bescheid. Und in gewisser Weise stimmt das auch.
Du kannst bei einem Meister sitzen, und plötzlich fällst du in die Stille in dir, und dann kennst du die Stille. Dieses Erkennen braucht keine Zeit. Das ist ein Erleben.
Und wie gesagt: jeder Mensch erlebt es anders – aber dieses Erleben nutzt dir nichts: jetzt musst du lernen, so zu leben. Für diesen einen Moment ruhtest du in der Stille, aber dann geht das Leben weiter. Dann überfällt dich die Normalität deines eigenen Wesens, die Normalität deines eigenen inneren Zustandes wieder. Der hat sich nicht verändert.
Die Art und Weise, wie es in dir aussieht, hat sich nicht verändert. Deine Gefühle haben sich nicht verändert, und die Welt um dich herum auch nicht, und deine Gedanken auch nicht. Und in gewisser Weise ist es jetzt schwieriger als vorher: jetzt weißt du etwas von der Stille, die auf dich wartet. Jetzt weißt du, wer du wirklich bist. Aber jetzt bist du in einem Spagat.
Wie sollst du leben?
Viele sagen, Erwachen brauche keine Zeit. Es sei einfach ein Erkennen. Und in gewisser Weise stimmt das auch. Aber dann geht das Leben weiter: dann überfällt dich die Normalität deines inneren Zustandes wieder. Der hat sich nicht verändert. In gewisser Weise ist es jetzt schwieriger: jetzt weißt du von der Stille. Aber wie sollst du leben?
Link zum Zitat im Video bei 1h08m50s
Und ich spreche so gerne und immer wieder über diesen einen Punkt, weil die meisten Menschen darüber nicht sprechen. Swamiji, mein Guru, ist der Einzige, den ich kenne, der immer wieder darüber spricht: dass es eben Zeit braucht zu lernen, so zu leben.
Wenn du das nicht weißt, dann können verschiedene Dinge geschehen. Wie gesagt, manche Menschen erleben es wie ein plötzliches Hereinbrechen der Stille oder Hereinbrechen des Nichts in sich selbst, und dann erleben sie die Wahrheit ihrer wahren Natur, aber sie sind vollkommen überfordert davon. Manche werden verrückt.
Andere vergessen es wieder, weil sie so nicht leben können. Und die meisten Menschen nehmen dieses Erkennen und gehen damit in die Gedanken, ohne dass sie das wissen. Dann erinnern sie sich an dieses Erlebnis, und dann leben sie dieses Erlebnis in ihrer Erinnerung, ohne dass sie wissen, dass es eigentlich nur ein Gedankenspiel ist.
Aber wirklich so empfindsam zu werden, dass man das, was man da erlebt oder ahnt, leben kann, obwohl man hier ist, in der Welt, auf dem Boden, als Mensch, das ist nicht schwer – aber es braucht Zeit.
Die meisten nehmen dieses Erkennen und gehen damit in die Gedanken, ohne dass sie das wissen. Sie leben dieses Erlebnis in ihrer Erinnerung, ohne dass sie wissen, dass es nur ein Gedankenspiel ist. Wirklich so empfindsam zu werden, dass man das leben kann, obwohl man hier ist, in der Welt, auf dem Boden, als Mensch, das ist nicht schwer – aber es braucht Zeit.
Link zum Zitat im Video bei 1h11m44s
Es hat Zeit gebraucht, bis wir so unempfindsam geworden sind. Jahrelang hat es gebraucht, bis wir als neugeborene Seele vergessen haben und unempfindsam geworden sind. Der Rückweg braucht auch Zeit – nicht viel, aber ein paar Jahre sind es dann schon. Und Swamiji sagt etwas ganz Interessantes, und ich bitte dich, dir das zu Herzen zu nehmen. Er sagt: es ist gut, dass es langsam ist, dieser Weg. Wir brauchen diese Zeit. Und alles, was ich bisher gesagt habe, dient dazu, dir begreiflich zu machen, warum wir diese Zeit brauchen.
Wir brauchen diese Zeit, um uns ans empfindsam werden zu gewöhnen; um uns ans Gott sein zu gewöhnen; um die Fähigkeiten zu entwickeln, damit zurechtzukommen. Wir müssen lernen, die Gedanken zu ignorieren. Wir müssen lernen, mit der Welt umzugehen, wie sie ist. Wir müssen lernen und praktizieren, der Welt und den Gedanken und den Gefühlen keine Bedeutung beizumessen. Und dann können wir immer empfindsamer werden, immer stiller, immer erleuchteter, immer göttlicher, immer heiliger.
Jahre hat es gebraucht, bis wir als Neugeborene unempfindsam geworden sind. Der Rückweg braucht auch Zeit – nicht viel, aber ein paar Jahre sind es schon. Und das ist gut, denn wir müssen lernen, der Welt, den Gedanken und den Gefühlen keine Bedeutung beizumessen. Dann können wir empfindsamer werden, stiller, göttlicher, heiliger.
Link zum Zitat im Video bei 1h13m01s
Wenn du das nicht willst... wenn du nicht willst, dass es Zeit braucht, wenn du es sofort willst, dann wirst du einen Weg finden – aber der Weg führt in die Illusion. Du wirst wahnsinnig, oder du drehst dich in deinen Gedanken und weißt es nicht.
Aber wirklich hier zu sein, hier, da wo du jetzt bist, im Körper, im Leben, im Alltag, in der Beziehung, im Job, in der Familie, in der Krankheit, im Verliebtsein, im Hunger, im Durst, in allem – und ganz wach zu sein, ganz da zu sein, ganz empfindsam zu sein... das braucht Übung, mehr nicht. Es ist nicht schwierig, aber wie alles Lernen braucht es Zeit.
Wie alles Wachsen braucht es Zeit.
Wenn du es sofort willst, wirst du einen Weg finden – aber der führt in die Illusion. Aber wirklich hier zu sein, im Körper, im Leben, im Alltag, in Krankheit, im Verliebtsein, im Hunger, im Durst, und ganz wach zu sein, ganz empfindsam, das braucht Übung. Es ist nicht schwierig, aber wie alles Lernen braucht es Zeit. Wie alles Wachsen braucht es Zeit.
Link zum Zitat im Video bei 1h14m56s
Du bist weder deine Gedanken noch deine Gefühle
Link zum Thema im Video bei 1h16m20s
Und jetzt, am Schluss des Videos, möchte ich dir noch ganz praktisch erzählen, wie dieses Lernen vor sich geht. Und ich möchte auf zwei Aspekte, auf drei Aspekte eingehen, die dir da helfen.
Der erste Aspekt ist der deiner Gedanken.
Die Quelle, die Hauptquelle des Lärms in uns, sind unsere einen Gedanken. Und das überrascht dich vielleicht, denn viele Menschen empfinden ihre Gedanken überhaupt nicht als Problem, sondern im Gegenteil als hilfreich und nützlich. Viele Menschen haben das Gefühl: „Ich bin meine Gedanken. Wer bin ich denn, wenn ich nicht denke?” Und die meisten Menschen haben das Gefühl, die Gedanken sind es, die sie vor Schwierigkeiten bewahren und ihnen helfen, Probleme zu lösen.
Und erst wenn du... Also, es ist ein bisschen schwierig, das zu entdecken, denn solange du so denkst – und so denken fast alle Menschen –, so lange würde es dir nicht im Traum einfallen, die Gedanken zu ignorieren.
Aber wenn du einmal Erfahrung damit hast, wie es ist, die Gedanken zu ignorieren, nicht zu denken, ganz still zu sein, dann erkennst du, dass die Gedanken nicht nur vollkommen unwichtig sind, sondern in Wirklichkeit die Quelle von all unserem Schmerz und unserer Probleme sind. Aber um das zu erleben, muss man erst einmal gelernt haben, die Gedanken zu ignorieren. Das ist also das Henne-Ei-Problem: ohne Henne kein Ei, ohne Ei keine Henne.
Solange du so denkst, fällt es dir nicht im Traum ein, die Gedanken zu ignorieren. Erst wenn du einmal Erfahrung damit hast, wie es ist, die nicht zu denken, erkennst du, dass sie nicht nur unwichtig, sondern die Quelle unseres Schmerzes und unserer Probleme sind. Es ist ein Henne-Ei-Problem: ohne Henne kein Ei, ohne Ei keine Henne.
Link zum Zitat im Video bei 1h17m50s
Du weißt aus eigener Erfahrung erst, was die Gedanken wirklich sind, nämlich unwichtig und ein Problem und nicht die Lösung, wenn du gedankenlos bist. Aber du willst nicht gedankenlos werden, weil du glaubst, die Gedanken sind wichtig, und du glaubst: „Die Gedanken, das bin ich.” Aber das Leben kümmert sich um dich, und irgendwann erlebst du es.
Irgendwann erlebt jeder Mensch so etwas. Dann bekommst du eine Ahnung davon, dass das, was ich hier sage, stimmt. Und dann fängst du an, zu meditieren, und dann übst du, die Gedanken zu ignorieren. Und je besser dir das gelingt, desto näher kommst du dir selbst.
Dass Gedanken ein Problem und nicht die Lösung sind, weißt du erst, wenn du gedankenlos bist. Aber du willst nicht gedankenlos werden, weil du glaubst, die Gedanken seien wichtig. Aber irgendwann erlebst du es. Dann fängst du an, zu meditieren, und übst, sie zu ignorieren. Und je besser dir das gelingt, desto näher kommst du dir selbst.
Link zum Zitat im Video bei 1h18m53s
Das Zweite, der zweite Aspekt, den ich dir gerne nahelegen möchte, ist, wie man mit Gefühlen umgeht. Fast alle Gefühle sind erzeugt von unseren Gedanken, und wir wissen es nicht. Es gibt Gefühle, die entstehen durch die Umstände. Ich will dir ein Beispiel geben. Du bist unachtsam: du trittst auf die Straße und siehst plötzlich aus dem Augenwinkel, dass ein Auto heranrast.
Du hast einen Fehler gemacht, du hast nicht geschaut, und dein gesamter Körper reagiert innerhalb von einem Bruchteil einer Sekunde mit dramatischen Gefühlen: Angst, Schreck, du springst zurück, du machst einen Riesensatz, den normalerweise nie machen könntest und bringst dich in Sicherheit. Oder du bist in einer Situation und du merkst: hier stimmt was nicht. Du bekommst Angst in der Situation, und diese Angst trägt dich durch die Situation, die mobilisiert all deine Kräfte und all deine mentale Klarheit.
Das sind Gefühle, die in einer konkreten Situation spontan geschehen und danach auch wieder weggehen. Von diesen echten, direkten Gefühlen spreche ich nicht. Ich spreche von den anderen Gefühlen, die du die ganze Zeit hast, obwohl alles um dich herum ruhig ist. Du sitzt da mit geschlossenen Augen, du fühlst alles Mögliche – und das ist das Echo der Gedanken, das Echo der Erinnerungen, das Echo der Vergangenheit – die besteht aus Gedanken –, das Echo der Zukunft, die Angst vor der Zukunft, und die besteht auch nur aus Gedanken.
Und wir lernen, diese Gefühle nicht mehr ernst zu nehmen, genau wie wir lernen, die Gedanken nicht mehr ernst zu nehmen. Die Gedanken kannst du ignorieren, die Gefühle nicht. Was ich mit Gefühlen mache, ist: ich lasse sie einfach da sein. Ich nehme sie nicht wichtig. Ich unterdrücke sie nicht...
wenn ich zum Beispiel Angst habe oder mich verkehrt fühle, dann sage ich mir nicht: „Ich bin doch gar nicht verkehrt, ich bin doch cool, ich bin doch Gott”. Das hilft alles nichts: das führt nur wieder zurück in die Gedanken. Hey, wenn ich mich verkehrt fühle, dann fühle ich mich halt verkehrt: „Okay...” Ich kümmere mich nicht weiter um das Gefühl. Ich lasse es einfach da sein. Das ist der einfachste Weg, mit Gefühlen umzugehen, mit allen Gefühlen.
Vielleicht fühle ich mich total toll und genial: okay, kein Problem, ich lasse das Gefühl da sein. Ich kümmere mich nicht weiter darum, ich bilde mir nichts darauf ein, ich denk nicht darüber nach. Eifersucht? Ah, schau an, wow, das tut weh: okay, darf da sein... Dann denkst du nicht weiter darüber nach, du gibst ihm keine Bedeutung – und dann kannst du bei dir sein. Dann kannst du still sein.
Und beides erfordert Übung: die Gedanken zu ignorieren, braucht Übung, und die Gefühle nicht wichtig zu nehmen, das braucht auch ein bisschen Übung. Nimm dir die Zeit dafür. Und damit meine ich nicht, dass du dich jetzt stundenlang hinsetzen und es üben sollst, sondern damit meine ich: sei geduldig mit dir. Kein Meister ist vom Himmel gefallen.
Es ist einfach, zu lernen, die Gedanken zu ignorieren; es ist einfach, zu lernen, den Gefühlen keine Bedeutung beizumessen – aber es braucht Zeit. Warte nicht darauf, dass du es gelernt hast: das meine ich mit Geduld. Warte nicht darauf, dass du es endlich kannst. Lerne es jeden Tag aufs Neue. Mehr brauchst du nicht lernen. Das ist das Einzige, was du wissen brauchst – zu wissen, dass das nützlich ist: dann lernst du es jeden Tag, jeden Tag neu, jeden Tag noch mehr. Dieses Lernen hat kein Ende.
Es ist einfach, zu lernen, die Gedanken zu ignorieren und den Gefühlen keine Bedeutung beizumessen – aber es braucht Zeit. Warte nicht darauf, dass du es gelernt hast: das meine ich mit Geduld. Warte nicht darauf, dass du es endlich kannst. Lerne es jeden Tag aufs Neue. Mehr brauchst du nicht lernen.
Link zum Zitat im Video bei 1h23m49s
Das Leben neu lernen
Link zum Thema im Video bei 1h24m40s
Und der dritte Aspekt dieses Lernens, wie man mit sich selbst und der Welt umgeht auf dem Weg zu mehr Empfindsamkeit, auf dem Weg zurück nach innen, zu Gott, ist, dass man genau darauf achtet, was man in sich hineinlässt: welche Sinneseindrücke ich haben will; welche mentalen Eindrücke ich haben will.
Und das ist ein Punkt, der für die meisten Menschen völlig neu ist.
Du schaust auf dein Handy, du scrollst auf Facebook oder durch YouTube oder andere Social-Media-Kanäle. Jedes einzelne Bild, das du da siehst, jeder einzelne Spruch, den du da liest, jede einzelne Geschichte, die du da siehst oder liest oder dir anhörst, trägt eine Last in dich hinein; trägt normalerweise Konflikt, Probleme, Drama und viele Gedanken in dich hinein. Es geht immer um irgendetwas, was verkehrt ist, was so nicht sein sollte oder um etwas, wie es sein sollte.
Und dann alles herauszufiltern, was mir nicht zuträglich ist, meiner Empfindsamkeit, meiner Stille, das ist die Aufgabe. Und das heißt für mich, dass ich lerne, nichts mehr anzuschauen auf Social-Media; keine Zeitung zu lesen. Ich bin nicht Gott; ich bin nicht der Regierungschef der Welt. Ich brauche nicht alles über die Welt wissen. Ich bin genug damit beschäftigt, meine kleine Welt in Ordnung und schön zu halten.
Du schaust auf dein Handy, und jedes Bild, jeder Spruch, jede Geschichte trägt eine Last in dich hinein: Konflikt, Probleme, Drama und viele Gedanken. Es geht immer um irgendetwas, was verkehrt ist, was so nicht sein sollte oder um etwas, wie es sein sollte. Alles herauszufiltern, was mir nicht zuträglich ist, meiner Empfindsamkeit, meiner Stille, das ist die Aufgabe.
Link zum Zitat im Video bei 1h25m28s
Das ist meine Aufgabe, um die kümmere ich mich gerne, und alles andere können wir lernen zu ignorieren.
Ich bin nicht der Regierungschef der Welt. Ich brauche nicht alles über die Welt wissen. Ich bin genug damit beschäftigt, meine kleine Welt in Ordnung und schön zu halten. Das ist meine Aufgabe, um die kümmere ich mich gerne, und alles andere können wir lernen zu ignorieren.
Link zum Zitat im Video bei 1h26m48s
Ein Freund kommt zu dir und erzählt dir irgendein Drama aus seinem Leben. Du liebst diesen Menschen, und du glaubst, du solltest zuhören, aber er hat diese Geschichte sich selbst schon tausendmal erzählt, seinen Freunden schon tausendmal erzählt, und jetzt bist du dran – und es ist weder für ihn gut noch für dich selbst. Und dann zu lernen, so etwas nicht in sich hereinzulassen, das ist die Aufgabe.
Du kennst Menschen, die nichts davon wissen, wie man sich nach innen wendet, wie man die Gedanken ignoriert, wie man empfindsam wird. Diese Menschen leben das ganz normale, wahnsinnige Leben und tun sich selbst und anderen Menschen in ihrer Umgebung die ganze Zeit weh. Und du kennst solche Menschen auch; vielleicht deine Eltern, vielleicht deine Geschwister; vielleicht deine Kollegen.
Und dann zu lernen, deren Drama, deren Gedanken, deren Schmerz, nicht in mich hineinzulassen, und trotzdem praktische Wege zu finden, damit umzugehen – trotzdem zur Arbeit zu gehen, trotzdem irgendwie die Eltern zu lieben, das ist die Aufgabe. Swamiji sagt: höre nichts Schlechtes, sehe nichts Schlechtes, sage nichts Schlechtes. Und damit, so wie ich ihn verstehe, meint er, sich all diese Dinge nicht reinzuziehen – sonst kannst du nicht empfindsam werden.
Du kennst Menschen, die nichts davon wissen, wie man sich nach innen wendet, die Gedanken ignoriert und empfindsam wird: vielleicht deine Eltern, deine Kollegen. Und dann deren Drama, Gedanken und Schmerz nicht hineinzulassen und trotzdem Wege zu finden, damit umzugehen, zur Arbeit zu gehen und die Eltern zu lieben, das ist die Aufgabe.
Link zum Zitat im Video bei 1h28m00s
Das ist die Herausforderung des spirituellen Weges: diese Dinge zu lernen. Und das ist alles nicht schwierig, aber es braucht Zeit. Und deswegen spreche ich in manchen meiner Videos und in allen meiner Satsang auch so gerne über diese ganz praktischen Aspekte des Lebens. Ich bekomme Fragen zu Beziehungen – zu Liebesbeziehungen, aber auch zu Beziehungen zu Eltern und zu anderen Menschen.
Ich bekomme Fragen zur Arbeit und zu Gefühlen und über Krankheit und über alle möglichen Herausforderungen im Leben, denn auf all diese Herausforderungen stoßen wir noch viel mehr als vorher, wenn wir beginnen, empfindsam zu werden und uns nach innen zu wenden. Dann müssen wir lernen, damit umzugehen, wenn wir nicht in eine Welt der Illusion, in Gedanken, flüchten wollen. Wir müssen lernen, hier zu sein, mitten in der Welt, mitten im Leben.
Deswegen spreche ich gerne über die praktischen Aspekte des Lebens, denn auf diese Herausforderungen stoßen wir, wenn wir beginnen, empfindsam zu werden und uns nach innen zu wenden. Wir müssen lernen, damit umzugehen, wenn wir nicht in eine Welt der Gedanken, flüchten wollen. Wir müssen lernen, hier zu sein, mitten in der Welt, mitten im Leben.
Link zum Zitat im Video bei 1h29m35s
Ja, und das bedeutet das ganz praktisch: du meditierst jeden Tag. Da lernst du, in der Stille zu sitzen, auch wenn du das Gefühl hast, dass es dir überhaupt nicht gelingt. Das ist völlig egal. Je stiller du wirst, desto mehr nimmst du den Lärm in dir wahr. Das ist kein schlechtes Zeichen; das ist ein gutes Zeichen.
Und dann, während der restlichen dreiundzwanzigeinhalb Stunden des Tages, lernst du ganz automatisch, ohne dass du darüber nachdenkst, ohne dass du jetzt daraus ein Projekt machst, mit dieser neuen Empfindsamkeit in den Tag zu gehen. Und ohne, dass du das merkst, wirst du mit jeder Meditation, die du tust, am Morgen oder wann auch immer, auch wenn du überhaupt nicht das Gefühl hast, dass du still wirst in der Meditation, noch stiller.
Du weißt nichts davon, dass du empfindsamer wirst, weil es so langsam und so natürlich und so allmählich vonstattengeht. Aber dann musst du lernen, mit dieser neuen Empfindsamkeit, von der du nichts weißt, den Tag zu bestehen. Das ist ein ganz normales, ein ganz natürliches Lernen.
Und ohne, dass du das merkst, wirst du mit jeder Meditation noch stiller. Du weißt nichts davon, dass du empfindsamer wirst, weil es so langsam und natürlich vonstattengeht. Aber dann musst du lernen, mit dieser neuen Empfindsamkeit, von der du nichts weißt, den Tag zu bestehen. Das ist ein ganz normales, natürliches Lernen.
Link zum Zitat im Video bei 1h31m36s
Und dazu ermutige ich dich. Ich ermutige dich dazu, diese Geduld zu haben, das Leben neu zu lernen. Dann kannst du dich nach innen wenden.
Das ist der Weg. Es ist kein Weg woanders hin. Es ist kein Weg, anders zu werden als Mensch.
Im Grunde geht es einfach nur darum, zu lernen, wach und hier zu sein und damit umzugehen, was wir dann erleben und sehen: Mit offenen Augen im Sonnenlicht zu stehen.
Das lernen wir.
Und dazu ermutige ich dich: diese Geduld zu haben, das Leben neu zu lernen. Dann kannst du dich nach innen wenden. Das ist der Weg. Es ist kein Weg woanders hin; es ist kein Weg, anders zu werden als Mensch. Im Grunde geht es einfach nur darum, zu lernen, wach und hier zu sein und damit umzugehen, was wir dann erleben und sehen.
Link zum Zitat im Video bei 1h32m19s
Es ist ein guter Weg, es ist ein natürlicher Weg, ein ganz normaler Weg. Es hat nichts mit großen spirituellen Ereignissen zu tun – im Gegenteil: es ist unspektakulär.
Die meisten Menschen wollen etwas Lautes und etwas Dramatisches und etwas Prägnantes, aber dieser Weg ist ganz still, ganz unspektakulär, ganz subtil, weil es so allmählich ist.
Es ist ein guter Weg, ein natürlicher Weg, ein ganz normaler Weg. Es hat nichts mit großen spirituellen Ereignissen zu tun – im Gegenteil: es ist unspektakulär. Die meisten wollen etwas Lautes und etwas Dramatisches und etwas Prägnantes, aber dieser Weg ist ganz still, ganz unspektakulär, ganz subtil, weil es so allmählich ist.
Link zum Zitat im Video bei 1h33m19s
Und du kannst darüber nichts wissen.
Schau... Du wusstest nicht, dass du immer unempfindsamer wirst, als Kind und als junger Erwachsener, weil es so normal ist. Es wird zur Normalität – und von deiner Normalität weißt du nichts. Jetzt bist du auf dem Rückweg hin zur Empfindsamkeit, und mit jeder Meditation, die du machst, und mit jedem Tag, den du lebst, wirst du empfindsamer.
Aber das wird auch jeden Tag wieder das neue Normal, und du weißt darüber nichts. Andere können es sehen. Die merken, dass du dich veränderst, dass du stiller wirst, dass du feiner wirst, friedlicher, ausgeglichener, umgänglicher, glücklicher, aber du selbst merkst davon meistens nichts.
Du wusstest nicht, dass du immer unempfindsamer wirst als Kind. Es wird zur Normalität – und von der weißt du nichts. Jetzt bist du auf dem Rückweg hin zur Empfindsamkeit, und mit jeder Meditation und mit jedem Tag, den du lebst, wirst du empfindsamer. Aber das wird auch jeden Tag wieder das neue Normal, und du weißt darüber nichts.
Link zum Zitat im Video bei 1h34m03s
Das Gegenteil von Spiritual Bypassing
Link zum Thema im Video bei 1h35m00s
Jetzt, zum Schluss des Videos, möchte ich noch auf einen Gedanken eingehen, den du wahrscheinlich aus deinem eigenen Kopf hörst oder aus dem Kopf von anderen Menschen, wenn du dieses Video hier anschaust oder wenn du das selbst probierst. Und dieser Gedanke lautet: „Ja, aber Moment mal, das kann doch nicht richtig sein: sich von der Welt abwenden. Wer soll sich denn die Welt kümmern? Das ist doch Flucht vor der Welt – Spiritual Bypassing.” Das ist so ein Schlagwort...
Und es gibt Menschen, die machen das: Flucht vor der Welt, Spiritual Bypassing, und das ist, wenn man in die Gedanken flüchtet; wenn man nicht mehr in der Welt lebt, sondern in einer Traumwelt; wenn man sich verirrt in Gedanken, ohne davon zu wissen.
Du lebst in einer schönen, friedlichen Welt in deinem Kopf, oder in einer schrecklichen Welt in deinem Kopf, und es hat alles nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Aber wovon ich hier spreche, ist genau das Gegenteil: du lernst, die Gedanken nicht ernst zu nehmen.
Flucht vor der Welt, Spiritual Bypassing, ist, wenn man in die Gedanken flüchtet; wenn man sich verirrt in Gedanken, ohne davon zu wissen. Du lebst in einer schönen oder schrecklichen Welt in deinem Kopf, und es hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Aber wovon ich hier spreche, ist genau das Gegenteil: du lernst, die Gedanken nicht ernst zu nehmen.
Link zum Zitat im Video bei 1h35m47s
Du lernst, den Gedanken überhaupt keine Aufmerksamkeit zu geben, und dafür ist es notwendig, das, wie es für dich ist und wie du das Leben jetzt gerade erlebst, zu akzeptieren.
Dazu ist es notwendig, dass du dich selbst akzeptierst, wie du dich erlebst; dass du akzeptierst, welche Gefühle da sind; dass du akzeptierst, wie du die Welt wahrnimmst. Die Welt ist ganz anders, als wie du sie wahrnimmst, aber davon weißt du nichts. Du bist ganz anders, als wie du dich wahrnimmst, aber davon weißt du nichts.
Du lernst, den Gedanken keine Aufmerksamkeit zu geben, und dafür ist es notwendig, das, wie es für dich ist und wie du das Leben jetzt gerade erlebst, zu akzeptieren. Dazu ist es notwendig, dass du dich selbst akzeptierst, wie du dich erlebst; dass du akzeptierst, welche Gefühle da sind; dass du akzeptierst, wie du die Welt wahrnimmst.
Link zum Zitat im Video bei 1h36m41s
Die Wahrheit entdecken kannst du nur, indem du aufhörst, den Gedanken Aufmerksamkeit zu geben, und das kannst du nur, wenn du nicht im Konflikt bist damit, wie du bist und wie die Welt ist. Denn wenn du in Konflikt bist mit dem, wie du bist oder mit dem, was du fühlst oder mit dem, wie die Welt ist, dann bist du in Gedanken.
Die Wahrheit entdecken kannst du nur, indem du aufhörst, den Gedanken Aufmerksamkeit zu geben, und das kannst du nur, wenn du nicht im Konflikt bist damit, wie du bist und wie die Welt ist. Denn wenn du in Konflikt bist mit dem, wie du bist oder mit dem, was du fühlst oder mit dem, wie die Welt ist, dann bist du in Gedanken.
Link zum Zitat im Video bei 1h37m21s
Deswegen spreche ich immer wieder und immer wieder davon, dass du dich selbst akzeptieren musst, so wie du bist, auch wenn du dich für völlig verkehrt hältst, und dass du einfach die Welt akzeptierst, wie sie ist. Dann kannst du beginnen, hier zu sein. Dann kannst du beginnen, die Gedanken zu ignorieren. Und dann beginnst du ganz allmählich, zu sehen. Dann werden deine Augen empfindsam, deine inneren Augen, aber auch die Augen, die die Welt sehen.
Deswegen spreche ich davon, dass du dich selbst akzeptierst, so wie du bist, und die Welt akzeptierst, wie sie ist. Dann kannst du beginnen, hier zu sein. Dann kannst du beginnen, die Gedanken zu ignorieren. Und dann beginnst du ganz allmählich, zu sehen. Dann werden deine Augen empfindsam, deine inneren und die, die die Welt sehen.
Link zum Zitat im Video bei 1h37m51s
Das ist das Gegenteil von „Spiritual Bypassing”. Das ist das Gegenteil von einer Flucht aus dem Leben. Dann kommst du zum ersten Mal hier in diesem Leben überhaupt an.
Alles andere war die Flucht in die Gedanken, weil du mit deiner göttlichen Empfindsamkeit in der Welt nicht bestehen konntest. Das war damals notwendig als Kind und als Jugendlicher; anders ging es nicht.
Jetzt bist du groß genug, jetzt bist du kraftvoll genug, jetzt bist du alt genug, um das zu lernen: wieder hier zu sein, wach, mit geöffneten Augen im Sonnenlicht, mit einer empfindsamen Seele, hier im Leben.
Das ist das Gegenteil von „Spiritual Bypassing” und einer Flucht aus dem Leben. Alles andere war Flucht in die Gedanken, weil du mit deiner göttlichen Empfindsamkeit in der Welt nicht bestehen konntest. Das war damals notwendig als Kind. Jetzt bist du groß genug, um das zu lernen: hier zu sein mit einer empfindsamen Seele, hier im Leben.
Link zum Zitat im Video bei 1h38m33s
Das ist der Weg zurück zur Unschuld
Link zum Thema im Video bei 1h39m50s
Also mach dir keine Gedanken über Erleuchtung oder über Erwachen. Diese Erlebnisse oder Ereignisse, auf die diese Worte hinweisen, sind vollkommen unwichtig.
Hilfreich ist nur eines: zu lernen, wieder empfindsam zu werden. Das lernst du, indem du die Gedanken ignorierst. Und das kannst du, wenn du lernst, 'ja' zu sagen – zu dir selbst, zu deinen Gefühlen und zur Welt. Deswegen sagen die Gurus: Hingabe ist der Weg – Hingabe an das, was ist.
Also mach dir keine Gedanken über Erleuchtung oder Erwachen. Hilfreich ist nur eines: zu lernen, wieder empfindsam zu werden. Das lernst du, indem du die Gedanken ignorierst. Und das kannst du, wenn du lernst, 'ja' zu sagen – zu dir, zu deinen Gefühlen und zur Welt. Deswegen sagen die Gurus: Hingabe ist der Weg – Hingabe an das, was ist.
Link zum Zitat im Video bei 1h39m50s
Wenn du das lernst, wenn du 'ja' sagen lernst, wenn du lernst, dich selbst anzunehmen, deine Gefühle und die Welt, dann brauchst du den Gedanken keine Aufmerksamkeit zu geben, weil du dann nicht mehr flüchten musst. Und dann kannst du lernen, empfindsam zu werden. Das ist der Weg zurück, zurück zur Unschuld, zurück zu dem, was du wirklich bist: zurück zu Gott, zurück in den Himmel.
Wenn du 'ja' sagen lernst, wenn du lernst, dich selbst anzunehmen, deine Gefühle und die Welt, brauchst du den Gedanken keine Aufmerksamkeit zu geben, weil du nicht mehr flüchten musst. Und dann kannst du lernen, empfindsam zu werden. Das ist der Weg zurück zur Unschuld, zurück zu dem, was du wirklich bist: zu Gott, in den Himmel.
Link zum Zitat im Video bei 1h40m40s
Wenn dich die Samarpan-Meditation interessiert... Wie gesagt: Swamiji, der indische Guru, der lebt noch. Es ist wirklich ein Wunder, dass wir in einer Zeit leben, wo solch ein Medium Gottes gerade auf der Erde wandelt. Der bringt diese Meditation aus dem Himalaya in die Gesellschaft zu uns. Wir können das lernen, während wir ein ganz normales Leben führen. Das ist wirklich einmalig, die Zeit, in der wir gerade leben. So ein Segen.
Und wenn dich das interessiert: es gibt hier im deutschsprachigen Raum den Samarpan-Meditation e.V., ein eingetragener, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Deutschland, und die machen Veranstaltungen über die Meditation; die verbreiten die Informationen dazu; die sind die Ansprechpartner, die offiziellen, dafür. Und auf meiner Website, auf der Seite Samarpan-Meditation, dort habe ich dir die offiziellen Links zusammengetragen zu deren Website.
Da steht auch deren E-Mail-Adresse, da kannst du Fragen stellen. Da gibt es eine Einführung in die Samarpan-Meditation: die ist super-einfach, die kostet nichts, die geht ganz leicht. Man braucht auch nicht Mitglied in einem Club werden; die kann jeder machen. Aber wenn du sie lernen möchtest, dann bitte ich dich: wende dich an diese Menschen.
Es gibt jeden Montagabend online eine Einführung in die Samarpan-Meditation, und da wird erläutert, wie das funktioniert. Und ich habe aufgehört, darüber zu sprechen, wie man sie ganz praktisch macht, weil ich es viel besser finde, wenn du dich direkt an diese Menschen wendest. Mach so eine Einführung mit. Es geht ganz leicht, kostet nichts, und dann meditierst du einfach jeden Tag. Mehr brauchst du nicht tun.
Unterstütze mich, wenn es dir Freude macht
Link zum Thema im Video bei 1h43m28s
Und wenn du Fragen hast zu dem, was ich in diesem Video gesagt habe, oder wenn du Fragen hast zu deinem Leben, wenn du Fragen hast, wie du mit diesem Leben umgehen sollst, jetzt, wo du immer empfindsamer wirst, obwohl du es vielleicht gar nicht willst, dann freue ich mich, von dir zu hören. Ich antworte auf jede Email, ich antworte auch auf jeden Brief, aber es kann eine Weile dauern. Und die meisten Fragen beantworte ich in einem Video oder in einem Satsang.
Und wenn du gerne das, was ich hier tue mit meinen Videos und Satsangs, unterstützen möchtest, dann freut mich das sehr. Ich wende fast meine gesamte Zeit und Energie und auch Geld dafür auf. Nebenher muss ich noch ein bisschen arbeiten, aber je mehr Menschen mich dabei finanziell unterstützen, desto leichter habe ich es, das zu tun, und das freut mich sehr. Wenn du dazu Lust hast, wenn es dir Freude macht, dann kannst du dich auch dazu auf meiner Website informieren, auf der Seite Spende: da habe ich dir beschrieben, wie man mich unterstützen kann.
Eine wunderbare Möglichkeit für mich ist, wenn Menschen eine Mitgliedschaft bei Steady abschließen. Das ist ein kleiner Provider in Berlin, da kann man eine Art... Das funktioniert ähnlich wie ein Dauerauftrag. Da bekomme ich jeden Monat kleine Beiträge von den Menschen, die solch eine Mitgliedschaft abschließen, und das hilft mir sehr, das, was ich hier tue, langfristig zu planen und auf gute Beine zu stellen. Denn ich will das weitermachen. Ich mache hier nicht aus Spaß mal drei, vier Videos.
Das ist meine Leidenschaft: dich dazu zu inspirieren, diesen Weg zu gehen, diesen natürlichen, menschlichen, echten Weg, der trägt. Ich weiß, dass er funktioniert, und wenn ich den einen oder anderen Menschen dazu inspirieren kann, das auch zu probieren, dann macht mich das einfach glücklich. Ja.... wenn du dabei mithelfen möchtest: auf der Spende-Seite, erfährst du, wie da s geht.
Ich freue mich, dass du da bist.
Ich liebe dich.